BV-Med-Mitgliederversammlung

BV-Med-Vorsitzender Lugan hofft nach Wiederwahl auf „Strategieprozess Medizintechnik“

| Redakteur: Peter Reinhardt

Der BV-Med-Vorstand 2018/19: Stefan Widensohler, Marc Michel, Dr. Manfred Elff, Christiane Döring, Joachim M. Schmitt, Dr. Meinrad Lugan, Ben Bake, Frank Lucaßen, Dr. Chima Abuba, Mark Jalaß (v.l.n.r.).
Der BV-Med-Vorstand 2018/19: Stefan Widensohler, Marc Michel, Dr. Manfred Elff, Christiane Döring, Joachim M. Schmitt, Dr. Meinrad Lugan, Ben Bake, Frank Lucaßen, Dr. Chima Abuba, Mark Jalaß (v.l.n.r.). (Bild: BV-Med)

Dr. Meinrad Lugan (54) ist für zwei weitere Jahre als Vorstandsvorsitzender des BV-Med wiedergewählt worden. Er setzt große Hoffnungen in die im Koalitionsvertrag vorgesehene Fortführung des Strategieprozesses Medizintechnik, hält dabei aber am 10-Punkte-Programm des Verbandes fest.

  • Bessere Fortschrittskultur in der Weiterentwicklung und Verbesserung der Patientenversorgung erreichen
  • Zusammenspiel von Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium
  • Koalitionsvertrag zeigt gute Ansätze, medizinische Innovationen schneller in die Regelversorgung zu bringen

„Wir wünschen uns eine positive Atmosphäre für den medizinisch-technischen Fortschritt und einen schnelleren Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesundheitsversorgung“, erklärte der alte und neue Vorstandsvorsitzende des BV-Med Bundesverband Medizintechnologie Dr. Meinrad Lugan auf der Mitgliederversammlung seines Verbandes am 20. April 2018 in Berlin.

Ergänzendes zum Thema
 
Der neue Vorstand des BV-Med Bundesverband Medizintechnologie
Dr. Meinrad Lugan (54) ist auf der BV-Med-Mitgliederversammlung in Berlin als Vorstandsvorsitzender des Medizintechnik-Verbandes für zwei weitere Jahre wiedergewählt worden. Er kann insgesamt vier Neue im Vorstand begrüßen.

Die Weiterführung des „Strategieprozesses Medizintechnik“ nutzen

Der BV-Med wolle die vorgesehene Weiterführung des Strategieprozesses Medizintechnik nutzen, um eine bessere Fortschrittskultur in der Weiterentwicklung und Verbesserung der Patientenversorgung in Deutschland durch neue technische Lösungen zu erreichen. „Dafür ist das Zusammenspiel von Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium von großer Bedeutung“, so Lugan. Ein Ziel des Strategieprozesses Medizintechnik müsse es sein, die Erstattungs- und Bewertungssysteme an die Dynamik von medizinischen und technischen Weiterentwicklungen anzupassen.

Darüber hinaus sieht Lugan im Koalitionsvertrag weitere gute Ansätze. So fordern CDU/CSU und SPD beispielsweise, dass medizinische Innovationen schneller in die Regelversorgung gelangen und hierfür die Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) beschleunigt werden. „Die Große Koalition hat erkannt, dass wir für eine gute Patientenversorgung auf dem Stand von Wissenschaft und Technik schnellere Entscheidungen über die Vergütung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden benötigen“, stellte Lugan fest.

MDR bereitet speziell KMU Sorgen

Besondere Sorgen bereitet indes speziell den kleinen und mittleren Unternehmen der Medizintechnik die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung. „Die neuen klinischen Anforderungen sowie die umfassenden Dokumentations- und Berichtspflichten sind erhebliche Herausforderungen. Außerdem sind Engpässe bei den Benannten Stellen durch die neuen MDR-Anforderungen, durch die zurückgehende Zahl der Prüfstellen und durch den Wegfall der britischen Stellen durch den Brexit absehbar“, sieht Lugan die Branche vor großen Herausforderungen. Der „Nationale Arbeitskreis zur Implementierung der MDR und IVDR“, kurz: NAKI, böte hier die Chance, praxistaugliche Lösungen für die Umsetzung zu etablieren. Der NAKI wurde vom Bundesgesundheitsministerium unter aktiver Beteiligung des BV-Med und der Medizintechnik-Unternehmen eingesetzt.

Google, Apple, Facebook und Amazon drängen in den Markt

Nach Aussage Lugans befinde sich die Medizintechnik-Branche– ebenso wie die gesamte Gesundheitsversorgung – in einem dramatischen Umbruch. „Die Digitalisierung ist die Grundlage dafür, dass in allen Versorgungs- und Geschäftsfeldern zunehmend Daten erhoben und miteinander vernetzt werden. Neue Geschäftsmodelle entstehen. Innovations-, Produktions- und Vertriebsprozesse wandeln sich.“ Die Krankenhauslandschaft sei ebenso im Umbruch wie der Lieferantenmarkt.

Gleichzeitig treten neue Player wie Google, Apple, Facebook oder Amazon verstärkt in den Gesundheitsmarkt ein. „Das Ziel von neuen Partnerschaften im digitalen Zeitalter ist es, gemeinsam mit den Versorgungspartnern Prozesse zu optimieren, Wirtschaftlichkeitsreserven zu heben, Innovationen zu fördern – und damit gemeinsam die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern“, so der BV-Med-Vorsitzende.

BV-Med fordert Umsetzung seines 10-Punkte-Programms

Bei seiner gesundheitspolitischen Arbeit der beiden nächsten Jahre orientiert sich der Bundesverband Medizintechnologie nach Aussage Lugans an den Forderungen seines 10-Punkte-Programms:

  • 1. Wir benötigen eine bessere Fortschrittskultur, die sich stärker an den Patientenbedürfnissen orientiert.
  • 2. Wir brauchen mehr Transparenz und eine aktive Beteiligung der Industrie in der Selbstverwaltung und den Gremien.
  • 3. Wir benötigen eine sachgerechte Methodik für die Nutzenbewertung von Medizintechnologien und eine Beschleunigung der existierenden Verfahren.
  • 4. Die hochwertige Versorgung im Krankenhaus mit Medizinprodukten muss auch sachgerecht vergütet werden.
  • 5. Die ambulante Versorgung muss gestärkt werden, in dem medizintechnischer Fortschritt schneller in den EBM-Katalog aufgenommen wird.
  • 6. Wir müssen effektive Hygienemaßnahmen zur Infektionsvermeidung besser vergüten.
  • 7. Wir brauchen einen Qualitäts- statt Preiswettbewerb in der Hilfsmittelversorgung durch verpflichtende Qualitätskriterien und ein funktionierendes verbindliches, transparentes und bundeseinheitliches Vertragscontrolling.
  • 8. Die Versorgung chronischer Wunden muss durch standardisierte und spezialisierte Versorgungsstrukturen verbessert werden.
  • 9. Wir müssen die digitale Infrastruktur für Medizinprodukte ausbauen und einen neuen Versorgungsbereich "Digitale Medizin" mit schnelleren Zugangswegen etablieren.
  • 10. Wir brauchen eine tragfähige Umsetzung der EU-Medizinprodukte-Verordnung.

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