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Positionspapier BV-Med: 5 Lehren aus der Corona-Pandemie

Redakteur: Julia Engelke

Der Bundesverband Medizintechnologie, BV-Med, fordert in einem Papier, 5 Lehren aus der Corona-Pandemie zu ziehen, um zukünftig auf solche Krisen besser vorbereitet zu sein. Unter anderem schlägt der Verband eine frühere Industrie-Einbindung in Krisenstäben und Pop-Up-Krankenhäuser vor.

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BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll: „Die Corona-Krise war und ist ein Stress-Test. Unser Gesundheitssystem hat sich im Kern als robust erwiesen. Aber auch Defizite sind deutlich geworden. Wir müssen Lehren aus der Corona-Krise ziehen.“
BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll: „Die Corona-Krise war und ist ein Stress-Test. Unser Gesundheitssystem hat sich im Kern als robust erwiesen. Aber auch Defizite sind deutlich geworden. Wir müssen Lehren aus der Corona-Krise ziehen.“
(Bild: BV-Med/Darius Ramazani)

Der Bundesverband Medizintechnologie, BV-Med, fordert in einem 5-Punkte-Papier zu „Lehren aus der Corona-Pandemie“ eine bessere Vorbereitung auf künftige Krisen nationaler Tragweite. Dazu gehört aus Sicht der Medizintechnik, die Hersteller von Medizinprodukten und ihre Industrieverbände frühzeitig und regelhaft in die Krisenstäbe der Bundesregierung einzubinden, so BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Der deutsche Medtech-Verband spricht sich im Rahmen des Krisenmanagements zudem für Pop-Up-Krankenhäuser sowie schnelle personelle Unterstützung durch medizinische Fachkräfte der Bundeswehr und den Freiwilligendienst aus. Um Gesundheitseinrichtungen, Krankenversicherungen und Patienten zu entlasten, schlägt der BV-Med einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz auf Medizinprodukte von 7 Prozent vor. Das Papier kann unter www.bvmed.de/corona-lehren abgerufen werden.

Medizinprodukte sind lebensnotwendig

„Die Corona-Krise war und ist ein Stress-Test. Unser Gesundheitssystem hat sich im Kern als robust erwiesen. Aber auch Defizite sind deutlich geworden. Wir müssen Lehren aus der Corona-Krise ziehen“, erläutert BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Die Pandemie habe gezeigt, dass Medizinprodukte zu jeder Zeit in ausreichender Menge für medizinische Einrichtungen in Deutschland zur Verfügung stehen müssten. Denn Medizinprodukte sind für die intensivmedizinische Versorgung und für die Regelversorgung der Menschen lebensnotwendig. „Aber sie werden auch zur Überwindung der Krise – kein Impfen ohne Spritzen und Kanülen, kein Schutz ohne medizinische Ausrüstung – millionenfach notwendig gebraucht“, so der BV-Med. Auch die Hilfsmittel- und Homecare-Versorger, die ambulant mit Medizinprodukten versorgen, hätten in der Krise ihre Bedeutung zur Entlastung der stationären Strukturen gezeigt.

Konkrete Forderungen

Um künftige Krisen-Situationen besser zu meistern, fordert der BV-Med:

  • 1. Pragmatische Lösungen verstetigen: Die guten Lösungsansätze, die während der Pandemie beispielsweise für die Hilfsmittelversorgung entwickelt wurden, sollten aus Sicht des BV-Med beibehalten werden. Unbürokratische und pragmatische Lösungen fordert der BV-Med vor allem bei der Umsetzung der neuen Medical Device Regulation (MDR) ein. Benannte Stellen müssten in einer konzertierten Aktion aller beteiligten europäischen Behörden schneller notifiziert werden und über ausreichende personelle Ressourcen verfügen. Für bewährte Bestandsprodukte sollten Lösungen auf Grundlage der klinischen Praxis entwickelt werden. Bei Nischenprodukten („Orphan Devices“) spricht sich der BV-Med für „humanitäre Ausnahmeregelungen“ aus.
  • 2. Strategische Souveränität anstreben: Um eine stärkere strategische Souveränität bei versorgungskritischen Medizinprodukten und Arzneimittel aufzubauen, fordert der BV-Med den Ausbau einer starken europäischen Forschung und Produktion für Medizinprodukte sowie den Schutz des geistigen Eigentums als Motor für Innovationen. Um den Medizintechnik-Standort Deutschland zu stärken, sollten gezielte Förderprogramme zum Auf- und Ausbau der Produktion versorgungskritischer Medizinprodukte aufgelegt werden.
  • 3. Kostendruck reduzieren: Zur Entlastung von Patienten, Gesundheitseinrichtungen und Krankenversicherungen muss aus Sicht des BV-Med die Mehrwertsteuer für alle Medizinprodukte einheitlich auf 7 Prozent gesenkt werden. Im deutschen DRG-System spricht sich der BV-Med für die Aussetzung des Fixkosten-Degressionsabschlags sowie der Sachkostenabsenkung aus.
  • 4. Krisenvorsorge strukturell stärken: Verbesserungspotenzial sieht der BV-Med bei Transparenz und Koordination der Krisenstäbe. Die Medizinprodukte-Industrie sollte frühzeitig und regelhaft in die Krisenstäbe der Bundesregierung eingebunden werden, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. In Ergänzung zur Lagerhaltung kritischer Rohstoffe und Güter spricht sich der BV-Med für eine digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte aus, um die Tendenz zu massiven Über- und Mehrfachbestellungen in Krisensituationen und die damit verbundenen, intransparenten Verteilungsproblemen künftig zu vermeiden. Die nationale Krisenvorsorge sollte nach Ansicht des deutschen Medtech-Verbandes in ein europäisches Krisenmanagement eingebettet sein. Dazu schlägt der BV-Med beispielsweise vor, Pop-Up-Krankenhäuser für das europäische Krisenmanagement vorzuhalten. Zudem sei eine schnelle personelle Unterstützung in Krisenzeiten durch medizinische Fachkräfte der Bundeswehr und den Freiwilligendienst sinnvoll. Wichtig sei auch, den Zugang zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für die Mitarbeitenden von Medizintechnik-Unternehmen in Krisenzeiten sicherzustellen.
  • 5. Soziale Datenwirtschaft aufbauen: Begleitend zu einem Krisenmanagement sollte der Weg der Digitalisierung im Gesundheitsbereich ausgeweitet werden. „Wir brauchen eine Datenökonomie nach dem Vorbild der Sozialen Marktwirtschaft“, so der BV-Med. Dazu gehöre der gleichberechtigten Zugang der Medizinprodukte-Unternehmen zu Forschungsdaten und eine bundeseinheitliche Regulierung des Datenschutzes.

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