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Anatomics / Csiro

Additiv gefertigtes Brustbein- und Rippenimplantat

| Redakteur: Kathrin Schäfer

17.478 km liegen zwischen dem spanischen Salamanca und dem australischen Melbourne. Eine Entfernung, von der sich weder die Ärzte des Universitätsklinikums Salamanca noch das Medizintechnikunternehmen Anatomics haben einschüchtern lassen. Sie haben einem 54-jährigen Patienten mit Brustwandsarkom ein 3D-gedrucktes Brustbein- und Rippenimplantat aus Titan verschafft.

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Die Vorderseite ...
Die Vorderseite ...
( Bild: Anatomics )

Beim Brustwandsarkom handelt es sich um einen Tumor, der im und um den Thorax wächst. Deshalb mussten das Brustbein und ein Teil der Rippen des 54-jährigen Patienten entfernt und durch ein Implantat ersetzt werden. Weil die Anfertigung von Prothesen aufgrund komplexer Geometrien und feiner Strukturen gerade für diesen Teil der Brust schwierig ist, hat sich das Operationsteam der spanischen Universitätsklinik in Salamanca für den 3D-Druck von Brustbein und Rippen entschieden. Entwickelt und hergestellt wurde das Implantat dann am anderen Ende der Welt.

Implantat basierend auf CT-Daten

Auf Basis hochauflösender CT-Daten hat das Medizintechnikunternehmen Anatomics eine 3D-Rekonstruktion der Thoraxwand und des Tumors angefertigt. Dies hat den Chirurgen die Planung und Festlegung des Absetzungsrands ermöglicht. Somit konnte Anatomics ein Implantat mit einem festen Brustbeinkern und halbflexiblen Titanstäben konstruieren, die als Rippenprothesen fungieren. In Zusammenarbeit mit der Firma Csiro stellte das Team dann im additiven Fertigungszentrum Lab 22 ein Implantat aus einer für chirurgische Eingriffe geeigneten Titan-Legierung her.

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Konventionellen Herstellungsmethoden überlegen

„Wir haben das Implantat mithilfe unseres 1,5 Mio. Euro teuren Arcam-Druckers erstellt, so Alex Kingsbury aus dem Csiro-Produktionsteam. „Der Drucker richtet einen Elektronenstrahl auf eine Lage Titanpulver und bringt dieses zum Schmelzen. Dieser Prozess wird dann wiederholt, sodass das Produkt Schicht für Schicht aufgebaut wird, bis das fertige Implantat vorliegt. Der 3D-Druck ist konventionellen Herstellungsmethoden deutlich überlegen, vor allem wenn es um biomedizinische Anwendungen geht. Er ermöglich nicht nur eine patientenspezifische Anfertigung, sondern ermöglicht auch noch die schnelle Herstellung von Prototypen, was sehr von Vorteil ist, wenn ein Patient kurz vor der Operation steht.“

Sobald die Prothese fertiggestellt war, wurde diese per Kurier nach Spanien verschickt und dem Patienten implantiert. Bereits zwölf Tage nach dem Eingriff wurde der Patient entlassen.

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