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Schaumstoffe in der bildgebenden Diagnostik und medizintechnischen Geräteausrüstung Wenn Materialien schweigen müssen

Ein Gastbeitrag von Zotefoams 6 min Lesedauer

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Ein MRT-Scanner reagiert äußerst empfindlich auf ungeeignete Materialien, die magnetisch wirken, ausgasen, Partikel freisetzen oder die Bildqualität beeinträchtigen können. Auch scheinbar passive Schaumstoffe müssen daher strenge Anforderungen erfüllen. Ihre Auswahl für Lagerungssysteme, CT-Stützen oder medizinische Transportverpackungen ist deshalb eine sicherheits- und qualitätsrelevante Entscheidung.

Die Frage, welcher Schaumstoff in einem MRT-Lagerungssystem, einer CT-Stütze oder einer medizinischen Transportverpackung zum Einsatz kommt, ist weit mehr als eine Einkaufsentscheidung.(Bild:  Zotefoams Medical)
Die Frage, welcher Schaumstoff in einem MRT-Lagerungssystem, einer CT-Stütze oder einer medizinischen Transportverpackung zum Einsatz kommt, ist weit mehr als eine Einkaufsentscheidung.
(Bild: Zotefoams Medical)

Ein MRT-Scanner ist, nüchtern betrachtet, ein riesiger Magnet mit angeschlossener Informatik – und einer bemerkenswerten Intoleranz gegenüber allem, was er eigentlich nicht sehen soll. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein chirurgisches Instrument versehentlich in den Scanraum gelangte, kennt das Ergebnis: laut, dramatisch, teuer. Was weniger dramatisch klingt, aber mindestens genauso folgenreich ist, betrifft die stillen Störenfriede: Materialien, die ausgasen, Partikel abgeben oder durch ihre bloße Anwesenheit das Bild verfälschen. Schaum klingt dabei zunächst unverdächtig: weich, passiv, unscheinbar. Doch in der bildgebenden Diagnostik und in der medizintechnischen Geräteausrüstung ist gerade diese scheinbare Passivität die entscheidende Eigenschaft. Materialien, die wirklich nichts tun, also keine Partikel abgeben, nicht ausgasen, nicht magnetisch reagieren, keine Feuchtigkeit aufnehmen, sind schwerer herzustellen, als man annehmen möchte. Und die Frage, welcher Schaumstoff in einem MRT-Lagerungssystem, einer CT-Stütze oder einer medizinischen Transportverpackung zum Einsatz kommt, ist weit mehr als eine Einkaufsentscheidung.

Radioluzenz ist kein Zufall

Die bildgebende Diagnostik lebt von Signalreinheit. Ein CT-Scanner, der Knochendichte messen soll, kann getrost auf Material im Strahlengang verzichten, das selbst ein Signal erzeugt. Gleiches gilt für ein MRT-System: Materialien mit ferromagnetischen oder Artefakte erzeugenden Eigenschaften sind hier eher abträglich. Anforderungen, die einfach scheinen, aber tatsächlich komplex sind, denn viele Standardschaumstoffe scheitern genau daran: nicht an offensichtlicher Toxizität, sondern an unerwünschten Wechselwirkungen mit dem bildgebenden System selbst.

Radioluzenz ist hier der Schlüssel. Sie ist das Ergebnis dessen, was während der Herstellung in das Material eingebracht oder eben weggelassen wird. Schaumstoffe, die im Stickstoff-Expansionsverfahren hergestellt werden, enthalten keine Restmengen chemischer Treibmittel, keine Weichmacheradditive und keine flüchtigen organischen Verbindungen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Designentscheidung, sondern eine prozessbedingte Konsequenz: Stickstoff, ein inert wirkendes Gas aus der Atmosphäre, wird als Treibgas zur Expansion des Materials eingesetzt und steht anschließend im Gleichgewicht mit der umgebenden Luft, sodass keine chemischen Treibmittelrückstände im Schaum verbleiben, die sich in einem Scanumfeld bemerkbar machen könnten. Bei chemisch geschäumten Materialien liegen Treibmittelreste in der Regel gasförmig vor und sind für Röntgenstrahlung weitgehend transparent, sodass sie die Radioluzenz nicht zwangsläufig beeinträchtigen. Kritischer für das Bild sind zusätzliche feste Additive oder Füllstoffe, die Röntgenstrahlen absorbieren und Artefakte erzeugen können. Was bleibt, ist ein homogener, geschlossenporiger Schaumstoff mit konsistenter Zellstruktur – und genau diese Homogenität ist entscheidend, denn nur reproduzierbare Materialeigenschaften ermöglichen reproduzierbare Bildgebungsergebnisse über den gesamten Lebenszyklus eines Lagerungssystems.

Hieraus ergeben sich darüber hinaus praktische Rückschlüsse für die Geräteentwicklung. MRT-Spulenpads, CT-Stützkissen, Positionierungsblöcke und Lagerungshilfen aus geeigneten geschlossenporigen Schaumstoffen interferieren nicht mit dem Bildgebungsprozess. Sie verändern ihre Eigenschaften nicht durch Feuchtigkeitsaufnahme – denn ihre Zellstruktur verhindert, dass Wasser oder Körperflüssigkeiten ins Material eindringen. Und sie lassen sich nach Gebrauch mit Standarddesinfektionsmitteln reinigen, ohne dass das Material degradiert. In einer Klinikumgebung, in der Scanzeiten getaktet und Geräteauslastungen optimiert werden, ist das kein Komfortmerkmal. Es ist eine Systemanforderung, die sich auf die gesamte Betriebsökonomie eines Bildgebungsgeräts auswirkt.

Reinraumtauglichkeit und chemische Inertheit

Wer medizintechnische Geräte entwickelt, bewegt sich in einem regulatorischen Umfeld, das keine Kompromisse kennt. Die EU-Medizinprodukteverordnung MDR (EU 2017/745) stellt explizite Anforderungen an die Biokompatibilität von Materialien, die in Kontakt mit Patienten oder mit patientennahen Systemen kommen. Die ISO-10993-Normenreihe definiert den Prüfrahmen: Zytotoxizität, Sensibilisierung, Irritation, chemische Charakterisierung – und zwar für alle Komponenten, nicht nur für das Endprodukt. Für chemisch geschäumte Schaumstoffe können Treibmittelreste und Zersetzungsprodukte insbesondere bei Anwendungen mit Hautkontakt und im Rahmen von Prüfungen nach ISO 10993 relevant werden – selbst, wenn sie die Radioluzenz der Materialien nicht maßgeblich beeinflussen. Das Problem für Entwicklungsteams liegt dabei weniger im Prüfaufwand selbst, sondern im Timing: Wer spät im Entwicklungsprozess feststellt, dass ein eingesetztes Material keine ausreichende Biokompatibilitätsdokumentation mitbringt, muss mit erheblichen Verzögerungen und zusätzlichen Kosten rechnen.

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Diese Frage stellt sich nicht nur für Geräte, die direkt am Patienten eingesetzt werden. Sie ist ebenso relevant für Komponenten, die in kontrollierten Produktionsumgebungen hergestellt werden – also in Reinräumen, aseptischen Bereichen oder pharmazeutischen Fertigungslinien. Dort sind Partikelabgabe und Ausgasungen keine abstrakten Risiken, da sie definierte Grenzwerte beeinflussen, deren Überschreitung Chargen unbrauchbar macht und Zulassungsverfahren verzögert. Fluoropolymer-basierte Schaumstoffe wie PVDF-Typen erfüllen die UL-94 V-0-Brandschutzanforderungen und sind bereits in solchen Umgebungen eingesetzt worden. Und das nicht etwa, weil sie besonders robust beworben werden, sondern weil ihre chemische Trägheit und Partikelfreiheit reproduzierbar nachgewiesen sind. Zotefoams etwa setzt bei diesen Materialien konsequent auf ein Herstellungsverfahren ohne chemische Treibmittel – eine Entscheidung, die weniger aus Marketingüberlegungen resultiert als aus den Anforderungen der Branchen, für die diese Schaumstoffe entwickelt wurden.

Geschlossenporige Strukturen spielen dabei eine zentrale, oft unterschätzte Rolle. Anders als offenporige Alternativen nehmen sie keine Feuchtigkeit auf, bieten keinen Nährboden für mikrobielle Besiedelung und lassen sich im Reinraumbetrieb prozesssicher einsetzen. Das vereinfacht nicht nur die Validierung, sondern reduziert auch den Reinigungs- und Wartungsaufwand im laufenden Betrieb. Für Hersteller, die unter ISO 13485 oder GMP-Anforderungen arbeiten, ist das weniger eine technische Feinheit als eine handfeste Anforderung an das Qualitätsmanagementsystem.

Gerätetransport und Verpackung medizintechnischer Systeme

Ein ECMO-Gerät, das auf dem Weg in ein Krankenhaus beschädigt wird, ist kein Logistikproblem. Es ist ein klinisches Versagen. Dasselbe gilt für Transportbehälter von Impfstoffen, für Einlagen in Toolkit-Lösungen im OP-Saal, für Verpackungen von bildgebenden Gerätekomponenten oder für die Schutzeinsätze in Diagnosegeräte-Koffern. In all diesen Anwendungen ist die Materialentscheidung direkt mit der Funktionssicherheit des medizintechnischen Systems verknüpft – und der Fehler manifestiert sich oft nicht beim ersten Transport, sondern vielleicht erst im wiederholten Einsatz.

Das grundlegende Problem bei der Auswahl von Verpackungsmaterialien für medizintechnische Systeme ist die Differenz zwischen einmaliger Prüfleistung und Langzeitverhalten. Ein Schaumstoff, der im Falltest eine gute Dämpfungskurve zeigt, muss dieselbe Schutzleistung nach Hunderten von Transportzyklen immer noch erbringen – ganz unabhängig von Temperaturen, wechselnden Druckverhältnissen und in Kontakt mit Reinigungsmitteln oder Desinfektionslösungen. Materialien, die dabei Feuchtigkeit aufnehmen oder chemisch degradieren, verlieren ihre mechanischen Eigenschaften – oft graduell und ohne offensichtliches Versagen, bis die Schutzwirkung unter den kritischen Schwellenwert fällt.

Das zeigt sich an konkreten Anforderungen aus der Praxis: Bei der Entwicklung von Transporttrays für Covid-19-Impfstoffe, die bei bis zu -70 Grad Celsius gelagert werden mussten, war die Materialfrage weniger eine Frage der Dämpfungsleistung bei Raumtemperatur als eine Frage der Strukturstabilität bei Extremkälte, der Inertheit gegenüber dem gelagerten Inhalt und der Feuchtigkeitsbeständigkeit in kondensierenden Umgebungen. PVDF-basierte Schaumstoffe wurden in diesem Kontext erprobt, weil ihre chemische Zusammensetzung diese Anforderungen im Zusammenspiel erfüllt. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einer anwendungsneutralen Materialauswahl und einer, die die Systemanforderungen der konkreten Einsatzsituation als Ausgangspunkt nimmt. In einem regulierten Umfeld, in dem jede Komponente einer Transportverpackung dokumentiert, validiert und bei Änderungen neu bewertet werden muss, ist Materialkontinuität kein Wohlfühlfaktor, sondern ein direkter Kostentreiber im Zulassungsmanagement.

Materialauswahl als Konstruktionsentscheidung, nicht als Beschaffungsaufgabe

Die Gemeinsamkeit aller drei beschriebenen Anforderungsfelder – Bildgebung, Reinraum, Transport – liegt darin, dass das Material nicht im Mittelpunkt der Anwendung steht. Es ist der stille Enabler: Es soll nicht auffallen, nicht versagen, nicht interferieren. Diese Art von Anforderung ist in Lastenheften oft schwerer zu formulieren als eine Zugfestigkeitsanforderung, weil sie nicht das beschreibt, was das Material leisten soll, sondern das, was es unter keinen Umständen tun darf.

Die Konsequenz für die Produktentwicklung ist, dass Materialentscheidungen früh im Prozess getroffen werden müssen – nicht nach dem ersten Prototyp. Wer die Materialfrage auf die Beschaffungsphase verschiebt, riskiert, Anforderungen aus Biokompatibilität, Reinraumtauglichkeit oder Langzeitstabilität erst dann zu adressieren, wenn eine Neukonstruktion teuer geworden ist. Die technische Dokumentation, die ein Materiallieferant bereitstellen kann (Biokompatibilitätsnachweise, VOC-Messungen, Kompressionsverhalten über Zyklen), ist dabei kein Anhang zur Bestellung. Sie ist Bestandteil des regulatorischen Dossiers, das die Grundlage jeder Marktzulassung bildet und wird etwa bei Zotefoams als fester Bestandteil der Materiallieferung bereitgestellt, um den Zulassungsprozess des Kunden zentral zu erleichtern.

In der medizintechnischen Geräteentwicklung werden Materialien, die wirklich nichts tun, nicht zufällig gefunden. Sie werden spezifiziert, geprüft und dokumentiert – Schritt für Schritt, mit dem gleichen Aufwand wie jede andere sicherheitsrelevante Komponente. Schaumstoffe, die wirklich schweigen können, sind das Ergebnis dieser Arbeit, und dass ein MRT-Scanner am Ende des Tages nur sieht, was er sehen soll, hat damit mehr zu tun, als es von außen den Anschein hat.