Das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité will 3D-Mikroskopie, Sequenzierung, räumliche Proteinanalyse und Laborautomatisierung verbinden. Die technische Aufgabe liegt darin, Proben und Daten aus den verschiedenen Verfahren zuverlässig aufeinander zu beziehen. Erste Forschungsprojekte sind für 2028 vorgesehen.
Schema: 3D-Bild, Sequenzdaten und räumliche Proteinanalyse aus einem Gewebe sollen in einem gemeinsamen Bezugssystem zusammengeführt werden. Wie genau das gelingt, ist offen. Bild: KI-generiert
(Bild: KI-generiert / Redaktion Devicemed.de)
Ein Genbefund kann Hinweise auf eine Erkrankung geben. Für seine Deutung ist oft ebenso wichtig, aus welchem Bereich eines Gewebes die untersuchten Zellen stammen und welche Zellen sie umgeben. Diese räumliche Information will das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) mit molekularen Analysen zusammenführen. Am 25. September 2026 eröffnete es dafür die Spatial Diagnostics Platform. Beteiligt sind Roche Diagnostics, RoX Health, Zeiss, Bruker Daltonics, Hamilton Germany und LIMAA Technologies. Die Idee entstand laut Berlin Institute of Health (BIH) im Austausch mit RoX Health, einem Innovationsstudio von Roche [1].
Mehrere Messverfahren, ein Gewebe
Den geplanten Ablauf beschreibt das BIH so: Zeiss und LIMAA Technologies liefern hochauflösende dreidimensionale Bilder des Gewebes. Roche bringt die Sequenziertechnik Sequencing by Expansion (SBX) ein, Bruker Verfahren zur räumlichen Proteinanalyse und Hamilton Systeme für die Laborautomation. KI-gestützte Auswertungsverfahren sollen die Ergebnisse verbinden und diagnostisch relevante Muster erkennen. Als mögliche Anwendungsgebiete nennt das BIH Krebs, komplexe entzündliche sowie seltene genetische Erkrankungen [1].
Die Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen. Mikroskopische Bilder zeigen den Aufbau des Gewebes. Die Sequenzierung untersucht DNA oder RNA. Die Proteinanalyse kann zeigen, welche Proteine in untersuchten Gewebebereichen vorkommen. Bei SBX wird die Information aus DNA oder RNA zunächst in ein längeres Molekül übertragen, das ein Sequenziergerät ausliest [1, 2].
Für die gemeinsame Auswertung genügt es nicht, Datensätze in einer Software zu sammeln. Ein molekularer Befund muss dem richtigen Bereich im dreidimensionalen Bild zugeordnet werden können. Dazu müssen Entnahme, Aufbereitung und Messung ebenso nachvollziehbar sein wie die Position der untersuchten Bereiche im Gewebe. Wie die geplante Plattform diese Zuordnung technisch umsetzt und welche räumliche Auflösung sie erreicht, beschreibt das BIH noch nicht [1]
Erste Forschungsprojekte ab 2028
Das BIH sieht fünf Aufbauphasen zwischen 2026 und 2029 vor. Zunächst sollen Personal, Organisation und technische Grundlagen geschaffen werden. Die Pilotphase mit ersten Forschungsprojekten soll 2028 beginnen; danach sind Studien mit Pharmaunternehmen geplant. Angaben zu Probenkapazität, Kosten, Datenformaten oder einem klinisch geprüften Anwendungsfall enthält die Mitteilung nicht [1]
Drei Datenebenen und ihre Verknüpfung
3D-Mikroskopie: zeigt Gewebearchitektur, Zellverbände und deren Lage zueinander. Sequenzierung: liefert Informationen über DNA oder RNA. Ihr Bezug zu einem Ort im Gewebe hängt vom Proben- und Analyseverfahren ab. Räumliche Proteinanalyse: erfasst Proteine mit Bezug zu ihrer Lage im Gewebe. Verknüpfung: ordnet Befunde anhand dokumentierter Probenpositionen und Bildkoordinaten einander zu. Die konkrete Umsetzung in der BIH-Plattform ist noch offen.
Das BIH stellt in Aussicht, Daten und eine individuelle Therapieempfehlung innerhalb von Stunden bereitzustellen. Herkömmliche Verfahren benötigten dafür ein bis drei Wochen, heißt es in der Mitteilung. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär wird darin mit „Diagnosen in 24 Stunden“ zitiert. Welche Prozessschritte der Vergleich umfasst, wird nicht ausgeführt [1].
Die BIH-Mitteilung nennt kein Sequenziergerät. Roche hat im Juni 2026 seine auf SBX beruhende Plattform Axelios 1 weltweit eingeführt und kennzeichnet sie ausdrücklich als System für Forschungszwecke, das nicht für diagnostische Verfahren bestimmt ist. Roche gibt für das Gerät eine Genomsequenzierung am selben Tag in Forschungsabläufen an. Daraus lässt sich keine Bearbeitungszeit für die gesamte BIH-Prozesskette ableiten [2].
Für Gerätehersteller und Labore liegt die Aufgabe damit in der Verbindung der Verfahren: Ein dokumentierter Probenweg, automatisierte Arbeitsschritte und eine überprüfbare räumliche Zuordnung müssen zusammenwirken. Das BIH beschreibt die Infrastruktur zudem als lernend: Modelle sollen mit neu ausgewerteten Fällen verbessert werden. Für einen späteren diagnostischen Einsatz stellt sich damit auch die Frage, wie Softwarestände, Änderungen und ihre Prüfung nachvollziehbar bleiben [1].
Stand: 08.12.2025
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