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Weltgrößter In-house-Event der Kunststoffbranche: „Der Bediener wird zum Bedienten“

| Autor: Peter Reinhardt

Rund 6.300 geladene Gäste aus 54 Nationen kamen vom 14. bis 17. März 2018 zu den Arburg-Technologie-Tagen nach Loßburg. Darunter auch wieder viele Vertreter aus der Medizintechnik.

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Volles Haus in Loßburg: Rund 6.300 Kunststoff-Fachleute kamen vom 14. bis 17. März 2018 zu den Arburg Technologie-Tagen, dem weltweit größten In-house-Event der Branche.
Volles Haus in Loßburg: Rund 6.300 Kunststoff-Fachleute kamen vom 14. bis 17. März 2018 zu den Arburg Technologie-Tagen, dem weltweit größten In-house-Event der Branche.
(Bild: Arburg)
  • Volles Haus: Rund 6.300 Gäste informieren sich bei Arburg zu Trends in der Kunststoffverarbeitung
  • Spritzgießen on demand
  • Digitale Transformation praxisnah: Schnittstellen-Café, neue Assistenzpakete sowie AR- und VR-Vorführungen

„Unser Konzept hat sich bewährt und die Technologie-Tage zum weltweit größten In-house-Event der Kunststoffbranche gemacht. Insgesamt konnten wir von 1999 bis 2018 mehr als 87.500 Besucher bei unseren Technologie-Tagen in Loßburg begrüßen“, macht Michael Hehl, geschäftsführender Arburg-Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung, keinen Hehl aus seinem Stolz auf den einzigartigen Event. Dabei kommt Jeder zweite Besucher kommt zum ersten Mal zu den Technologie-Tagen, um das Arburg-Leistungsspektrum und -Unternehmen live kennenzulernen.

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Mehr Besucher als auf vielen Messen

Arburgs Technologie-Tage 2018 sind die 20. Auflage dieses Events. Etwas Vergleichbares findet man in Deutschland kaum. Alleine der Druckmaschinenhersteller Heidelberger oder der Werkzeugmaschinenhersteller DMG mit seiner Hausmesse in Pfronten sind in der Lage Ähnliches auf die Beine zu stellen. „Aber mit rund 6.300 Besuchern, haben wir branchenübergreifend die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland“, gibt sich Dr. Christoph Schumacher, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation, selbstbewusst. Innerhalb der Kunststoffbranche ist der In-house-Event sogar weltweit der größte seiner Art. Aber Schumacher muss auch zugeben muss, dass es für ein großes Familienunternehmen wie Arburg schon eine Herausforderung ist, eine Hausmesse in dieser Größenordnung zu organisieren. 660 Mitarbeiter seien im Einsatz, um den Besucheransturm zu bewältigen – und das bei laufender Produktion.

Mehr Besucher als auf vielen Messen

Zum Vergleich: Die Schweizer Fachmesse Swiss Plastics zählt gerade mal rund 4.500 Besucher und selbst die Branchenmesse Medtec Europe erfährt mit gut 6.000 Besuchern weniger Aufmerksamkeit als die Technologie-Tage von Arburg. Keine ganz große Überraschung also, dass sich Arburg als letzter Sritzgießmaschinenaussteller vor zwei Jahren von dieser Messe verabschiedet hat und voll auf die eigene Veranstaltung setzt. Insofern ist Schumacher durchaus stolz darauf, dass sich selbst etablierte Messeveranstalter für das Erfolgsgeheimnis der Technologie-Tage von Arburg interessieren. Dazu zählen in erster Linie die stetige Innovation und die Präsentation von wegweisenden Zukunftstechnologien. Laufpublikum profitiert davon übrigens nicht. Jeder einzelne Besucher ist persönlich eingeladen. Dennoch ist das Gesamtpaket für Schumacher nicht zu kopieren. „Wir mussten über eine lange Lernrampe gehen, um den heutigen Status zu erreichen.“

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Allrounder 1120 H mit iF Design Award 2018 ausgezeichnet

Der Allrounder 1120 H mit 6.500 kN Schließkraft ist das neue Flaggschiff von Arburg und hat das Leistungsspektrum deutlich erweitert. Die Hybridmaschine verbindet elektrische Schnelligkeit und Präzision auf der Schließseite mit hydraulischer Kraft und Dynamik beim Einspritzen. Hinzu kommt sein zukunftsweisendes Design.

Juliane Hehl, die als geschäftsführende Gesellschafterin den Marketingbereich verantwortet, ist stolz auf die Auszeichnung des Allrounder 1120 H mit dem iF Design Award 2018.
Juliane Hehl, die als geschäftsführende Gesellschafterin den Marketingbereich verantwortet, ist stolz auf die Auszeichnung des Allrounder 1120 H mit dem iF Design Award 2018.
( Bild: Arburg )

Ästhetik, Funktionalität und Ergonomie

Dieses zeichnet sich nicht nur durch Ästhetik und moderne Farb- und Formgebung, sondern vor allem durch noch mehr Funktionalität und eine deutlich verbesserte Ergonomie aus. Zu den praktischen Extras, die das Rüsten und die Arbeitsabläufe der Großmaschine erleichtern, zählen eine ausklappbare Treppe zur Schließeinheit, Servicetüren für die Versorgungseinrichtungen und integrierte LED-Lichtleisten, die den Betriebszustand anzeigen. Ebenfalls neu ist die visionäre Gestica-Steuerung, deren Look-and-Feel dem smarter mobiler Endgeräte entspricht. Dazu zählen eine moderne Glasfront, ein hochauflösender Full-HD-Bildschirm sowie industrietaugliche Multi-Touch-Technik und klick-ergonomische Hardware-Tasten.

Gegen hochkarätige internationale Konkurrenz durchgesetzt

Eingereicht wurde die Bewerbung für den iF Design Award von dem Designbüro Design Tech aus Ammerbuch, die Arburg beim Design unterstützt haben. Der Allrounder 1120 H konnte sich gegen eine große Zahl an Mitbewerbern durchsetzen: Die Juroren hatten unter 6.400 Einreichungen aus 54 Ländern auszuwählen und das begehrte Gütesiegel zu vergeben.

Design: Bei Arburg schon von Anfang an wichtig

Juliane Hehl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Arburg und für den Marketingbereich verantwortlich, zeigte sich höchst erfreut über die Auszeichnung und betonte den grundlegend hohen Stellenwert, den Design bei Arburg bereits seit Jahrzehnten hat: „Unserem Motto ‚Hässlichkeit verkauft sich schlecht‘ entsprechend wurde bereits in den 1950er Jahren für die erste Serienmaschine sprichwörtlich so lange an einem Holzmodell gefeilt, bis man ein ‚Design‘ hatte, das die hochwertige Technik adäquat unterstrich.“

Ein weiterer Meilenstein sei im Jahr 1995 die Farbumstellung der Maschinen von Hammerschlaggrün zu der Mintgrün-Rapsgelb-Kombination gewesen, für die Arburg heute weltweit bekannt sei.

Teamwork: Technik- und Design-Experten

„Der nächste entscheidende Schritt war nach etwas über 20 Jahren, für die Entwicklung des neuen großen Allrounders 1120 H neben den Technikexperten aus unserem Haus von Anfang an auch Designexperten mit ins Boot zu holen, denn uns Gesellschaftern war von Beginn an klar, dass dieses ‚Flaggschiff‘ unseres Unternehmens auch ein visionäres Design bekommen muss.“ Dass dieser Weg der richtige war, zeigt jetzt die Vergabe des iF Design Awards 2018 an Arburg und seinen Allrounder 1120 H. Eine Delegation von Design Tech rund um Firmenchef Jürgen R. Schmid nahm die Auszeichnung am Freitag (9. März) im Rahmen der iF Design Award Night in der BMW Welt in München entgegen. „Mit dem Allrounder 1120 H haben Arburg und Design Tech einen Volltreffer gelandet. Dass die Maschine weltweit hervorragend ankommt, hat sich sowohl bei der Premiere auf der K 2016, der Weltleitmesse der Kunststoffbranche, als auch weiteren internen und externen Event bereits eindrücklich gezeigt.“, hält Juliane Hehl zum durchweg positiven Feedback der Kunden, der Fachpresse und auch des Wettbewerbs fest.

Der Allrounder 1120 H ist in der „Design Excellence“ auf dem iF World Design Guide zu finden.

Über den iF Design Award

Seit 65 Jahren ist der iF Design Award ein weltweites, anerkanntes Markenzeichen, wenn es um ausgezeichnete Gestaltung geht. Die Marke iF ist als Symbol für herausragende Designleistungen international etabliert. Der iF Design Award gehört zu den wichtigsten Designpreisen der Welt. Er prämiert Gestaltungsleistungen aller Disziplinen: Produkt-, Verpackungs-, Kommunikations- und Service-/User Experience-Design (UX), Architektur und Innenarchitektur sowie Professional Concept. Alle ausgezeichneten Beiträge werden im iF World Design Guide präsentiert, in der iF design app veröffentlicht und in der iF design exhibition Hamburg ausgestellt.

Geboten wurde in diesem Jahr das komplette Spektrum an Maschinen, Anwendungen und Verfahren für die effiziente Produktion von Kunststoffteilen. Expertenvorträge, eine Sonderschau zum Service, Betriebsrundgänge und vor allen auch die Effizienz-Arena, die in diesem Jahr ganz im Zeichen „Digitale Transformation“ stand, gaben zahlreiche Impulse.

Kunststoffverarbeitung in der Medizintechnik

Rund 12 bis 15 Prozent der Arburg-Maschinen gehen in die Medizintechnik. Auf den Technologie-Tagen 2018 gab es speziell für diese Branche unter anderem die Fertigung von Biotechnologiesäulen im Reinraum zu sehen, wie sie der Kunde Rittinghaus nennt. Tatsächlich handelt es sich dabei um Spritzenzylinder aus Polypropylen mit 1,6 g Schussgewicht und 2 ml Dosiervolumen, die der Auftragsfertiger als Turnkey-Lösung für einen Medizinproduktehersteller fertigt. Diese entstehen in einer Zykluszeit von 8,0 s auf einem selbstgemachten Zweifach-Werkzeug in einer GMP-konformen elektrischen Allrounder-Maschine 370 A aus Edelstahl. Die Maschine steht nicht nur im Reinraum, sondern ist zusätzlich mit einem Reinraum-Modul von Ion Statex über der Schließeinheit ausgestattet, sodass der Anwender letztlich Reinraumklasse ISO 7 erreicht, wie Sven Kitzlinger, anwendungstechnischer Berater für Medizintechnik bei Arburg, erklärt.

Branchenübergreifende Trends und Technologien

Darüber hinaus gab es alle branchenübergreifenden Trends und Technologien zu sehen, die die Kunststoffverarbeitung aktuell prägen. Für die rund 30 angereisten Fachjournalisten internationaler Herkunft wurde eigens ein Presserundgang durch die Ausstellung mit rund 50 Spritzgießmaschinen organisiert. Dabei im Fokus:

  • Additive Fertigung
  • Schnelllaufende Verpackungslösungen
  • Leichtbau
  • Turnkey
  • Spritzgießen on demand
  • Digitalisierung

Freigeformt: Acht Freeformer für additive Fertigung

Insgesamt acht Freeformer fertigten im Arburg-Kunststoff-Freiformen (AKF) additiv Funktionsbauteile aus Originalmaterial. Mit dem tropfenbasierten additiven Fertigungsverfahren steht ein System zur Verfügung bei dem Anwender unabhängig von vorgegebenen Einstellungen sind. Verarbeitet werden kann im Grunde jedes beliebige Spritzgießmaterial. Das erlaubt Anwendern, individuelle Bauteil- und Prozessoptimierungen vorzunehmen und eigene Materialien zu qualifizieren. Hart-weich-Kombinationen, klassisches Beispiel sind Gehäuse mit Dichtung, sind ebenso möglich wie die Verarbeitung von PMMA. Die Verarbeitung dieses transparenten Werkstoffes wurde in diesem Jahr erstmalig gezeigt. Ohne händische Nacharbeit wird hier aufgrund der hohen Dichte absolute Transparenz erreicht. Ein denkbarer Einsatz ist beispielsweise die Fertigung individueller Otoplastiken.

Als weitere Neuheit wurde ein medizinisch zugelassenes SEBS mit einer Härte von 28 Shore A (Cawiton PR13576) vorgestellt. Außerdem waren z. B. Verschlusskappen aus Standard-PP zu sehen sowie Bauteile aus PC, PA10, ABS und aus zwei Komponenten. Dazu Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb: „Die additive Fertigung ist für uns immer noch ein Entwicklungsthema, kein Umsatzbringer.“ „Aber wir glauben fest an die Zukunft dieser Technologie und setzen voll darauf“, ergänzt Böhms Geschäftsführer-Kollege Heinz Gaub, der bei Arburg die Technik verantwortet. Aus dem Umfeld der Medizintechnik begrüßt das Martin Manka, Senior Sales Manager Medical: „Unser Freeformer war in den vergangenen zwölf Monaten das Highlight.“ Forschungsarbeiten mit der Technischen Universität München und Projekte mit dem Branchenprimus Aesculap belegen das.

Der Freeformer im Praxis-Einatz bei Aesculap

„Wir haben seit Dezember 2017 einen Arburg-Freeformer im Einsatz“, erklärt dazu Hans Keller, Leiter des Prototypen- und Werkzeugbaus im Bereich Forschung und Entwicklung bei Aesculap, der jedoch durchaus auch auf andere addtivie Technologien setzt. Insgesamt habe er 15 weitere Maschinen im Einsatz – für Kunststoff ebenso wie fürs Metall-Lasersintern. Darauf werden unter anderem Prototypen und Hilfswerkzeuge für die Produktion sowie Sägeschablonen und Probeimplantate für künstliche Kniegelenke in geringen Stückzahlen angefertigt. „Großer Vorteil des Freeformers ist der Einsatz von original Kunststoffgranulat“, so Anwender Keller. Und natürlich ist das Thema Geschwindigkeit hier von besonderer Bedeutung

Wenn es schnell gehen muss

Schnelllaufende Verpackungslösung auf einem hybriden Allrounder 630 H in Packaging-Ausführung: Bei der Fertigung von Einweg-Kunststofflöffeln (Zykluszeit 6,4 s) kommt es auf jede Sekunde, wenn nicht sogar Zehntelsekunde an. Zykluszeitoptimierung ist daher das Stichwort bei dieser Anwendung des Arburg-Partners Styrolution. Dafür fahren beim Rückfahren der Platte die Auswerfer der 20 Kavitäten synchron nach vorne, sodass die Teile „wie ein Vorhang fallen.“ Ein hybrider Allrounder 820 H im neuen Design und mit neuer Gestica-Steuerung fertigte zudem mit einem 48-fach-Werkzeug in 12,7 Sekunden Zykluszeit Gewindeverschlüsse.

Trendthema Leichtbau

Alleine fünf verschiedene Verfahren und Lösungsansätze zum Thema Leichtbau konnten die Besucher der Technologie-Tage 2018 zudem unter die Lupe nehmen:

  • Faser-Direct-Compoundieren (FDC): Faserverstärkte Abdeckung als Sicherheitsbauteil auf einem hydraulischen Allrounder 820 S mit Multilift V 15. Gezeigt wurde hier das Faser-Direkt-Compoundieren eines PP Copolymers. Über ein Seitenbeschickungsgerät werden Fasern von rund 12 mm Länge so beigemsicht, dass Gehalt etwa 30 Prozent beträgt.
  • Physikalisches Schäumen mit Profoam auf hybridem Allrounder 630 H: Beladen der Schmelze aus mit Prozessgas für eine Batterieabdeckung in der Automobilindustrie. Das Teil aus PP GF 30 ist zudem glasfaserverstärkt, sodass sich hier ein doppelter Leichtbaueffekt einstellt. Positiver Nebeneffekt: Das zugeführte Gas macht die Schmelze flüssiger, was die Formfüllung verbessert.
  • Verarbeitung von füllstoffoptimiertem Glashohlkugel-Material, roboter-automatisiert auf einem elektrischen Allrounder 820 A: Gezeigt wurde die Herstellung einer Werkzeug- und Teilebox „Profiplus“. Leichtbau wird bei diesem Teil aus Polypropylen durch Beimischung von Hohlkugeln aus Glas als Materialfüllstoff mit einem Durchmesser von 20 µm erreicht.
  • dazu noch eine schlüsselfertige Mucell-Produktionsanlage
  • und die Gasinnendrucktechnik (GIT).

Turnkey und Spritzgießen on demand

Die vorgenannten Leichtbau-Themen sind heute ebenso schon in der industriellen Praxis angekommen, wie das zunehmend wichtiger werdende Thema Turnkey. eher noch zukunftsorientiert ist dagegen das Spritzgießen on demand. Aber auch hierzu gab es auf den Technologietagen eine funktionsfähige Lösung zu sehen. Auf einem vertikalen Allrounder 375 V mit angebundenem Sechs-Achs-Roboter wurde das variantenreiche Spritzgießen als Turnkey-Lösung gezeigt. Gefertigt wurde ein Spannseil, bei dem der potenzielle Endkunde dank Industrie 4.0 die Länge sowie die Ausführung der beiden Endstücke auswählen kann. Erst wenn der Kunde sein Teil konfiguriert hat, wird dieses in Losgröße 1 gefertigt. Denkbar ist durchaus, diesen Prozess an eine Online-Bestellung beispielsweise über Amazon anzubinden, womit man mittendrin ist im Mega-Thema Digitalisierung.

Digitale Transformation

Die etablierte Effizienz-Arena auf den Technologie-Tagen stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Digitalisierung und war damit erneut ein Publikumsmagnet. Hier konnten sich Besucher zunächst im Schnittstellen-Café unter dem Schlagwort „for connection“ über den aktuellen Stand der Euromap-Schnittstellen 77 (MES-Systeme), 79 (Robot-Systeme) und 82 (Peripherie) sowie zur Synchronisation von Maschinen und Robot-Systemen informieren. „Bei Euromap treiben wir die OPC-UA-Umstellung voran“, erklärt dazu Technik-Geschäftsführer Gaub. Arburg selbst verwendet dieses Kommunikationsprotokoll bereits seit 2010.

Schlagwort der Effizienz-Arena selbst war 2018 „for digitalisation“. Hier drehte sich alles um die Schwerpunkte Digitale Transformation, effizientes Produzieren und Industrie 4.0 Was im Consumer-Bereich und in Teilen auch schon beim Auto Realität ist, scheint auch bei Maschinen unaufhaltsam im Kommen. „In der digitalen Welt wird der Bediener der Maschine mehr und mehr zum Bedienten“, prognostiziert dazu Gaub. Gefragt seien smarte Maschinen, die ihre zu fertigenden Teile kennen, ihre Prozesse überwachen, adaptiv regeln und die Bediener in jeder Situation aktiv unterstützen.

Sechs neue digitale Assistenzpakete

Diesbezüglich nimmt Arburg für sich in Anspruch, Vorreiter zu sein und präsentierte in der Effizienz-Arena sechs neue digitale Assistenzpakete:

  • 4.Set-up (gesprochen: for set-up) unterstützt Maschinenbediener aktiv beim Rüsten und der Eingabe von Parametern. Vorteil: mehr Zeit für produktive Aufgaben.
  • 4.Start-Stop erleichtert den Produktionsanlauf, reduziert Anfahrteile und erhöht die Produktionskapazität. Prädestiniert ist dieses Paket für anspruchsvolle Anwendungen zum Beispiel mit Mehrkomponenten- und Heißkanal-Werkzeugen.
  • 4.Optimization ist darauf ausgelegt, die Teilequalität zu steigern und Stückkosten zu reduzieren. Zu Features für die individuelle Prozess- und Effizienzoptimierung zählen Einspritzen beim Schließen des Werkzeugs, zyklusübergreifendes Dosieren und erweiterte Zuhaltung.
  • 4.Production erlaubt erfahrenen Bedienern mehr Flexibilität und Freiheit beim Programmieren von Funktionen. Es erleichtert insbesondere die Arbeit mit Sonderabläufen und komplexer Werkzeugtechnik.
  • 4.Monitoring bietet eine detaillierte Prozess- und Qualitätsüberwachung und lückenlose Prozessdokumentation. Prozessabweichungen werden zuverlässig und frühzeitig erkannt. Damit ist dieses Assistenzpaket speziell für die dokumentationspflichtige Herstellung medizintechnischer Produkte relevant.
  • 4.Service ermöglicht es, Kunden per Direktzugriff auf die Maschinensteuerung und per Online-Support schnell zu helfen und damit durch schnelle Fehlersuche und -behebung die Maschinenverfügbarkeit zu steigern. Fester Bestandteil ist der neue Arburg Remote Service ARS.

Über Virtual und Augmented Reality zu Maschinen mit eigenem Bewusstsein

Im Ausstellungsbereich „for visions“ schließlich wagte Arburg einen Blick in die digitale Zukunft des Maschinenbaus. Im Bereich Virtual Reality (VR) waren die Besucher eingeladen, in einer interaktiven Umgebung Details zur Schließeinheit des Allrounders 1120 H und zur Produktion eines Klapptrittschemels zu erleben, die in der realen Welt so nicht zu sehen sind.

Zum Thema Augmented Reality (AR) gab es zudem beispielhaft zu sehen, wie sich der Service durch eine computergestützte Erweiterung der Realität um virtuelle Zusatzinformationen oder digitale Objekten auf ein völlig neues Leistungsniveau bringen lässt. Dazu Gaub: „Wir sind überzeugt, dass das schon recht bald kommen wird. Wann genau, ist zwar noch ungewiss, aber dass der Service künftig über erweiterte Realitäten erfolgt, ist sicher.“

Für Arburg selbst bedeute das, dass IT-Kollegen, die bisher allein für die Infrastruktur zuständig waren, nun in die Produktentwicklung einbezogen werden. „Daran müssen wir uns noch gewöhnen“, gibt Gaub ganz offen zu und blickt abschließend in die noch etwas weiter entfernte Zukunft: „Wir befinden uns auf dem Weg zu Maschinen mit Bewusstsein. Auch wenn ich mir das heute noch nicht recht vorzustellen vermag.“ Aber damit geht dem Spritzgießmaschinenhersteller auch in den kommenden Jahren der Stoff für innovative Themen auf den Arburg-Technologietagen nicht aus.

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Über den Autor

 Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der MedTech-Branche