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Trendence Graduate Barometer

Was machen Medizintechnikunternehmen falsch beim Employer Branding?

| Autor/ Redakteur: Peter Reinhardt / Peter Reinhardt

Dräger, Biotronik, Fresenius, B.Braun Melsungen und Ottobock. Nur fünf Medizintechnikunternehmen schaffen es unter die Top 100 der beliebtesten Arbeitgeber deutscher Absolventen. Dagegen führen erstmals gleich fünf Automobilhersteller das Ranking an. Was machen Medizintechnikunternehmen falsch?

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Lassen alle hinter sich: Gleich fünf Unternehmen aus der Automobilindustrie liegen im Ranking von Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern an der Spitze. Die Medizintechnikindustrie folgt relativ weit abgeschlagen.
Lassen alle hinter sich: Gleich fünf Unternehmen aus der Automobilindustrie liegen im Ranking von Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern an der Spitze. Die Medizintechnikindustrie folgt relativ weit abgeschlagen.
( © lassedesignen - Fotolia)

Der Aufsteiger des Jahres ist Daimler/Mercedes-Benz. Das Unternehmen schafft es erstmals in die Top 5 der attraktivsten Arbeitgeber. BMW festigt seinen Platz als beliebtester Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler. Audi baut seine Spitzenposition bei den Ingenieuren aus. Das sind Ergebnisse des aktuellen Graduate Barometers, das das Trendence Institut seit 1999 unter rund 40.000 abschlussnahen Studierenden in Deutschland durchführt.

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Automobilindustrie rast der Medizintechnik davon

„Daimler überzeugt die Bewerber in diesem Jahr mit seiner Präsenz auf dem Campus – begleitet von neuen Karriereanzeigen und einer neuen Karrierewebsite, die den Absolventen ein ansprechendes Bild des potenziellen Arbeitgebers vermitteln“, so Trendence-Geschäftsführer Holger Koch. Auch die Konsumgüterindustrie – angeführt von Haribo – und die Sportartikelhersteller Adidas und Nike steigen in der Gunst der Bewerber.

Siemens gelingt das in diesem Jahr nicht. Der Technologiekonzern fällt von Platz 5 auf Platz 6. Damit liegt der Mischkonzern allerdings immer noch deutlich vor Dräger als erstem reinen Medizintechnikunternehmen auf Platz 33. Neben Dräger schaffen lediglich Biotronik (47.), die Fresenius Group (63.), B. Braun Melsungen (70.) und Ottobock (79.) als weitere Branchenvertreter den Sprung unter die Top 100. Dabei ist festzuhalten: Dräger, Fresenius und Ottobock rangieren schon seit über zehn Jahren etwa auf dieser Platzierung, Biotronik (seit 2013) und B. Braun (seit 2014) sind dagegen erst relativ kurz überhaupt in diesem Ranking vertreten.

Insgesamt wollen etwas weniger Studierende als im Vorjahr zu einem der Unternehmen in der Medizintechnikbranche. Es gibt aber keinen klaren Branchentrend. Im Übrigen ist Dräger der einzige Branchenvertreter, dem mit Platz 22 gerade so noch der Sprung unter die Top 25 der sogenannten High Potentials gelingt. Das sind laut Trendence-Definition Befragte mit exzellenten akademischen Leistungen (Top 25) und Auslandserfahrung und Praktikum im Inland und außeruniversitärem Engagement.

Hidden Champions werden häufig übersehen

Warum Medizintechnikunternehmen nicht stärker gefragt sind, erklärt die Bundesagentur für Arbeit (BA) wie folgt: „Als Hidden Champions werden die vielen mittelständischen Unternehmen dieser Branche häufig schlichtweg von potenziellen Bewerbern übersehen.“ Wie das auch in anderen Branchen oft der Fall ist, unterliegen sie im Wettbewerb um Fachkräfte oft den Großkonzernen. Dabei gelten Medizintechnikunternehmen allgemein als innovationsstark, zukunftsfähig und damit erfolgreich am Markt.

Eine Einschätzung, die auch Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Medizintechnologien (BVMed), teilt: „Das Auto ist präsent, auffällig, faszinierend – und noch immer des Deutschen liebstes Kind. Damit schreibt die Branche ihre wirtschaftliche Erfolgsgeschichte fort. Die Produkte der Medizintechnikbranche sind dagegen weniger auffällig und kommen meist in Situationen zum Tragen, die sich kein Mensch wünscht: bei Krankheiten oder Behinderungen.“ Für Schmitt sind die Studienergebnisse daher weder überraschend noch beunruhigend.

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