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Trumpf Trumpf will in der Medizintechnik angreifen

| Redakteur: Julia Engelke

Der Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller Trumpf möchte als Partner und Ausrüster Medizinprodukteherstellern bei der MDR-Umsetzung zur Seite stehen. Aber auch darüber hinaus will das Unternehmen Marktpotenzial in der Medizintechnikbranche erschließen und die MDR nutzen, um in wenigen Jahren ganz vorne in der Branche mitzuspielen.

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Trumpf Geschäftsführer Klaus Löffler: „Als erfahrener Maschinen- und Anlagenbauer können wir die Medizintechnikhersteller dabei unterstützen, alle neuen Anforderungen ohne großen Aufwand zu erfüllen und schnell wieder ihrem Geschäft nachzugehen.“
Trumpf Geschäftsführer Klaus Löffler: „Als erfahrener Maschinen- und Anlagenbauer können wir die Medizintechnikhersteller dabei unterstützen, alle neuen Anforderungen ohne großen Aufwand zu erfüllen und schnell wieder ihrem Geschäft nachzugehen.“
(Bild: Trumpf)
  • Trumpf bietet MDR-relevante Produktions-, Digitalisierungs- und Qualifizierungslösungen
  • Medizintechnik ein Zukunftsthema mit großem Potenzial
  • Komponenten fügen, die sich nicht mögen: Glas und Metall

Das Hochtechnologieunternehmen Trumpf unterstützt Hersteller von Medizintechnik intensiv bei der Umsetzung der neuen Medizinprodukteverordnung. Die auch MDR genannte Vorgabe der Europäischen Union tritt ab Mai 2020 in Kraft. Danach unterliegen Produkte und Herstellungsverfahren im Gesundheitswesen strengeren Auflagen. „Als erfahrener Maschinen- und Anlagenbauer können wir die Medizintechnikhersteller dabei unterstützen, alle neuen Anforderungen ohne großen Aufwand zu erfüllen und schnell wieder ihrem Geschäft nachzugehen“, sagte Klaus Löffler, als Geschäftsführer verantwortlich für Vertrieb und Services in der Lasertechnik bei Trumpf, im Rahmen eines Pressegesprächs am Stammsitz des Konzerns in Ditzingen. „Bereits seit dem Bekanntwerden der neuen MDR wurde sich im Haus damit beschäftigt. Eine eigene Abteilung wird außerdem kontinuierlich ausgebaut. Viel Erfahrung mit dem Thema Regulierung konnten wir zudem bereits in den USA sammeln.“

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Der Laser als Universalwerkzeug

Mit dem Laser stellt Trumpf nach eigener Aussage eines der flexibelsten Werkzeuge, das es im Produktionsumfeld gibt. Je nachdem wie er eingestellt ist, kann er schweißen, schneiden, markieren oder strukturieren. Mit der Kraft des Lasers lassen sich auch passgenaue Implantate für die Wirbelsäule oder den Schädel drucken, darüber hinaus auch Hüftgelenke, Zähne und Kronen. Additive Manufacturing eröffnet der Medizintechnik viele neue Möglichkeiten und auch hierfür ist der Laser das Werkzeug der Wahl. Trumpf führt unterschiedliche 3D-Drucker im Produktportfolio, die zum Teil ganz speziell auf die Anforderungen der Medizintechnik ausgerichtet sind.

Komplettpaket für die Kennzeichnung von Medizinprodukten

Mit der neuen MDR-Verordnung rückt insbesondere der von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eingeführte Unique-Device-Identification-Code (UDI) in den Fokus, ein weltweit einheitliches Kennzeichnungssystem. Demnach müssen alle Medizinprodukte einheitlich gekennzeichnet sein, damit sie sich über die gesamte Lieferkette lückenlos rückverfolgen lassen. Dieser Code muss auf jedem Medizintechnikprodukt maschinenlesbar, in Klarschrift und dauerhaft angebracht sein, damit sich das Produkt mit einem Stammdateneintrag in einer zentralen Datenbank abgleichen lässt. Trumpf bietet für diese Anforderung ein Komplettpaket für Medizintechnikhersteller. Löffler: „Der Kunde bekommt von uns eine Anlage, die nicht nur mit dem für seine Produkte am besten geeigneten Markierlaser ausgestattet ist, sondern auch mit der notwendigen Bildbearbeitungs-Software.“ Dazu gehört auch Sensorik, mit der der Kunde den UDI-Code erstellen, aufbringen und wieder auslesen kann. Also alles, was die MDR-Verordnung von ihm verlangt. „So legen wir der Produktpiraterie das Handwerk und sorgen für Vertrauen in diejenigen Hersteller, die mit unseren Lasern produzieren“, verspricht Löffler. Das sogenannte Blackmarking hinterlasse eine gut erkennbare, tiefschwarze Markierung und sei insbesondere für Operationsbesteck interessant. Eine solche Laser-Markierung auf einem medizinischen Instrument ist korrosionsbeständig. Die Instrumente lassen sich mehrmals am Tag reinigen und desinfizieren, ohne Korrosion zu zeigen. „Nur der Laser ist in der Lage, solche Markierungen vorzunehmen“, so Löffler weiter.

Künstliche Intelligenz analysiert die Produktion

Seien es Endoskope, Augenpinzetten, Stents oder Herzschrittmacher – die Hersteller benötigen zuverlässige und reproduzierbare Produktionsprozesse, um Medizintechnik effizient und in hoher Qualität herzustellen. Trumpf will mit Blick auf die neue Medizinprodukteverordnung passende Produktions-, Digitalisierungs- und Qualifizierungslösungen anbieten. Zu den digitalen Services für die Produktionsverfahren Schweißen, Schneiden, Markieren oder Strukturieren gehören die kontinuierliche Zustandsdatenerfassung, Qualitätsdatenspeicherung oder Predictive Maintenance. „Damit ermöglichen wir unseren Kunden die vollständige Überwachung des Produktionsprozesses und sorgen so für mehr Sicherheit beim Patienten. Unsere Sensoren geben Auskunft über die Leistungsfähigkeit und zeigen Möglichkeiten auf, ihn zu verbessern“, erklärte Löffler. Auch die nächste Stufe der intelligenten Sensorik sei mit künstlicher Intelligenz bereits eingeleitet. Mit ihrer Hilfe ließen sich Sensordaten in Zukunft so weitgehend analysieren, dass Produktions- und Qualitätssicherungsprozesse nochmals enorm verbessert werden könnten.

Schulen, kalibrieren, dokumentieren

Die Equipment- und Prozess-Qualifizierung der neuen MDR gilt für die Anlagen und den Fertigungsprozess. Trumpf arbeitet mit seinen Kunden Hand in Hand und führt gemeinsam alle erforderlichen Qualifizierungen durch. Dazu gehören verschiedene Messprotokolle, Mess- und Prüfabläufe sowie die Einführung definierter Dokumentationsvorschriften. „Wir schulen, kalibrieren, dokumentieren, machen Systemchecks und regelmäßige Wartungsarbeiten. Durch unsere langjährige Erfahrung mit verschiedenen Produktionsprozessen gelingt die Qualifizierung der Anlagen und Produkte schnell und der Fertigungsprozess bleibt langfristig stabil“, so Löffler.

Die Rolle der Medizintechnikindustrie für Trumpf

Die Medizintechnik ist für Trumpf ein Zukunftsthema mit einem großen Potenzial für die zwei Kernkompetenzen Lasertechnik und Digitalisierung. „Wir sind bereits heute in allen für die Medizintechnik relevanten Märkten vertreten und etabliert“, so Löffler. „Wir haben in allen Märkten funktionierende Strukturen und Service-Netzwerke, was am Ende des Tages für unsere Kunden nur von Vorteil sein kann.“ Aktuell liegt der Umsatz von Trumpf im Bereich Medizintechnik im zweistelligen Millionenbereich. Hierbei machen Markierapplikationen den größten Anteil aus, gefolgt von medizinischen 3D-Druck-Anwendungen. Löffler sieht aber insgesamt ein deutlich größeres Marktpotenzial für das Unternehmen: „Wir kennen die Wettbewerber im Markt auch von anderen Branchen und Industrien und wollen auch in der Medizintechnik angreifen – in wenigen Jahren wollen wir in der Medizinbranche ganz vorne mitspielen.“

Zu diesem Zweck sollen schon jetzt Zukunftsfelder entschlossen werden. So wurde zum Beispiel vor wenigen Monaten erfolgreich ein Verfahren entwickelt, um zwei Komponenten zu fügen, die sich eigentlich nicht mögen: Glas und Metall. Perspektivisch können Medizinproduktehersteller mit diesem Fügeverfahren auf Klebeverbindungen verzichten, z.B. bei Endoskopen.

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