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Trotz Handicap beweglich

| Autor/ Redakteur: / Kathrin Schäfer

Ob Schwerlast-Rollstuhl oder aktives Sitzsystem für Rollstühle: Mit wartungsfreien Gleitlagern werden Nischenprodukte wie diese extrem beweglich und komfortabel. Die Lager sind kompakt, sie benötigen keine Schmierung und sind uneingeschränkt für den Outdoor-Einsatz geeignet.

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Motion Solutions hat einen extrem wendigen und kompakten Elektrorollstuhl für Personen mit bis zu 350 kg Körpergewicht entwickelt.
Motion Solutions hat einen extrem wendigen und kompakten Elektrorollstuhl für Personen mit bis zu 350 kg Körpergewicht entwickelt.
(Bild: Motion Solutions GmbH)

Bei den Produkten der Motion Solutions GmbH – Elektrorollstühlen und Reha-Therapiesystemen – geht es um die Beweglichkeit der Menschen, die sie nutzen. Auch die Produkte selbst sind extrem beweglich – zum Beispiel das aktive Sitzsystem für Rollstühle, das sich in diverse Richtungen verstellen lässt, oder der Schwerlast-Rollstuhl für bis zu 350 kg schwere Menschen. Bei der Konstruktion dieser Geräte bedienen sich die Konstrukteure aus dem Igus-Konstruktionsbaukasten der wartungsfreien Gleitlager.

Die Konstruktion der Stehtrainergeräte, die den Nutzer per Knopfdruck und ohne sonstiges Zutun vom Sitzen in den Stand bringen, ist jedoch alles andere als einfach. „Die Mechanik muss optimal an die körpereigenen Gelenkfunktionen angepasst sein“, erklärt Klaus Gierse, Gründer und Geschäftsführer von Motion Solutions. „Beim gesamten Aufrichtvorgang darf es nicht zu Scherbewegungen an der Rückenlehne oder auf der Sitzfläche kommen und alle Systemkomponenten, die den Körper berühren und führen, müssen sich über die gesamte Phase des Aufrichtens und Hinsetzens im selben Positionsverhältnis befinden.“

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Gleitlager sorgen für Beweglichkeit und halten hohen Belastungen stand

Die komplexen Bewegungsabläufe des Stehtrainers wurden mit wartungsfreien Gleitlagern des Spezialisten für Hochleistungspolymere Igus aus Köln realisiert. Das Gehäuselager Drylin WJ200QM mit eckiger Kontur übt im genannten Anwendungsfall eine Hebelwirkung auf das Entlordosierungssystem aus. Es verfährt auf einer Profilschienenführung und ist mit einer Klemmung ausgestattet, die den Bewegungsradius im Verhältnis zur Aufrichtung synchronisiert. „Die Lager sind kompakt, sie benötigen keine Schmierung und sind uneingeschränkt für den Outdoor-Einsatz geeignet“, erklärt Gierse, warum er sich letztlich entschieden hat, für den Stehtrainer eben diese Komponenten auszuwählen.

Dass sich die Lager auch für hohe Belastungen eignen, müssen sie in anderen Geräten aus dem Programm von Motion Solutions unter Beweis stellen. Paradebeispiel ist hier das Produkt Leo 350 XXL: ein Elektrorollstuhl für Menschen mit Behinderung, die mitunter bis zu 350 kg wiegen und bis zu 2,20 m groß sind.

Der Rollstuhl selbst ist extrem wendig und kompakt gebaut. „Eigentlich sind hier an jeder Lagerstelle Igus-Lager verbaut“, erklärt vor Ort einer der Monteure in der Fertigung. Beispielsweise sorgen sowohl in der Längs- als auch in der (optionalen) Höhenverstellung des Sitzsystems wiederum Drylin-Linearführungen für Beweglichkeit und Stabilität. Hervorzuheben ist auch die Sitzkantelung – das bedeutet, dass der Sitz um bis zu 45 Grad nach hinten und – als Ein- und Ausstiegshilfe – nach vorn geneigt werden kann. Hier kommen Lagerbuchsen zum Einsatz, ebenso im Antriebs- und Lenksystem des Leo 350. Sie bewähren sich auch bei hohen mechanischen Belastungen wie Stößen, die beispielsweise durch die Fahrten über Bordsteine verursacht werden sowie durch die Verschränkungen, denen das Fahrwerk im Praxisbetrieb ausgesetzt ist.

Eine aktuelle Neuentwicklung von Motion Solutions ist ein aktives Sitzmodul, das in vorhandene Rollstühle eingebaut wird und für eine erstaunlich große Beweglichkeit sorgt: Der Nutzer kann Rückenlehne und Sitz bis in die Überkopflage bringen. Er kann den Sitz aber auch – in die andere Richtung – als Aufstehhilfe um bis zu 33 Grad nach vorne kanteln. Darüber hinaus lässt sich der komplette Sitz um jeweils 20 Grad nach beiden Seiten neigen. Da die Bewegungen sich überlagern lassen, sitzt der Nutzer letztlich wie auf einer großen Kugel, wobei die Position in jeder Lage sicher gehalten wird.

Das ist keinesfalls nur Spielerei, sondern fördert aktiv die Gesundheit von körperbehinderten Menschen. Gierse erklärt: „Ein gesunder Mensch, der sitzt, verlagert immer wieder seine Position. Einem Elektrorollstuhlnutzer ist das oft nicht möglich. Die möglichen Folgen sind Durchblutungsstörungen oder sogar offene Druckstellen. Mit unserem Sitzmodul kann der Nutzer seine Position verlagern und gezielt die Durchblutung fördern oder einfach über den Stand transferieren. Alle Winkel des Sitzsystems lassen sich so programmieren, dass automatisch und abwechselnd mal die eine, dann die andere Seite druckentlastet wird.“ Auch hier wird also wieder aktiv die Beweglichkeit des Nutzers gefördert – mit überaus beweglichen Antriebssystemen. Die Scheren des Kardansystems, die durch einen Faltenbalg geschützt sind, sind ebenfalls mit Gleitlagern von Igus ausgestattet.

Doch die Konstrukteure von Motion Solutions nutzen nicht nur den Gleitlagerbaukasten, sondern auch die Systembausteine des zweiten Geschäftsbereichs des Gleitlager-Spezialisten: Für die Energiezuführung zu den beweglichen, verstellbaren Komponenten der Elektrorollstühle verwenden sie Kunststoff-Energieketten.

Compamed 2016: Halle 8b, Stand A20

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