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Außenwirtschaftstag Medizintechnik und Laborausstattung Tipps für den Export deutscher Medizintechnik

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Raum für kontroverse Diskussionen bot der bereits fünfte Außenwirtschaftstag Medizintechnik und Laborausstattung am 16. September in Berlin: Medizintechnikfirmen äußerten ihre Befürchtungen über die Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Politikvertreter hingegen kritisierten die aus ihrer Sicht zu emotional geführte Debatte über das geplante Freihandelsabkommen mit den USA.

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Diese vier stellen sich den Fragen der Teilnehmer des 5. Außenwirtschaftstags Medizintechnik und Laborausstattung – auf dem Podium von links nach rechts: Dieter Haller vom Auswärtigen Amt, Dr. Berhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Ortwin Schulte vom Bundesgesundheitsministerium sowie Christian Lipicki vom Bundeswirtschaftsministerium.
Diese vier stellen sich den Fragen der Teilnehmer des 5. Außenwirtschaftstags Medizintechnik und Laborausstattung – auf dem Podium von links nach rechts: Dieter Haller vom Auswärtigen Amt, Dr. Berhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Ortwin Schulte vom Bundesgesundheitsministerium sowie Christian Lipicki vom Bundeswirtschaftsministerium.
(Bild: Schäfer)

Die Politik kann und will Medizintechnikfirmen beim Export und der Erschließung von Auslandsmärkten unterstützen: „Die Türen der Auslandsvertretungen stehen Ihnen offen. Wir verstehen uns als Servicepartner der deutschen Wirtschaft“, so Stephan Steinlein, Staatssekretär im Auswärtigen Amt auf der hauseigenen Veranstaltung. Firmen konnten sich deshalb auf dem Außenwirtschaftstag über Märkte wie China, die Golfregion, Lateinamerika oder Russland informieren, sich mit anderen Firmen austauschen und – Beispiel Wirtschaftssanktionen gegen Russland – und eigene Anliegen an die politischen Vertreter aus den Ministerien herantragen.

Mit ernsten Themen, nämlich der drohenden Spaltung Europas, der Ebola-Epidemie in Afrika und dem Kampf gegen den IS im Irak, eröffnet Staatssekretär Steinlein die vom Industrieverband Spectaris und der German Healthcare Export Group ausgerichtete Veranstaltung. Er verweist auf den hohen Exportanteil deutscher Medizintechnik und erklärt: „Gerade Ihre Branche weiß, wie sehr die Welt miteinander vernetzt ist. Deshalb kann es uns nicht egal sein, was aktuell in der Welt passiert.“ Seine Rede nutzt er deshalb auch für den Hinweis, dass er die Debatte über das transatlantische Freihandelsabkommen für zu radikalisiert und zu emotionalisiert halte. Immerhin seien die USA ein für Deutschland wichtiger Absatzmarkt.

Hemmen Wirtschaftssanktionen gegen Russland die deutsche Medizintechnik?

Wenn er hierfür auch keine Reaktion aus dem Plenum erhält – die sich anschließende Podiumsrunde tut es: Ein Teilnehmer meldet sich zu Wort und drückt seinen Unmut über die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aus. Möglicherweise würde Russland zukünftig bei deutschen Firmen nicht mehr bestellen, so seine Sorge, aus Angst, die Firmen dürften nicht mehr liefern. „Was uns in der Medizintechnik immer wieder kalt erwischt, sind Sanktionen gegen Länder“, so Markus Braun, Vorsitzender der German Healthcare Export Group, der diese Frage aufgeworfen hatte. Sein Standpunkt: „Trotzdem werden dort Menschen krank und haben Unfälle. Wie wäre es deshalb mit einer Ausnahmeregelung für Medizinprodukte?“ Die Podiumsdiskussion bietet kaum Gelegenheit, das Thema auszudiskutieren. Dennoch weist Ministerialdirektor Dieter Haller aus dem Auswärtigen Amt darauf hin, dass die Medizintechnik von den Sanktionen in Russland nicht betroffen sei. Und dass die Sanktionen gegen den Iran beispielsweise der einzige Weg gewesen seien, das Regime zu Reaktionen zu bewegen. Jenseits dessen setze sich die deutsche Bundesregierung in Brüssel immer wieder für die Interessen der Wirtschaft ein.

Das Beispiel macht deutlich, dass Deutschland hier nicht alleine agieren kann, sondern einen Konsens innerhalb der EU finden muss. Grundsätzlich rät Ortwin Schulte, Referatsleiter Bilaterale Gesundheitspolitik im Gesundheitsministerium: „Firmen, die unsicher sind, ob sie von Sanktionen betroffen sind, sollten sich an das Bundesamt für Ausführkontrolle wenden. Die können Ihnen sagen, ob Sie betroffen sind.“

Die Politik unterstützt deutsche Firmen beim Eintritt in neue Märkte

Relativ unsanft endet damit die erste Podiumsdiskussion am Vormittag, in der das Auswärtige Amt sowie die Ministerien für Wirtschaft und Energie, für Gesundheit und für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit zu erklären versuchen, wann und wie sie Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte unterstützen können. Festzuhalten ist: Deutsche Firmen können sich im Ausland an deutsche Botschaften wenden, diese verfügen über Exportkompetenz. Interessant für Firmen, die mutig genug sind, Geschäfte in Entwicklungsländern aufzubauen: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit sieht sich als „Werbeverantwortlicher für einzelne Regionen“, so Unterabteilungsleiter Dr. Bernhard Felmberg. Es gibt also Programme, die darauf ausgelegt sind, bestimmten Regionen zu helfen, indem sie die Wirtschaft vor Ort fördern und fachlich begleiten. Wirtschaftliche Interessen deutscher Unternehmen lassen sich dann im besten Fall mit Entwicklungshilfe verbinden.

Alles in allem sieht es die Politik als ihre Aufgabe, den Boden zu ebnen, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sich deutsche Firmen im Ausland ansiedeln oder dorthin verkaufen können. Das heißt in der Regel: Analyse der politischen Lage sowie der Strukturen vor Ort. Medizintechnikunternehmen können also vorab klären, ob ein Markteintritt in Länder oder Regionen möglich und sinnvoll ist. Die Politik kann begleiten und helfen, einen passgenauen Zugang zum Auslandsmarkt zu finden.

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