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Lage der Medtech-Branche

Steigende Umsätze, sinkende Gewinne?

| Autor/ Redakteur: Autorin | Kathrin Schäfer / Kathrin Schäfer

Von einem deutlichen Umsatzplus der deutschen Medizintechnikindustrie spricht der Branchenverband Spectaris in seiner Pressemeldung zur Medica. Der Bundesverband Medizintechnologie hingegen warnt im Nachgang zu seiner Herbstumfrage vor einer „Branche unter Druck“.

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Die weltweite Umsatzentwicklung: Mit gut 17 Mrd. Euro trägt der Auslandsumsatz zwei Drittel des Gesamtumsatzes bei.
Die weltweite Umsatzentwicklung: Mit gut 17 Mrd. Euro trägt der Auslandsumsatz zwei Drittel des Gesamtumsatzes bei.
( Grafik: BVMed )

Die Veröffentlichung der Markt- und Branchenkennzahlen zum Jahresende durch die Branchenverbände Spectaris und BVMed ist nun schon gute Tradition. Nicht immer einfach ist es indes, die erhobenen Zahlen in Einklang zu bringen, denn die Interessenverbände haben in der Regel unterschiedliche Blickwinkel.

Der BVMed stützt seine Zahlen auf die Befragung von 90 Mitgliedsunternehmen. Demnach steht die Medizintechnikbranche in Deutschland verstärkt unter Druck. Nur noch 20 Prozent der Unternehmen erwarten für 2015 ein besseres Gewinnergebnis, 35 Prozent erwarten in Deutschland sogar zurückgehende Gewinne gegenüber dem Vorjahr. Die Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage 2015 kann man durchaus als Warnung verstehen: „Insgesamt haben wir zwar steigende Fallzahlen durch den demografischen Wandel und den medizintechnischen Fortschritt, aber auch zusätzliche Hürden im System und einen enormen Preisdruck. Wir müssen sehr darauf achten, dass die Unternehmen ihre neuen und weiterentwickelten Technologien in Deutschland noch zeitnah in die Versorgung bringen können. Denn ein starker Heimatmarkt ist Voraussetzung für die Exporterfolge“, so der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des BVMed-Medienseminars in Berlin.

Das Geschäftsklima ist weiterhin positiv

Durch Mengensteigerungen aufgrund der demografischen Entwicklung und neue Behandlungsmethoden erwarten die BVMed-Unternehmen im deutschen Markt 2015 ein Umsatzwachstum von 4,3 Prozent. Die weltweite Umsatzentwicklung ist mit einem erwarteten Plus von 6,8 Prozent nach wie vor besser als die Entwicklung im Inlandsmarkt. Die unterschiedliche Entwicklung spiegelt sich beim Ausblick auf das Jahr 2016 wider. Während nur 43 Prozent der Unternehmen eine positive Entwicklung im Inland erwarten, sehen 62 Prozent weltweit eine günstigere Geschäftslage.

Anders als der BVMed stützt sich Spectaris auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes – und damit eine größere Datenmenge – kommt dabei aber zu einem ähnlichen Ergebnis: Nach einem Umsatzplus der deutschen Medizintechnikindustrie 2014 in Höhe von etwas mehr als drei Prozent wird für das laufende Jahr ein Zuwachs von mindestens sechs Prozent erwartet. Damit läge der Gesamtumsatz der Medizintechnikhersteller 2015 bei rund 27 Mrd. Euro.

Nach Angaben von Spectaris konnten insbesondere in der ersten Jahreshälfte überraschend hohe Zuwächse erwirtschaftet werden, während sich das Stimmungsbild im letzten Tertial aufgrund einer zunehmenden Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Schwellenländer etwas eingetrübt hat. Das Geschäftsklima ist aber dennoch weiterhin positiv.

Schwacher Euro und niedriger Ölpreis helfen

Das prognostizierte Umsatzplus resultiert aus gleich hohen Zuwächsen im In- und Ausland. Demnach wird der Inlandsumsatz im Gesamtjahr 2015 einen Wert von 8,67 Mrd. Euro, der Auslandsumsatz von 18,30 Mrd. Euro erreichen. Daraus ergibt sich eine nahezu unveränderte Exportquote von knapp 68 Prozent.

Rund 40 Prozent der deutschen Medizintechnikexporte gehen aktuell in Länder der Europäischen Union. Daher war und ist die robuste Nachfrageentwicklung in diesen Ländern beziehungsweise die allmähliche konjunkturelle Erholung im Euroraum insgesamt eine wichtige Basis für das Branchenwachstum. Daneben haben sich eine deutliche Belebung des Nordamerikageschäfts und Zuwächse in vielen Schwellenländern aufgrund von Investitionen in das Gesundheitswesen positiv auf die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr ausgewirkt. Der schwache Eurokurs, niedrige Ölpreise und eine weiterhin eher expansive Geldpolitik haben dabei die weltweite Nachfrage zusätzlich begünstigt.

Das Russlandgeschäft bleibt schwierig

Das Russlandgeschäft wird dagegen weiterhin als schwierig beurteilt. Nach einem Rückgang der deutschen Medizintechnikexporte nach Russland um rund 26 Prozent 2014 waren die Ausfuhren mit einem Minus von 24 Prozent auch von Januar bis August 2015 weiter rückläufig. Im Inland führten Nachholeffekte und eine positive Verbraucherstimmung zu Zuwächsen. Eine Verbesserung mit Blick auf den weiterhin vorhandenen Investitionsstau insbesondere im stationären Bereich wird aber nicht gesehen.

Gute Aussichten auf dem asiatischen Markt

Auf das Jahr 2016 schauen die Unternehmen trotz einer vorhandenen Unsicherheit grundsätzlich optimistisch. Insgesamt wird ein erneutes, aber voraussichtlich etwas schwächeres Umsatzwachstum als 2015 erwartet. Zuwächse werden insbesondere beim Auslandsumsatz gesehen. Trotz einer möglichen Verlangsamung der Marktentwicklung in China werden die Aussichten in Asien weiterhin als grundsätzlich gut bewertet. Auch beim Nordamerikageschäft rechnet man mit erneuten Zuwächsen. Insgesamt erschweren Zulassungshürden das internationale Geschäft jedoch zunehmend.

Gespannt auf die neue EU-Verordnung

Die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr hängt maßgeblich von der Verabschiedung der europäischen Medizinprodukteverordnung ab, mit der Mitte nächsten Jahres gerechnet wird. Nach aktuellem Beratungsstand werden die regulatorischen Anforderungen und der Aufwand für die Hersteller weiter zunehmen, was tendenziell eher wachstumshemmende Wirkung hätte.

Mittel- bis langfristig ist aufgrund der demografischen Entwicklung in den entwickelten Ländern und der Etablierung und Modernisierung der Gesundheitssysteme in den Emerging Markets mit einem stabilen Wachstum des Weltmarktes für Medizintechnik zu rechnen. Von diesem Weltmarkt wird laut Spectaris auch die deutsche Medizintechnikbranche mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten und ihrer Serviceorientierung profitieren.

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