France

Technologischer Fortschritt für mehr Mobilität Rucksack bringt Stabilität für Ataxie-Patienten

Quelle: Pressemitteilung RWTH Aachen 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Forscher der RWTH Aachen und Partner haben einen Rucksack zur Unterstützung von Menschen mit Ataxie entwickelt. Der Gyropack nutzt gyroskopische Effekte, um die Geh- und Stehstabilität zu verbessern, indem er Oberkörperbewegungen ausgleicht. Tests zeigten signifikante Stabilitätsverbesserungen bei Patienten.

Der Gyropack soll Menschen mit Bewegungsstörungen bei der Stabilisation helfen.(Bild:  TU Delft)
Der Gyropack soll Menschen mit Bewegungsstörungen bei der Stabilisation helfen.
(Bild: TU Delft)

Viele Betroffene der Bewegungsstörung Ataxie können das Haus oft nicht ohne Gehhilfe verlassen. Bei einer Ataxie ist die Koordinationsfähigkeit von Bewegungen beeinträchtigt, sodass Erkrankten oftmals bereits alltägliche Bewegungen wie das Greifen, Laufen oder Schreiben schwerfallen. Gehhilfen werden jedoch häufig als schwer, unhandlich und mitunter stigmatisierend empfunden. Ein Hilfsmittel, das die Hände frei lässt und mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht, stellt daher einen wichtigen Fortschritt dar.

Forscher der RWTH Aachen, der TU Delft, des Radboud University Medical Centers und des Erasmus MC haben einen Rucksack entwickelt, der Menschen mit Ataxie dabei unterstützt, sicherer zu stehen und zu gehen. Die Idee für den Rucksack entstand bereits vor über einem Jahrzehnt an der TU Delft und am Erasmus MC. Als Vorbild diente Weltraumtechnologie: Große Satelliten können ihre Ausrichtung ändern, ohne Kraft auf ihre Umgebung zu übertragen. „Wir nutzen denselben gyroskopischen Effekt“, erklärt Alexander-von-Humboldt-Professorin Heike Vallery, die das Institut für Regelungstechnik der RWTH Aachen leitet. „Der Rucksack enthält rotierende Räder und ein ausgeklügeltes Regelungssystem, das Drehbewegungen des Oberkörpers ausgleicht. Es fühlt sich in etwa so an, als würde man sich durch Wasser bewegen. Die Bewegungen des Oberkörpers werden verlangsamt, die Stabilität erhöht und es bleibt mehr Zeit, das Gleichgewicht wiederzufinden.“

Tests zeigen die Wirksamkeit

In Zusammenarbeit mit den Forschern Bram Sterke (Erasmus MC), Katie Poggensee (TU Delft, Erasmus MC) und dem Rehabilitationsmediziner Jorik Nonnekes (Radboud University Medical Center) wurde der „Gyropack“ gezielt für Menschen mit Ataxie optimiert. Vierzehn Patienten testeten den Rucksack bei Gleichgewichts- und Gehübungen unter drei Bedingungen: ohne Rucksack, mit aktiviertem Rucksack und mit einer Version, bei der sich die Räder zwar drehten, aber keinen Effekt generierten – eine Art Placebo, die sich in Geräuschentwicklung und Tragegefühl nicht von der aktiven Version unterschied.

Die Tests zeigten, dass bereits der inaktive Rucksack Vorteile brachte. „Das liegt vermutlich daran, dass der Rucksack mit etwa sechs Kilogramm relativ schwer ist“, erklärt Nonnekes. „Dieses Gewicht stabilisiert den Oberkörper bereits. Die größte Verbesserung erzielten die Patienten jedoch mit dem aktiven Rucksack: Sie gingen deutlich stabiler und konnten deutlich leichter geradeaus laufen.“ Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift npj Robotics veröffentlicht.

Die Forschung geht weiter

Die Forschenden arbeiten nun an der Weiterentwicklung des Rucksacks, um ihn für den Alltag noch praktikabler zu machen. Ziel ist es, das Gerät leichter und leiser zu gestalten. „Der Rucksack ist noch nicht für den täglichen Einsatz geeignet“, sagt Vallery, „aber er könnte künftig das Leben von Menschen mit Ataxie erheblich erleichtern.“

(ID:50541688)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung