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Bayer Material-Science Neue Materialkombinationen für moderne Wundauflagen

| Autor / Redakteur: Autoren | Chris Koppenborg, Marc-Stephan Weiser / Peter Reinhardt

Die Kombination von Klebstoffen, Schäumen und Folien für die Wundversorgung auf Basis von Polyurethan-Rohstoffen führt zu signifikanten Effizienzsteigerungen bei der Herstellung. Zugleich vereint sie vorteilhafte Produkteigenschaften.

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Typischer Aufbau einer modernen Wundauflage, bestehend aus Klebstoffschicht, absorbierendem Schaum und Barrierefilm.
Typischer Aufbau einer modernen Wundauflage, bestehend aus Klebstoffschicht, absorbierendem Schaum und Barrierefilm.
(Bild: Bayer Material-Science)

Moderne Wundversorgung hat zum Ziel, Schmerzen zu lindern und die Behandlungszeit so weit wie möglich zu verkürzen. Patienten sollen schneller wieder einsatzfähig sein. Außerdem können dadurch der Pflegeaufwand und die damit verbundenen Kosten gesenkt werden. Nicht zuletzt stehen auch die Krankenversichertenträger bei der Auswahl erstattungsfähiger Produkte immer stärker unter Kostendruck. Bayer Material-Science hat diesen Trend erkannt und Materiallösungen auf Basis von Polyurethanen für die Wundbehandlung erarbeitet.

Rohmaterialien für alle Wundauflagenschichten

Im Bereich der Produktgruppe Baymedix werden polyurethan-basierte Rohmaterialien für alle Schichten typischer Wundauflagen angeboten. Aus aliphatischen Polyurethanen wurden hierfür Rohstoffe entwickelt, die keine Lösemittel enthalten und aus denen hautfreundliche Klebstoffe hergestellt werden können. Die entstandenen Klebstofffilme zeichnen sich durch einstellbare Klebkraft, hydro-selektives Klebeverhalten, schmerzfreie Ablösung von der Haut und eine herausragende Wasserdampfdurchlässigkeit aus. Im Gegensatz zu derzeit eingesetzten thermoplastischen Klebstoffen sind Klebstofffilme aus Baymedix A teilvernetzt und zeigen daher kein Fließen auf der Haut. Dies führt zu einer geringen Haftung an Haaren und damit zu deutlich geringeren Schmerzen beim Ablösen. Da ein Teil der Klebkraft durch die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen zur Haut entsteht, haftet Baymedix A nicht stark auf feuchtem Untergrund (hydroselektives Verhalten) und zerstört somit beim Verbandwechsel keine frisch gebildeten Hautzellen. Durch die extrem hohe Wasserdampfdurchlässigkeit ist eine Perforation des Klebstoffs nicht notwendig. Messwerte zur Wasserdampfdurchlässigkeit (MVTR) sind in Tabelle 1 dargestellt.

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Die Klebkraft kann allein durch eine Änderung des Mischungsverhältnisses beider Komponenten, ohne Wechsel der Rohstoffe oder anderer Prozessparameter, erreicht werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung breiter Produktspektren mit Synergien in Entwicklung, Produktion und Produktregistrierung.

Schäume mit hohem Rückhaltevermögen

Eine weitere Neuentwicklung stellt Baymedix FP dar, ein Rohmaterial für aliphatische, absorbierende Schäume mit hohem Rückhaltevermögen. Geeignete Produktionsverfahren führen zu weichen Schäumen für Wundauflagen mit regelmäßiger, feiner Porenstruktur (ca. 200 µm Porengröße) und erstklassigem Absorptionsverhalten (bis zu 1.600 Prozent gemäß DIN EN 13726-1) sowie sehr hoher Retention der absorbierten Flüssigkeit unter Druck. Diese Schäume sind gut gamma-sterilisierbar, vergilben nicht und erfüllen somit die vielfältigen Anforderungen an das Feuchtigkeitsmanagement von Wundauflagen.

Das Angebot für Wundauflagen runden sogenannte Schutz- oder Barrierefolien auf der Basis von Polyurethan-Dispersionen (Baymedix FD und CD) oder als extrudierte Folien (Platilon) aus thermoplastischem Polyurethan ab: Sie schützen Wunden vor Verunreinigungen und äußeren Einflüssen bei zugleich hervorragender Wasserdampfdurchlässigkeit.

Die Kombination von Klebstoffen und/oder Schäumen mit Folien für die Wundversorgung ermöglicht die Herstellung von Wundauflagen, die die herausragenden Eigenschaften der einzelnen Komponenten vereinen und gleichzeitig für eine höhere Effizienz im Herstellungsprozess sorgen.

Wundauflagen einfach und effizient aufbauen

Der Aufbau der Wundauflagen, basierend auf der Polyurethan-Technologie, ist einfach und effizient. Sowohl Baymedix FP Prepolymere für den Schaum als auch Baymedix A Klebstoffe lassen sich direkt auf Platilon TPU-Filmen oder aus Dispersionen hergestellten PU-Folien beschichten. Durch die Reaktion der Isocyanatgruppen in den Reaktivmischungen von Baymedix A und FP an der Filmoberfläche wird eine gute Anhaftung zu den Filmmaterialien erzielt. Diese sollten dafür nicht mit hydrophoben oder partikulären Hilfsstoffen oberflächenbehandelt sein.

Vorteilhaft ist es, wenn die Filme bereits auf einem stabilen Träger wie Papier bereitgestellt werden. Alternativ kann die Beschichtung bei Baymedix A auch im Transferverfahren erfolgen. Der Transfer zur (T)PU-Folie erfolgt dann am Ende des Trockenkanals, bevorzugt so, dass die Aushärtung des Klebstoffes noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

Da Baymedix-FP-Schaum in einem sogenannten Pour-to-thickness-Verfahren, also durch Beschichtung mit kontrollierter Schichtstärke und nicht durch ein Blockschaumverfahren, hergestellt wird, kann hier auch direkt zwischen zwei Folien geschäumt werden. Eine dieser Folien kann dabei perforiert sein – bevorzugt die Abdeckfolie – um so ein Folie-Schaum-Folie-Sandwich herzustellen, wobei eine Folie direkt als Wundkontaktschicht einsetzbar ist.

Im konventionellen Verfahren wird der Wundklebstoff in der Regel zwischen zwei Trennpapieren beschichtet und später laminiert und konfektioniert. Wundschaum wird häufig noch im Blockschaumverfahren hergestellt und anschließend geschnitten oder aber ebenfalls durch Pour-to-thickness-Verfahren zwischen Trennpapieren hergestellt und im späteren Aufbau der Wundauflagen durch eine dünne Klebstoffschicht mit dem Rückseitenfilm verklebt.

Im Vergleich dazu lassen sich durch die Kombinationsprodukte von Baymedix und Platilon und den direkten Beguss im Converting-Prozess Laminier- und Verklebungsschritte einsparen. Auch die Beschichtung der Schaum- oder Klebstoffmischung selbst wird deutlich einfacher, da bei (T)PU-Filmen der Unterscheid in den Oberflächenspannungen im Vergleich zum Trennpapier geringer ist und somit eine bessere Beschichtbarkeit ohne zusätzliche Additivierung oder Zusatz von Lösungsmitteln gewährleistet wird. Zudem macht die exzellente Atmungsaktivität des Klebstoffes Baymedix A in Verbindung mit hoch atmungsaktiven Platilon-TPU-Folien den heute vielfach eingesetzten Stanzprozess obsolet.

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