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In der Produktentwicklung kommt dem Werkstoff eine Schlüsselrolle zu
Roche Diabetes Care hat beispielsweise auf Basis des reibungsarmen Delrin Polyacetal-Homopolymer von Dupont Performance Materials seine neue Insulin-Setzhilfe Accu-Chek Link-Assist Plus entwickelt. Die Setzhilfe erlaubt das schnelle und schmerzlose Setzen des Infusionssets auch an schwer zugänglichen Körperstellen. Die Entwicklung der neuen Anwendung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Balda Gruppe, Roche Diabetes Care und Dupont.
Dem Werkstoff kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu, wie André Nadrowski, Product Manager der Balda Medical GmbH & Co. KG, erklärt: „Wir haben uns für Dupont Delrin entschieden, da es hervorragende Reibungseigenschaften, Federwirkung und Formfähigkeit bietet. Das Know-how von Dupont im Bereich Produktwissen und Anwendungsentwicklung war der Schlüssel für dieses Programm, da es uns ermöglicht hat, die strengen Anforderungen und Fristen von Roche Diabetes Care zu erfüllen.“ Und Laurent Hanen, Bereichsleiter Healthcare bei Dupont Performance Materials, ergänzt: „In dieser Anwendung tragen die geringen Reibungseigenschaften und das federartige Verhalten von Delrin zum reibungslosen und schnellen Betreiben des Gerätes bei.“
So etabliert Kunststoffe in der Medizintechnik auch sind – immer häufiger entdecken Forscher auch naturnahe oder natürliche Materialien, die Kunststoffen einiges voraushaben. Dass beispielsweise Kupfer antimikrobiell wirkt, ist nun schon seit einigen Jahren bekannt. Ebenso faszinierend ist der Bereich der Biofasern. Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma Amsilk entwickelt. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar.
Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen Fäden. Die sogenannten Eierstiele sind nur etwa 15 Mikrometer dick und halten das Gewicht der Eier problemlos. Um diese beeindruckende Faser herzustellen, sondert die Florfliege auf dem Blatt ein Proteinsekret ab.
„Im Unterschied zu den meisten anderen Seidenarten weist der Eistiel der Florfliege eine spezielle Struktur mit faszinierenden mechanischen Eigenschaften auf: Die Florfliegenseide ist äußerst biegesteif und stabil. Diese Besonderheit möchten wir auf Fasern aus Florfliegenseide übertragen“, erklärt Martin Schmidt, Biotechnologe am Fraunhofer IAP in Potsdam-Golm. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Firma Amsilk arbeitet der Forscher daran, Florfliegen-Seidenproteine mit Hilfe von Bakterien in großen Mengen mittels eines biotechnologischen Prozesses herzustellen. Amsilk unterstützt dieses Forschungsprojekt mit molekularbiologischen Arbeiten sowie mit seinem Know-how in den Bereichen der Seidenanalytik und der Seidenproduktion.
Ob also Textilien, Kunststoffe oder Biomaterialien – die Werkstoffe, aus denen Medizinprodukte beschaffen sind, bringen neue Medizinprodukte auf den Weg, ersetzen bisherige oder machen bereits am Markt etablierte Produkte noch einmal besser. In jedem Fall haben sie entscheidenden Anteil am Heilungserfolg dieser Produkte.
Weitere Artikel über Werkstoffe finden Sie in unserem Themenkanal Konstruktion.
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