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Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)

Medizintechnische Innovationen zum Anfassen

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Wer möchte das nicht einmal sehen? Ein elektronisches Augenimplantat mit einem gerade 3 mal 3 mm winzigen Chip? Oder ein Langzeit-Blutdruckmessgerät mit neuer, patentierter Sensorik? Auf dem 21. Innovationstag Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie am 22. Mai in Berlin werden 200 Innovationen gemeinsamer Forschung von Wissenschaft und Industrie präsentiert.

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Ein ultradünnes Kabel wird vom Chip im Auge entlang der Kopfseite hinter das Ohr des Patienten verlegt. Dort befindet sich der Anschluss für das Steuergerät.
Ein ultradünnes Kabel wird vom Chip im Auge entlang der Kopfseite hinter das Ohr des Patienten verlegt. Dort befindet sich der Anschluss für das Steuergerät.
( Bild: Retina Implant )

Für die Förderung zukunftsweisender Innovationen in Gesundheitsforschung und Medizintechnik hat das Ministerium im Rahmen seines seit fast sechs Jahren laufenden Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) bisher rund 218 Mio. Euro bewilligt.

Mikrochip gibt Sehvermögen zurück

Davon profitiert hat beispielsweise die Regina Implant AG aus Reutligen. Mithilfe ihres nur 3 mal 3 mm winziger Chip sollen Blinde nach dem Verlust des Augenlichts wieder sehen können. Unter die Netzhaut implantiert, gibt das mikroelektronische Wunderwerk Menschen das Sehvermögen zurück, die es durch Retinitis Pigmentosa, eine Netzhautdegeneration, bei der die Photorezeptoren zerstört werden, verloren haben. Auf den nur neun Quadratmillimetern des Chips „Alpha IMS“ nehmen 1.500 Photodioden das einfallende Licht wie ein Kamerachip im Auge auf. Mit ebenso vielen Elektroden auf dem äußerlich nicht sichtbaren Chip werden winzige elektrische Impulse an den Sehnerv weitergegeben. Die Patienten können wieder Schilder an Türen lesen, Gesichter und deren Ausdruck erkennen und selbst Punkte auf einem Spielwürfel sehen. Mit einem Steuergerät kann der Träger Helligkeit und Kontrast des Bildeindrucks regeln.

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In einer seit 2005 laufenden weltweiten klinischen Studie haben mehr als 40 Erkrankte ein zuvor entwickeltes Implantat erfolgreich getestet. „Mit Hilfe der ZIM-Förderung konnten wir nun darangehen, wichtige Produkteigenschaften zu verbessern, um den Nutzen für die Sehbehinderten zu erhöhen“, so Entwicklungsingenieur Sebastian Schleehauf aus dem Reutlinger Unternehmen. Darüber hinaus konnte Retina Implant mit Hilfe der Förderung die Zusammenarbeit mit den Forschungs- und Praxispartnern vertiefen: Wissenschaftler der Universität Ulm haben das Schaltungsdesign und die Energieversorgung des Chips verbessert und Elektroniker der Reutlinger Multichannel Systems GmbH die Steuerungssysteme angepasst.

Mehr als 3,1 Mrd. Euro Fördermittel

Seit Programmstart der ZIM-Förderung im Juli 2008 wurden bis Ende 2013 für mehr als 24.000 Forschungs- und Entwicklungsprojekte Fördermittel in Höhe von insgesamt über 3,1 Mrd. Euro zugesagt. Das technologie- und branchenoffene Programm erleichtert kleinen und mittleren Unternehmen die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Technologien. Dies erfolgt oft in Zusammenarbeit mit wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen.

Bei der 21. Open-Air-Leistungsschau auf dem Parkgelände der AiF Projekt GmbH, die als Projektträger die ZIM-Hauptfördersäule „Kooperationsprojekte“ betreut, werden mehr als 300 Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Kooperationsnetzwerke aus ganz Deutschland ihre Innovationen präsentieren.

Langzeit-Blutdruckmessgerät mit patentierter Sensorik

Dazu gehört auch ein Langzeit-Blutdruckmessgerät aus Berlin. Ein Piezo-Foliensensor am Finger des Patienten zeichnet druck- und geräuschlos den Blutdruck sowie zusätzlich die Herzfrequenz über 24 Stunden kontinuierlich auf. Dadurch erhalten Ärzte deutlich exaktere Werte, als dies bei der herkömmlichen Methode mit aufpumpbarer Armmanschette und Messungen nur alle 15 bis 30 Minuten möglich war. Die inzwischen patentierte Sensorik mit Aufzeichnungseinheit und Farbdisplay entstand innerhalb von zwei Jahren mit Hilfe von Fördermitteln der ZIM-Programmsäule Solo für einzelbetriebliche Innovationsprojekte in der Berliner Sectorcon GmbH unter dem Projektnamen Concardiac. „Für uns als mittelständisches Unternehmen hat die ZIM-Förderung es überhaupt erst möglich gemacht, diese Weltneuheit zu entwickeln“, so Entwicklungsingenieur Philipp Kaeferstein. Für die Überführung des Prototypen in die Serienproduktion sucht die Firma nun Partner und hofft, sie auf dem Innovationstag zu finden. Zukünftig soll die Technologie auch in der Intensivmedizin eingesetzt werden und dort die Ermittlung des Schlagvolumens ermöglichen.

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