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Lunar Europe

Medizingeräte-Entwicklung mit Fokus auf die Usability

| Redakteur: Peter Reinhardt

Die Entwicklung von Grund auf neuer Medizinprodukte ist extrem aufwändig. Als Hersteller von Blutgasmonitoren hat Radiometer daher die Dienste einer Design- und Innovationsagentur in Anspruch genommen, um zu einer Lösung zu finden, die Anwendern bestmögliche Usability bietet. Herausgekommen ist ein Medizinprodukt mit Mehrwert.

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Chau Hop Nguyen Phan, Senior Researcher bei Lunar Europe, präsentiert die Ergebnisse eines Nutzertests. Zuvor wurden Ärzte und medizinisches Personal in Krankenhäusern und Schlaflaboren interviewt und ihr Umgang mit medizinischen Geräten unter die Lupe genommen.
Chau Hop Nguyen Phan, Senior Researcher bei Lunar Europe, präsentiert die Ergebnisse eines Nutzertests. Zuvor wurden Ärzte und medizinisches Personal in Krankenhäusern und Schlaflaboren interviewt und ihr Umgang mit medizinischen Geräten unter die Lupe genommen.
(Bild: Lunar Europe)
  • In nur vier Jahren zum komplett neuen Medizinprodukt
  • Blutgase nicht-invasiv kontinuierlich mittels Sensor messen
  • User Experience fließt in die Entwicklung von Hard- und Software ein

Radiometer ist Marktführer im Bereich transkutaner Blutgasmonitore – Geräte die Blutgase nicht-invasiv kontinuierlich mittels Sensor messen. Ein Blutgasmonitoring ist beispielsweise bei Frühgeborenen, auf Intensivstationen oder auch in Schlaflaboren angezeigt.

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Mit neuem Blutgasmonitor alte Kunden halten und neue dazu gewinnen

Nach nur vier Jahren Entwicklungszeit konnte Radiometer im vergangenen Jahr die neueste Generation seines Blutgasmonitors TCM5 Flex erst in Deutschland und darauf europaweit erfolgreich auf den Markt bringen. Nun folgen die USA und weitere Länder. „Die Lancierung des TCM5 Flex ist ein großer Erfolg. Wir konnten mit diesem Produkt nicht nur bestehende Kunden halten, sondern auch viele Neukunden in neuen Marktsegmenten gewinnen“, erklärt Daniel Rusidovski, Global Product Manager, Radiometer Basel.

Entwickelt wurde der TCM 5 Flex gemeinsam mit der Münchner Design- und Innovationsagentur Lunar Europe. Neben Herstellern von medizinischen Geräten arbeitet die Agentur für Kunden aus verschiedensten anderen Branchen: Unternehmen wie Sennheiser, Fujitsu und Telekom zählen ebenso dazu wie solche des deutschen Mittelstand und Start-Ups.

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Strategische Partnerschaft ermöglicht Full Service für Life Sciences

Unter dem Dach der Münchner Design- und Innovationsagentur Lunar Europe entwickeln 24 Designer aus aller Welt seit Jahren Produkte für Hersteller aus der Medizin- und Pharmabranche. Im Sommer 2016 ist die Münchner Agentur eine strategische Partnerschaft mit IO Life Science (San Francisco, Pune und München) eingegangen, um die Kompetenzen im Bereich Healthcare und Life Science weiter auszubauen. Seither übernimmt Lunar Design, Usability und Innovation (Research/Strategie), IO Life Science stellt die Einhaltung der Standards, der Dokumentations- und Zulassungsprozesse sicher.

Indem Flexibilität und Schnelligkeit der Innovations- und Produktentwicklungsprozesse aus anderen Branchen übertragen und parallel dazu auf die Besonderheiten der Medizintechnik eingegangen wird, kann die Entwicklungszeit medizinischer Produkte signifikant beschleunigt werden. Zugleich wird damit die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese auch tatsächlich auf den Markt kommen.

„Die Medtech-Industrie ist stark reglementiert. Zulassungsprozesse sind hier hochkomplex, zeitaufwändig und kostenintensiv. Spezifisches Know-how ist daher ein klarer Wettbewerbsvorteil“, erklärt Johannes Egger, Healthcare Lead bei Lunar Europe. Die Partnerschaft mit IO Life Science sei die Antwort auf die wachsende Nachfrage der Industrie nach einem Full-Service-Angebot, das abgestimmt ist auf die speziellen Herausforderungen des Life-Sciences-Bereiches.

Design-Guidelines zur User Experience als Ausgangspunkt

Doch die Zusammenarbeit von Radiometer und Lunar Europe beginnt nicht mit der Entwicklung der neuen Generation an Blutgasmonitoren. Bereits im Frühjahr 2012 beauftragte die Radiometer-Zentrale in Dänemark die Münchner Designer mit der Ausarbeitung konzernweiter UX-Design-Guidelines (User Experience). Zum Portfolio von Radiometer zählen neben transkutanen Blutgasmonitoren insbesondere Analysegeräte auf Basis von Blutproben. Ziel dieser Aufgabe war, die Benutzerfreundlichkeit bei allen medizinischen Geräten von Radiometer deutlich zu verbessern, indem diese den neu geschaffenen UX-Guidelines entsprechen. Radiometer sieht hier ein gewaltiges Einsparpotenzial, denn auf diese Art muss die Benutzerfreundlichkeit von Geräten nicht für jede Neuentwicklung separat und von Grund auf neu definiert werden.

Von der Recherche in Krankenhäusern bis zur Implementierung des Produktes

Bei Radiometer in Basel stellen die Verantwortlichen schnell fest, dass die Zusammenarbeit in Sachen UX-Guidelines produktiv und erfolgreich verläuft, sodass Lunar Europe nur wenige Monate später einen neuen Auftrag ergeteilt bekommt: die Entwicklung des eingangs beschriebenen transkutanen Blutgasmonitors.

Am Anfang stand hier ebenfalls die Aufgabe, den neuen Blutgasmonitor den UX Guidelines anzupassen und benutzerfreundlicher zu machen. Das wiederum war eng Verbunden mit der Frage nach der Wirtschaftlichkeit: das Gerät soll so selbsterklärend konzipiert sein, dass in der Regel die zuvor üblichen zeitaufwändigen und damit kostenintensiven Trainings des medizinischen Personals entfallen können – für die Radiometer-Kunden ein entscheidendes Argument beim Gerätekauf.

Geräteentwicklung mit nutzerzentriertem Ansatz

Da Lunar Europe an jedem Punkt des Prozesses einen nutzerzentrierten Ansatz wählt, geht das Insights & Strategy Team ins Feld, um sich ein Bild der Nutzer zu machen. Ärzte, Krankenschwestern und medizinisches Personal in Krankenhäusern und Schlaflaboren werden interviewt, ihre Tagesroutine und ihr Umgang mit medizinischen Geräten unter die Lupe genommen und analysiert. Deren Verhalten, Anregungen und Vorschläge bilden die Basis für das weitere Vorgehen. Diese Herangehensweise trägt schnell Früchte, denn entscheidende Hinweise können so noch in der Konzeptphase direkt an das Entwicklerteam weitergereicht werden.

„Für uns war es wichtig, die Nutzer vom ersten bis zum allerletzten Moment in den Blick zu nehmen – ihre tägliche Routine und ihren Umgang mit medizinischen Geräten zu beobachten und herauszufinden, was sie wirklich benötigen“, verdetulicht Roman Gebhard, Managing Partner bei Lunar Europe. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Recherche habe man an jedem Punkt der Produktentwicklung sowohl in die Hardware wie auch in die Software einfließen lassen. Nur so entstehe echte Benutzerfreundlichkeit.

Verbesserungen und Neuerungen aufnehmen

So entstehen schon bald die ersten Prototypen. Diese werden in einem iterativen Prozess von den Nutzern getestet, beurteilt, überarbeitet und verbessert. Das Interface-Design entsteht, Wireframes dienen den Testpersonen als Grundlage, um intuitive Benutzerführung und Qualität zu bewerten. Zeitgleich erarbeiten die Ingenieure von Radiometer in enger Zusammenarbeit mit Lunar Europe technische Lösungen zu den von den Nutzern und Designern gemeinsam erarbeiteten Konzepten.

Dieser straff geführte und verzahnte Entwicklungsprozess, gespeist aus Ideen und dem Feedback von Nutzern und Designern, ermöglicht es an jedem Punkt des Entwicklungsprozesses Verbesserungen und Neuerungen aufzunehmen, ohne die Entwicklungszeit zu verlängern. Herausgekommen ist dabei der TCM5 Flex, der als Blutgasmonitor hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit und Design heraussticht.

Medizingerät mit Mehrwert

„Das Team von Lunar Europe konnte in allen Prozessstufen seine jahrelange Erfahrung in der Medizinproduktentwicklung einbringen. Das Resultat unserer Zusammenarbeit ist ein medizinisches Gerät, das unseren Kunden einen klaren Mehrwert bietet“, ist Radiometer-Projektmanager Dominik Liechty zufrieden. Der TCM5 Flex war für das Unternehmen die erste komplette Neuentwicklung seit 16 Jahren. Am Projekt waren insgesamt mehr als 20 Ingenieure und Entwickler an mehreren Standorten beteiligt.

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