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Impressday Medical Mountains rückt Innovationen ins Licht der Öffentlichkeit

| Autor: Peter Reinhardt

Die Medizintechnik ist geprägt von innovativen Produkten. Doch Innovation kommt nicht von ungefähr. Um mehr hierüber zu erfahren, war Devicemed beim ersten Impressday des Clusters Medical Mountains in Tuttlingen dabei.

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Rund 100 Teilnehmer sind zum ersten Impressday nach Tuttlingen gekommen. Darunter Medtech-Journalisten aus Deutschland, Italien, England, Spanien, Finnland und den USA.
Rund 100 Teilnehmer sind zum ersten Impressday nach Tuttlingen gekommen. Darunter Medtech-Journalisten aus Deutschland, Italien, England, Spanien, Finnland und den USA.
(Bild: Medical Mountains)

Das Ziel: neue Entwicklungen, Produkte und Lösungen international noch offensiver vermarkten. Hierzu sind 27 Unternehmen aus dem Weltzentrum der Medizintechnik der Einladung der Clusterinitiative Medical Mountains AG zum ersten Impressday gefolgt. Der internationale Fachpressetag für die Medizintechnik fand am 6. Juli 2016 in der Stadthalle Tuttlingen statt. Yvonne Glienke, Vorstand der Medical Mountains AG, hieß zu der Premierenveranstaltung über 20 Journalisten aus Deutschland, Italien, England, Spanien, Finnland und den USA willkommen.

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Erfolgreiche Pressearbeit als wichtiges Medtech-Marketinginstrument

„Erfolgreiche Pressearbeit wird für Unternehmen aus dem Cluster Medical Mountains zum wichtigen Marketinginstrument im globalen Wettbewerb“, begrüßt Yvonne Glienke die Teilnehmer. Zweifelsfrei seien die vielen innovativen Produkte, smarten Lösungen und erstklassigen Service-Leistungen die Grundlagen der vielen Erfolgsgeschichten aus der Region. „Aber potenzielle Kunden müssen davon ja auch erfahren. Und zwar weltweit“, erklärt sie die Bedeutung des neuen Veranstaltungsformates. „Es gibt eine Vielzahl spezialisierter Fachzeitschriften in der Medizintechnik“, so Glienke weiter. Zahlreiche Redaktionen anzusprechen und für Themen aus dem Unternehmen zu begeistern, koste jedoch viel Zeit und Aufwand – es sei denn, man trifft sich gewissermaßen geballt abseits vom Tagesgeschäft oder Messertrubel. So wie auf dem Impressday. Um die Teilnehmer auf die Zukunft der Medizintechnik einzustimmen, hält Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krotzingen, eine Key-Note. Sein Thema: „Innovation – Innovation – Innovation!“

Mit neuen Entwicklungen im Medtech-Markt bestehen

„Aktuell erhöht sich die Lebenserwartung mit jedem Jahr, das ein Mensch hierzulande später geboren wird, um drei Monate. Das ist auch auf die überdurchschnittlich hohe Entwicklungs- und Innovationsleistung der Medizintechnik zu tun“, benennt Beyersdorf den Status Quo. Eine Fortsetzung der Innovationstätigkeit sei jedoch unbedingt erforderlich. „Nur durch neue Entwicklung bestehen Medtech-Unternehmen im Markt.“

Dabei unterscheidet Beyerdorf zwischen völlig neuen Ideen, Ansätzen und Therapieprinzipien, wie sie eher Start-ups hervorbringen, und Produktweiterentwicklungen, -anpassungen und -optimierungen, wie sie eher für große Unternehmen üblich sind. Das Problem: „Deutschland hat nicht so viele Start-ups, wie es haben sollte“, blickt Beyersdorf neidisch aufs Silicon Valley, wo er einen ganz anderen Spirit spüre. Natürlich sei auch dort längst nicht jede Entwicklung ein Volltreffer, doch für Deutschland fordert Beyersdorf vor allem eine höhere Frustrationstoleranz. „Der wahre Erfolg erfordert Durchhaltevermögen.“

Das sei beispielsweise bei Stents zur Behandlung von Bauchaortaanorismen (BAA) an den Tag gelegt worden. Als Alternative zur offenen OP sei der weltweite Markt für dieses Verfahren von 30 Mrd. Euro im Jahr 1998 trotz anfänglicher Rückschläge schon bis zum Jahr 2003 auf 455 Mrd. Euro gewachsen. Heute sei die BAA-Stentgraft-Therapie als erste Wahl etabliert und der Markt dafür noch einmal um ein Vielfaches höher.

Start-ups fördern

Doch Beyerdorf redet nicht nur, er handelt auch – und insofern ist er die perfekte Wahl für die Key-Note auf dem Impressday. Schon vor sechs Jahren hat der Herz- und Gefäßchirurg selbst ein Start-up-Unternehmen gegründet. Schwerpunkt der Resu-Sci-Tec GmbH ist die Erforschung von Verfahren und Methoden zur kontrollierten Ganzkörper-Reperfusion mit der langfristigen Zielsetzung, verbesserte Therapien zur Reanimation von Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand zu etablieren. Erster großer Erfolg hierbei war die erfolgreiche Reanimation einer Patientin im Oktober 2014 nach 120 Minuten Herzstillstand. In diesem Zusammenhang begrüßt Beyersdorf, „dass die FDA den Evaluationsprozess neuer Medizingeräte von pre- zu post-market geändert hat.“

Davon dürften auch 3D-gedruckte Medizinprodukte und Xeno-Transplantationen, also die Übertragung lebens- und funktionstüchtiger Zellen und Zellverbänden bis einschließlich ganzer Organe oder Körperteile zwischen verschiedenen Spezies, profitieren – Techniken, denen Beyersdorf zutraut, die Medizintechnik zu innovieren. Die Grenzen für Innovationen würden vor allem durch ethisch-moralische Diskussionen und die verfügbaren finanziellen Mittel gesetzt, sodass Beyersdorfs Fazit vor den mehr als 100 Teilnehmern des ersten Impressdays einen Appell einschließt: „Die Medizintechnik hat eine große Zukunft – aber Innovationen müssen noch mehr gefördert werden. Fördern Sie Start-up-Unternehmen.“

2017 folgt der zweite Impressday

Der Impressday soll fortan einmal jährlich stattfinden. Unterstützt wird er durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union. Die Veranstaltung startete für die teilnehmenden Journalisten bereits am Vortag mit einer gemeinsamen Besichtigung der Innovation und Benchmark Factories der Aesculap AG.

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Über den Autor

 Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der Medtech-Branche