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Fraunhofer IZM Livestream aus dem Körper: Kamerapille zur Magenspiegelung

| Redakteur: Julia Engelke

Die Untersuchung des Magens verbinden viele Betroffene mit unangenehmen Behandlungen und langen Wartezeiten aufgrund fehlenden Fachpersonals. Abhilfe soll nun eine vom Fraunhofer IZM entwickelte schluckbare Kamerakapsel mit einem externen magnetischen Steuerungssystem schaffen.

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Medizintechnik der Zukunft: Die Kamerapille macht Magenspiegelungen für Fachpersonal und vor allem Patienten erträglicher.
Medizintechnik der Zukunft: Die Kamerapille macht Magenspiegelungen für Fachpersonal und vor allem Patienten erträglicher.
(Bild: Fraunhofer IZM)
  • Endoskopiekapsel wird mit einem externen magnetischen Führungssystem durch den Magen geführt
  • Erleichterungen für Patienten und Fachpersonal
  • Zusätzliche Möglichkeiten: Erkrankungen früher erkennen, Beschwerden effektiv behandeln, Therapieverlauf überwachen

Magenspiegelungen bergen verschiedene Risiken und müssen durch mehrjährig geschultes und immer seltener werdendes Fachpersonal ausgeführt werden. Durch den natürlichen Würgereflex beim Schlucken des Schlauchs kann es zu Verletzungen der Schleimhäute in der Speiseröhre kommen. Nachfolgende Blutungen und Keimeinschleppungen sind keine Seltenheit. Auch die oft parallel durchgeführte Vollnarkose birgt unterschiedliche Risiken bis hin zum Tod.

Um diese Gefahren zu verringern, arbeitet das Fraunhofer IZM zusammen mit zwei weiteren Partnern im Rahmen des nuEndo-Projekts an einer Kapsel, mit der die diagnostische Magenspiegelung mit flexiblen Endoskopen durch ein vollkommen kabelloses Verfahren ersetzt werden soll. Die Endoskopiekapsel kann mithilfe eines externen magnetischen Führungssystems intuitiv durch den Magen geführt werden und sendet via eingebauter Sensorik ein Echtzeit-Bild des Mageninneren auf einen Monitor.

Magenspiegelung ohne Narkose

Ein besonderer Zusatz der Untersuchungsmethode: Anders als die schlauchgesteuerte Magenspiegelung kann die Kapselendoskopie vom hausärztlichen Fachpersonal ohne Narkose durchgeführt werden. Nachdem Betroffene die Kapsel geschluckt haben, dauert es circa 20 Sekunden, bis sie im Magen ankommt und die Untersuchung starten kann. Für einige Erkrankungen ist es nötig, anschließend dennoch eine schlauchendoskopische Untersuchung durchzuführen, da diese höher aufgelöste Bilder liefert. Mit der Kapselendoskopie können allerdings ohne lange Wartezeiten erste Diagnosen gestellt werden. Aus dieser ersten Diagnose lässt sich dann die Notwendigkeit für eine weiterführende Untersuchung ableiten.

Möglichkeiten zur Patientenüberwachung

Prof. Dr. Jörg Albert, Chefarzt am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und assoziierter klinischer Partner des nuEndo-Projektes, erläutert: „Durch dieses nichtinvasive und schmerzfreie Verfahren wird eine diagnostische Magenspiegelung schon bei geringerem Leidensdruck für Patienten akzeptabel, da diese nur eine kleine Kapsel schlucken müssen und dann entspannt an der Untersuchung teilnehmen können. Somit bietet das nuEndo-System die Möglichkeit, viele Erkrankungen früher als bisher zu erkennen, Beschwerden effektiv zu behandeln und den Therapieverlauf besser zu überwachen.“

Als Experte für die Miniaturisierung von elektronischen Systemen ist das Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM für die Miniaturisierung der Kapsel zuständig. Verbundkoordinator des Projektes ist die Ovesco Endoscopy AG. Weiterer Partner ist die Sensodrive GmbH - eine Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die für die externe magnetische Steuerung zuständig ist. Das Projekt ist mit knapp 1,7 Mio. Euro als KMU-innovatives Forschungsprojekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und läuft bis 2022.

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