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Mesago Formnext macht (3D-)Druck – oder das Ende des Hypes

| Autor: Peter Reinhardt

Auch in ihrer fünften Auflage setzt die Messe Formnext den eingeschlagenen Wachstumskurs unvermindert fort. Daran kann auch die sich ankündigende allgemeinen Konjunkturdelle nichts ändern. Im Gegenteil: Viele Experten begrüßen das Ende des Hypes um 3D-Druck und Additive Manufacturing.

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Binnen kürzester Zeit hat Mesago die Formnext zur Weltleitmesse für additive Fertigung geführt.
Binnen kürzester Zeit hat Mesago die Formnext zur Weltleitmesse für additive Fertigung geführt.
(Bild: Mathias Kutt / Mesago)
  • Weltleitmesse für Additive Manufacturing und die nächste Generation der intelligenten industriellen Produktion
  • Binnen vier Jahren von 0 auf über 700 Aussteller
  • Umzug in die modernsten Hallen der Messe Frankfurt

Errichtet auf den Trümmern der einst stolzen und erfolgreichen Euromold – Fachmesse für Werkzeug- und Formenbau, so lässt sich der Start der Formnext im Jahr 2015 in Frankfurt beschreiben. Seitdem hat sich die Messe für Additive Manufacturing und die nächste Generation der intelligenten industriellen Produktion in kürzester Zeit als Weltleitmesse etabliert. „Wir sind noch immer die am schnellsten wachsende Fachmesse in Europa“, erklärte dazu Anfang Oktober Sascha F. Wenzler, Vice President des Veranstalters Mesago Messe Frankfurt GmbH, auf einer Pressekonferenz.

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Formnext verleitet zu Superlativen

Als Macher vor und hinter den Kulissen ist er maßgeblich an der kometenhaften Entwicklung der Formnext beteiligt. Binnen vier Jahren von 0 auf über 700 Aussteller und deutlich mehr als 20.000 Besucher, da ging vergangenes Jahr schon mal die Bodenhaftung verloren. Nach neuerlichen Bestmarken bei Ausstellern und Besuchern war die „Welt(leitmesse)“ nicht mehr genug und die Formnext wurde kurzerhand zum internationalen Leitstern additiver Fertigung erklärt.

Aber solch euphorische Worte passen letztlich zum Hype, der um die additive Fertigung gemacht wird. Reduziert auf den Begriff 3D-Druck – tolles Marketing – soll ja mit dieser Technologie angeblich alles möglich sein. Sogar menschliche Organe sollen gedruckt werden. Wenn nicht heute, dann spätestens morgen. Doch es mehrt sich die Zahl an Experten, die erleichtert sind, wenn dieser Hype im Zuge der sich ankündigenden allgemeinen Konjunkturdelle ebenfalls abnimmt und sich der Fokus auf realistische Anwendungsmöglichkeiten richtet.

Ende des Hypes um 3D-Druck ist vielen willkommen

Einer, dem genau das wichtig ist, ist Dr. Kristian Arntz. Der Abteilungsleiter für Lasermaterialbearbeitung am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT in Aachen ist zugleich auch Geschäftsführender Gesellschafter des ACAM Aachen Center for Additive Manufacturing sowie Messebeirat der Formnext. Er kennt also die Branche und die Messe wie kaum ein anderer und richtet den Blick gerne über den Bearbeitungsraum der AM-Anlagen hinaus: „Die Formnext schaut auf die zu lösenden Schnittstellenprobleme in der Prozesskette“, verspricht Arntz, wohlwissend, dass die Komplexität dadurch nicht geringer wird.

Discover 3D Printing verschafft Klarheit

Neben der Komplexität ist vor allem die Vielzahl an Verfahren die größte Bremse für eine schnellere Durchdringung von Additive Manufacturing in der Industrie. Doch auch hier haben Wenzler und Arntz Hilfe rund um die Formnext entwickelt. Unter dem Namen „Discover 3D Printing“ werden auf der Messe zweistündige Grundlagenseminare angeboten, die die Unterschiede zwischen den mehr als zwanzig Verfahren und deren Einsatzmöglichkeiten zeigen. Teilnehmer können im Anschluss daran gut vorbereitet auf die Suche nach passenden Technologien gehen. Erstmals gab es Anfang Oktober ein Seminar „Discover 3D Printing Medical“ an der Universitätsmedizin Mainz, das sich speziell an Hersteller von Medizinprodukten gerichtet hat. Unabhängig vom Termin der Formnext wird es dieses branchenorientierte Seminar aufgrund der erfolgreichen Auftaktveranstaltung im kommenden Jahr schätzungsweise an zwei Orten geben.

Wer nicht so lange warten kann oder will, dem bieten die Formnext-Macher anderweitig Orientierung. Als Handreichung für die richtigen Fragen an die Aussteller hat Professor Steffen Ritter von der Hochschule Reutlingen den vergangenes Jahr in Kooperation mit Mesago herausgegebenen „Additive Manufacturing Field Guide“ zur Messe 2019 weiter verbessert. Neben einem kompakten Leporello können sich Messebesucher auch eine 64-seitige Version abholen, in der sie alle relevanten Verfahren ausführlich beschrieben finden.

Vier tolle Messetage sind das eine, ganzjährige Wissensvermittlung ist das andere

Dem Veranstalter geht es nicht allein um vier tolle Messetage in Frankfurt. Vielmehr liegt ihm die Wissensvermittlung am Herzen. „Wir haben die additive Fertigung im Herzen“, so Wenzler. Das kommt offensichtlich gut an. Mit dem weiteren Ausbau der Prozesskette und einer Vielzahl an Sonderthemen setzt die Formnext auch im fünften Jahr ihr beeindruckendes Wachstumstempo fort und festigt damit ihre Position als weltweit führende Messe für additive Fertigung. Ende September 2019 hatten sich über 740 Aussteller angemeldet, wodurch die Formnext rund sechs Wochen vor Messestart die Gesamtzahl aus dem Vorjahr bereits um 17 Prozent übertraf. Die zu diesem Zeitpunkt gebuchte Bruttofläche von mehr als 50.000 m² übertrifft den Endstand der Formnext 2018 sogar um 35 Prozent.

Umzug in die Hallen 11 und 12 und weitere Neuigkeiten

Aufgrund des starken Wachstums findet die Formnext 2019 erstmals in den Hallen 11 und 12 und damit im modernsten Teil des Frankfurter Geländes statt. Die elegante Architektur der beiden Hallen auf vier Ebenen in Kombination mit dem modernen und großzügigen Eingangsgebäude Portalhaus bildet ein außergewöhnliches Eventumfeld, das hervorragend zur innovativen AM-Szene passt.

Neu ist in diesem Jahr die Auslobung eines Partnerlandes. Dass die Wahl mit den USA auf die Wiege der additiven Fertigung gefallen ist, überrascht wenig. Unter der Federführung des US Department of Commerce präsentieren sich nicht nur Marktführer wie 3D Systems, HP und viele andere. Im US Pavilion in Halle 12 wartet auch ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Vertretern der Additive Manufacturing Users Group (AMUG), der Association for Manufacturing Technology (AMT) und der American Society of Mechanical Engineers (ASME) auf die Besucher. Partnerland der Formnext 2020 ist China. Dann soll es erstmals auch geführte Touren für Besucher zentraler Anwenderbranchen wie der Medizintechnik geben.

Die Formnext 2019 findet vom 19. bis 21. November auf der Messe Frankfurt statt.

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