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Lasys

Fokus auf Lasertechnologien bringt seit Jahren über 30 Prozent Umsatzwachstum

| Autor: Peter Reinhardt

Anders als bei der klassischen Zerspanung sind bei der Laserbearbeitung noch echte Technologiesprünge möglich. Die Fachmesse Lasys kommt da gerade recht, um sich über aktuelle Trends und Technologien zu informieren.

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Im Aufwind: Zur Lasys 2018 erwartet der Veranstalter ein Plus bei Ausstellern und Besuchern.
Im Aufwind: Zur Lasys 2018 erwartet der Veranstalter ein Plus bei Ausstellern und Besuchern.
( Bild: Landesmesse Stuttgart )
  • Fachpressekonferenz im Reichle-Technologiezentrum
  • Experten geben Ausblick auf die 6. internationale Fachmesse für Laser-Materialbearbeitung
  • Reproduzierbare Feinstrukturen funktionaler Oberflächen

Bei der Landesmesse Stuttgart ist es durchaus üblich, im Vorfeld von technischen Fachmessen zur Pressekonferenz einzuladen. Diese findet meist bei einem Aussteller oder dem Kunden eines Ausstellers statt. So auch vor der 6. Lasys als internationaler Fachmesse für Laser-Materialbearbeitung. Hier führte die Reise der geladenen Journalisten nach Bissingen an der Teck, mitten hinein ins vielbeschworene Ländle der Macher und Schaffer – genauer gesagt ins Reichle Technologiezentrum. Hier steht zwar eigentlich Automotive drauf, ist aber durchaus auch Medizintechnik drin. Die Fahrt zur Schwäbischen Alb hat sich also für den Autor gelohnt. Neben viel anderem gab es dort unter anderem Europas größte Fünf-Achs-Anlage für die Laser-Texturierung zu sehen.

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Lasys erwartet mehr Aussteller und mehr Besucher

„Zur Lasys rechnen wir in diesem Jahr mit mehr Ausstellern, mehr Besuchern und damit mit einer Festigung der Messe als unverzichtbarem Branchentreffpunkt für Hersteller, Anwender und Entscheider in der industriellen Fertigung.“ Das erklärte zunächst Florian Niethammer, Teamleiter Industrie & Technologie bei der Messe Stuttgart, während der besagten Fachpressekonferenz im Reichle-Technologiezentrum. Gemeinsam mit Experten aus der Industrie und von Verbänden gab er hier Ausblicke auf die in Stuttgart stattfindende Fachmesse. Vom 5. bis 7. Juni 2018 sollen rund 200 Aussteller, von denen ein Drittel aus dem Ausland anreist, die komplette Messehalle 4 belegen.

„Mit einem klaren Fokus auf Laser-Fertigungssysteme, ergänzt durch laserspezifische Maschinensubsysteme, Strahlquellen, Verfahren und Dienstleistungen, wird die Lasys einmal mehr ihre Rolle als führende internationale Fachmesse rund um den Einsatz von Lasern in der industriellen Fertigung unter Beweis stellen“, verspricht Niethammer. Branchen- und materialübergreifend sei die Lasys die ideale Plattform für spezielle Anwendungsfelder, neue Einsatzgebiete sowie Branchentrends und Innovationen. „Mit intelligenten Systemlösungen, etablierten und neuen Fertigungsverfahren sowie Anwendungsfeldern zeichnen sich die Aussteller durch eine hohe Praxisorientierung aus. Und das ist genau das, was Entscheider in der Industrie suchen“, so Niethammer weiter. Insofern ist der Messemacher zuversichtlich, die Zahl von zuletzt 6.000 Besuchern in diesem Jahr deutlich steigern zu können.

Demonstration realer Wirtschaftspraxis

An Nachfrage nach Lasertechnologien mangelt es jedenfalls nicht. „Die Laseranlagen-Produktion am Standort Deutschland hat im vergangenen Jahr wertmäßig fast 5 Prozent auf 918 Mio. Euro zugelegt. Der von Laseranlagen-Herstellern gebuchte Auftragseingang 2017 zeigt sogar ein überproportionales Wachstum von reichlich 8 Prozent auf stramme 1,29 Mrd. Euro“, erklärt dazu Gerhard Hein, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Laser und Leiter des Bereichs Wirtschaft und Statistik des Fachverbandes Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme im VDMA (vgl. Kasten). Er ist einer der Gründerväter der Lasys vor zehn Jahren und sieht die „Demonstration realer Wirtschaftspraxis“ noch immer als eine der Stärken dieser Messe.

Laserbearbeitung von Medizintechnik

Mit diesem Anspruch tritt auch GF Machining Solutions als Anbieter der Texturier-Anlagen, die bei Reichle eingesetzt werden, erstmals als Lasys-Aussteller an. Dazu Christian Jung, Geschäftsführer der deutschen GF Machining Solutions GmbH: „Wir werden auf der Lasys den Agie-Charmilles-Laser P 400 und eine Microlution ML5 präsentieren. Der Laser P 400 ist eine 3- oder 5-Achs-Lösung zur Gestaltung von ästhetischen und funktionalen Oberflächen. Selbst komplexe 3D-Geometrien und Präzisionsteile lassen sich mit dieser Technologie strukturieren, gravieren, mikrostrukturieren, markieren und kennzeichnen.“

Die Laser-Texturierung sei auch ein Verfahren für Medizintechnikhersteller, ergänzt derweil Bernd Martiné, zuständig für den Laser-Vertrieb bei GF Machining Solutions in Schorndorf. „Damit lassen sich zum Beispiel funktionale Oberflächen von Wirbelsäulen-Implantaten erzeugen, die ein genau definiertes Einwachsverhalten ermöglichen.“ Das sei mit vermeintlich konkurrierenden Verfahren definitiv nicht möglich. Neben der Erzeugung undefinierter Oberflächen spreche vor allem die große Kontaminationsgefahr gegen das einfache Sandstrahlen. Mehr dazu erklärt Martiné im Rahmen eines Vortrags auf der Lasys.

Ferner zeigt GF Machining Solutions auf der Lasys auch Femto-Laser-Bohr-Schneideanlagen für die Ultrakurzpuls-Laserbearbeitung. Deren Vorteil: Es gibt keine Heat Affected Zones (HAZ) und damit keinen Wärmeeintrag – bei Präzisionsbauteilen ist das von entscheidender Bedeutung.

Gute Perspektiven für Medizintechnik-Hersteller

Einer, der sich mit Präzision auskennt wie kaum ein anderer, ist Marco Reichle, der Gastgeber der Lasys-Pressekonferenz. „Die perfekte Oberfläche entscheidet heute über Erfolg oder Misserfolg von Produkten.“ Als Dienstleister hat sich das Unternehmen von 17 Mitarbeitern 2011 auf heute 75 weiterentwickelt und freut sich dabei seit Jahren über 30 Prozent und mehr Umsatzwachstum. Das sei nur durch die konsequente Fokussierung auf Lasertechnologien möglich gewesen. „Anders als bei der klassischen Zerspanung sind hier noch echte Technologiesprünge möglich“, wirbt der Junior-Chef des Reichle Technologiezentrums indirekt für einen Besuche der Lasys.

Genarbte Kunststoffoberflächen, wie man sie als Design-Elemente aus der Automobilindustrie kennt, hält Reichle indes aufgrund ihrer Größe aktuell nicht vollflächig für wirtschaftlich bei medizinischen Investitionsgütern wie Computertomographiegeräten. Jedoch sieht er durchaus Potenzial, dass andere Designelemente wie Griffe etc. künftig lasertexturiert werden. „Reproduzierbare Feinstrukturen funktionaler Oberflächen können in haptischen Anwendungen für einen sicheren Griff sorgen. Der Einsatz von optischen Laser-Beschriftungen ohne Tiefe bietet dagegen keine Angriffspunkte für Schmutz, Bakterien oder ähnliches.“ Damit liefert Reichle zwei gute Argumente für den Einsatz von Lasertechnologien in der Medizintechnik: Sicherheit und Sauberkeit.

Ergänzendes zum Thema
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Lasys bietet vielfältiges Programm für Laser-Anwender
  • Fachforum „Lasers in Action“: An drei Tagen finden praxisorientierte Vorträge direkt in der Messehalle statt.
  • Stuttgarter Lasertage am 5. und 6. Juni: Wissenstransfer zwischen internationalen Experten und Anwendern
  • Stuttgart Laser Marketplace: Am 6. Juni referieren führende Branchenspezialisten aus Marktforschung und Industrie über Märkte, Technologien und Anwendungen der industriellen Lasertechnik.
  • Workshop „Lasermaterialbearbeitung in der Medizintechnik“ am 5. Juni
  • Workshop „Laser-Auftragsschweißen“ am 6. Juni
  • Netzwerktreffen der „Women in Photonics“ von Photonics BW und das „EPIC Meeting on lasers and material processing at Lasys“ des European Photonics Industry Consortiums (EPIC) am 7. Juni
  • Parallel auf dem Messegelände stattfindende Events ermöglichen zudem einen Blick über die Grenzen der Laserbearbeitung hinaus. Dazu zählen:

  • Cast Forge – Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile mit Bearbeitung
  • Surface Technology Germany – Internationale Fachmesse für Oberflächen und Schichten
  • Automotive Testing Expo
  • Automotive Interiors Expo
  • Autonomous Vehicle Technology World Expo
  • Engine Expo
  • Global Automotive Components and Suppliers Expo
  • Xxxxxx
    Wachstum der Lasersystemtechnik: „Back on Track“

    Anlässlich der Vor-Pressekonferenz zur Lasys präsentierte Gerhard Hein, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Laser und Leiter des Bereichs Wirtschaft und Statistik des Fachverbandes Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme im VDMA, am 15. März die aktuellen Zahlen der Branche. Die Erklärung im Wortlaut:

    „Die Laseranlagen-Produktion am Standort Deutschland hat nach dämpfenden Auswirkungen von Substitutionseffekten im Referenzjahr, gerichtet auf Anlagen mit CO2-Lasern, in 2017 wertmäßig fast 5 Prozent auf 918 Mio. Euro Volumen zugelegt. Der von Laseranlagen-Herstellern im Mitgliederkreis gebuchte Auftragseingang 2017 zeigt überproportionales Wachstum von reichlich 8 Prozent auf stramme 1,29 Mrd. Euro.

    Die weltweite Konsolidierung der Laserproduktion unter Einbeziehung von Beiträgen internationaler Tochtergesellschaften ergibt aktuell ein Plus von 23 Prozent, wobei die oben erwähnten Substitutionseffekte im Vorjahr im Sinne eines Basiseffekts aber auch stärker im Ausland wirksam waren.

    Exportleistung der Branche wieder in beherztem Steigflug

    Das Top-Ausfuhrergebnis aus 2015, damals mehr als ein Fünftel über Referenzzeitraum, wird in 2017 mit 25 Prozent Zuwachs auf 862 Mio. Euro eindrucksvoll überboten. Der aktuell hohe Exportanteil, gemessen am konsolidierten Produktionswert, beläuft sich auf 71 Prozent und signalisiert damit eine starke Position im Feld der weltweiten Konkurrenz. Hinsichtlich der Ausfuhr-Struktur nach Bestimmungsregionen und Einzelmärkten zeigen sich folgende Verschiebung: Während Westeuropa mit stark unterproportional einstelligem Plus um 7 Punkte auf ein Drittel Anteil am Gesamt-Ausfuhrergebnis zurückläuft, halten die USA 15 Prozent Anteil und Mittel-/Osteuropa sowie das ,Sonstige Asien’ steigern um 1 Punkt bzw. 2 Punkte auf ebenfalls 15 Prozent Partizipation. Auch die beiden einzeln ausweisbaren asiatischen Märkte China und Japan zeigen starke Aufwärtsentwicklung und markieren stattliche 10 Prozent bzw. halten 5 Prozent Anteil. Die verbleibenden ,Sonstigen Länder’ steigern moderat auf 7 Prozent Anteil.

    Wachstum Werkzeugmaschinen versus Laseranlagen durch strukturelle Aspekte geprägt

    Bei Fokussierung auf die Produktion am Standort Deutschland könnten bis zu 7 Prozent Steigerung den erwähnten 5 Prozent Zuwachs im Bereich der Lasersystemtechnik gegenüber stehen. Allerdings notierte die Werkzeugmaschinenindustrie noch bis November 2017 mit knapp 4 Prozent Plus – bis der Monat Dezember die wachsende Bedeutung der Abrechnung massiver Großaufträge aus dem Automotive-Sektor erneut nachdrücklich unterstrich. Die Kundenstruktur von Laseranlagen-Produzenten ist demgegenüber sehr viel breiter angelegt, und Abhängigkeiten von Großanwendern schlagen weitaus weniger einseitig durch, sei es als Treiber - wie im Werkzeugmaschinenbau 2017 - oder im Ernstfall auch als kontraktiver Faktor.

    Erster Ausblick auf 2018 und Würdigung der ,Records‘ für Strahlquellen

    Während der vorangegangenen drei Erhebungsjahre (2014 bis 2016) kam der weltweit konsolidierte Produktionswert im Bereich Laserstrahlquellen in Relation zum vergleichbaren Volumen für Laseranlagen auf immerhin einen Anteilssatz von durchschnittlich knapp zwei Dritteln. Strahlquellendaten gehören also substanziell zum Gesamtbild, wobei ein entsprechend dimensionierter Anteilssatz auch für 2017 gelten dürfte. Für das aktuelle Berichtsjahr sind die Ergebnisse für Strahlquellen allerdings noch nicht final verfügbar. Anlässlich der offiziellen Eröffnungs-Pressekonferenz zur diesjährigen Lasys beziehungsweise im Rahmen der direkt anschließend stattfindenden Jahres-Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Laser und Lasersysteme im VDMA werden deutlich stärker differenzierte Ergebnisse vorgestellt werden.

    VDMA – Arbeitsgemeinschaft Laser und Lasersysteme für die Materialbearbeitung

    Forum Photonik im VDMA

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    Über den Autor

    Peter Reinhardt

    Peter Reinhardt

    Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der MedTech-Branche

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