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Simeon Medical/Rimasys Flugsimulator für Chirurgen

Redakteur: Julia Engelke

Wie alle Bereiche der Medizin entwickeln sich auch Operationstechniken ständig weiter. Neue Techniken werden allerdings meist nur theoretisch auf Fachkongressen vorgestellt, praktische Schulungen finden in der Regel im kleinen Kreis in Unikliniken statt. Um Schulungen und Vorführungen praktischer und anschaulicher zu gestalten, hat die Rimasys GmbH aus Köln „The Shard“ entwickelt. Der vollausgestattete mobile OP-Saal kann auf Messen und Kongressen aufgebaut werden und gibt dank Glaswänden und einem Simeon-Medical-Leuchtensystem mit HD-Kameras Einblicke in Demonstrationen oder Weiterbildungen live vor Ort oder per Stream.

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„The Shard“ als mobile Version wurde im Rahmen der „Surgical Treatment Week“ im Oktober 2020 erstmals dem Fachpublikum vorgeführt.
„The Shard“ als mobile Version wurde im Rahmen der „Surgical Treatment Week“ im Oktober 2020 erstmals dem Fachpublikum vorgeführt.
(Bild: Simeon Medical)

Der jährliche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie DKOU 2019 in Berlin bleibt allen Teilnehmern wohl noch lange im Gedächtnis: Erstmals wurde dort ein chirurgischer Trainingssaal als Messestand aufgebaut. „Wir wollten dazu beitragen, dass die theoretischen Fachkongresse praxisorientierter werden. Dabei kamen wir auf die Idee, einen OP-Saal in der Messehalle aufzustellen, um live vor Ort praktische Demonstrationen zu ermöglichen“, erklärt André Passon, CFO bei der Rimasys GmbH. In Zusammenarbeit mit einem Ladenbauer entstand schließlich ein 120 m² großer, vollverglaster und komplett ausgestatteter OP-Saal. Bei der Ausstattung wurde auf höchste Qualität geachtet. Das Glas der Außenwände ist röntgenundurchlässig. Dank der in die mobilen OP-Leuchten integrierten 4K Wireless Kameras von Simeon konnte das Geschehen Live auf Bildschirmen außerhalb des Glaswürfels übertragen werden. Die Resonanz der Kongressteilnehmer war sehr positiv. „Es bildete sich mit der Zeit eine große Menschentraube um unseren Stand. Die Zuschauer waren begeistert, unser Stand wurde als das Highlight des Kongresses gelobt“, berichtet Passon.

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Vom Kongress auf Tour

„Nach dem Kongress erreichten uns zahlreiche Anfragen für weitere Kongresse. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, eine mobile Variante des Labors zu entwickeln“, so Passon. Dazu mussten allerdings einige Anpassungen gemacht werden. Zusammen mit einem Ladenbauer wurde ein Konzept entwickelt, das den Aufbau und die Inbetriebnahme von „The Shard“ einfach und schnell ermöglicht. „‚The Shard‘ ist so gestaltet worden, dass es ganz einfach per Plug-and-Play aufgebaut werden kann und nur noch Strom anschließen und eine Internetverbindung herstellen muss, bevor es losgeht“, erklärt Passon. Das ganze System ist TÜV-geprüft und die Wände sind, wie schon beim ersten Modell, aus röntgenundurchlässigem Spezialglas gefertigt.

Auch in der Ausstattung des Saals wurden Anpassungen vorgenommen. So wurden die mobilen OP-Leuchten durch ein deckenmontiertes System mit drei Auslegearmen von Simeon ersetzt. Die notwendige Beleuchtung für die Operation und die Bildübertragung liefern je eine Sim.LED 7000 MC und eine Sim.LED 5000 MC mit jeweils 160.000 lx. „Bei der Auswahl der Beleuchtung war es uns besonders wichtig, sowohl realistische OP-Bedingungen als auch ideale Lichtverhältnisse für die Kameras zu schaffen“, erläutert Passon. Dank der Reflektortechnologie der Simeon-Leuchten gibt es kaum Schatten im Leuchtfeld. Das ist sowohl während einer OP wichtig, als auch für eine ideale Bildübertragung. Durch Schatten oder mangelhafte Ausleuchtung könnte das OP-Feld falsch wiedergegeben werden. Mit den Simeon-Leuchten ist dies ausgeschlossen.

Darüber hinaus bieten die deckenmontierten Leuchten auch einen großen Flexibilitätsvorteil gegenüber mobilen Leuchten. Dank der Simeon-Federarme des deckenmontierten Systems können die Leuchten flexibel sowohl sehr hoch als auch im Wettbewerb unschlagbar tief positioniert werden, je nach gewünschtem Kamera- und Lichtwinkel. Da das Tragarmsystem in jede Position rotierbar ist, können die Leuchten in jeder beliebigen Position ausgerichtet werden. Und auch der Monitor ist dank >380° Aktionsradius frei platzierbar. Dadurch können die Leuchten auch auf zwei Arbeitsplätze aufgeteilt werden. „In ‚The Shard‘ können auch zwei Operationen gleichzeitig durchgeführt werden, beispielsweise als Vergleich verschiedener Techniken. Von daher ist es uns wichtig gewesen, dass die Leuchten maximal flexibel eingestellt werden können. Diese Flexibilität konnte uns Simeon vollumfänglich bieten. Bei zwei OPs kann so pro Arbeitsplatz je eine Leuchte genutzt werden, ohne umbauen zu müssen. Für diese Situation mit zwei Arbeitsplätzen wurden auch beide Leuchten mit jeweils einer medizinischen Kamera Sim.Cam HD von Simeon ausgestattet“, erklärt Passon.

Flexible Steuerung

Um die beiden Leuchten und Kameras unabhängig voneinander steuern zu können, wurden insgesamt zwei Wandbedienungen von Simeon installiert. „Normalerweise beinhaltet eine Installation mehrerer Leuchten nur eine Kamera, weshalb normalerweise auch nur eine Wandbedienung notwendig ist. Um das parallele Arbeiten zu ermöglichen, haben wir uns aber für die Sonderlösung mit zwei Kameras und zwei Bedienelementen entschieden“, erläutert Passon die Gründe für die Sonderlösung. Über die Wandbedienung hat die Regie die Möglichkeit, die Leuchte sowie Kamera direkt aus dem in „The Shard“ integrierten Regieraum optimal anzupassen.

Über das von Simeon bereitgestellte Sim.Interface lassen sich die Lichtparameter der beiden Leuchten automatisch synchronisieren. Wenn die Synchronisation aktiviert ist und bei einer Leuchte beispielsweise die Farbtemperatur oder die Beleuchtungsintensität verstellt wird, wird diese bei der anderen Leuchte ebenfalls automatisch angepasst, um Farbschatten im Leuchtfeld zu vermeiden. Dies stellt sowohl für den Operateur als auch für das Regieteam eine Erleichterung dar. Falls an zwei verschiedenen Arbeitsplätzen gearbeitet wird, kann die Synchronisation über das kardanische Bedienteil an der Leuchte ganz einfach deaktiviert werden. Dann sind beide Leuchten unabhängig voneinander steuerbar.

Weltpremiere ein Erfolg

„The Shard“ als mobile Version wurde im Rahmen der „Surgical Treatment Week“ im Oktober 2020 erstmals dem Fachpublikum vorgeführt. „In Zeiten von Social Distancing konnten wir natürlich nicht, wie ursprünglich geplant, ‚The Shard‘ auf einer Messe oder einem Kongress vorstellen. Stattdessen haben wir ihn in einer leeren Halle in Köln aufgestellt und die OPs live online gestreamt. An diesen Anwendungsfall hatten wir natürlich ursprünglich gar nicht gedacht“, so Passon. Besonders die Bildqualität des HD-Kamerasystems von Simeon wurde von den Zuschauern und dem Operateur gelobt. „Wir sind sehr glücklich, dass unser mobiler OP-Saal so gut ankam und freuen uns, wenn wir ihn in Zukunft auch mit Publikum vor Ort präsentieren können“, resümiert Passon. In „The Shard“ lassen sich alle Arten von Operationen an Präparaten durchführen. Auch neue Medizintechnik kann hier erstmals in Aktion vorgeführt werden.

Auch bei Simeon freut man sich über die gelungene Premiere und die erfolgreiche Kooperation. „Wir arbeiten schon seit Längerem mit Rimasys zusammen“, erklärt Dr. Markus Keussen, Geschäftsführer der Simeon Medical GmbH. „Auch im vom Rimasys betriebenen chirurgischen Ausbildungszentrum Cad-Lab in Köln sind Leuchten von uns im Einsatz. Wir freuen uns natürlich, dass unsere Leuchten- und Kameratechnik auch in so einem innovativen Projekt wie ‚The Shard‘ vertreten sind“, so Dr. Keussen weiter. Passon ergänzt: „Wir haben für ‚The Shard‘ Partner ausgewählt, deren Produkte nicht nur einen sehr hohen Qualitätsstandard aufweisen, sondern die auch auf Made in Germany setzen. Beides ist bei Simeon der Fall. Von daher war Simeon die erste Wahl bei Leuchten, Kameras und der zugehörigen Peripherie.“

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