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3D-Druck Fingerorthese: Frisch gedruckt und individuell angepasst

Das Gespräch führte Melanie Prüser, MEDICA.de

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Nach einer Verletzung oder einer Operation bilden Orthesen einen wichtigen Bestandteil im Rehabilitationsprozess. 3Digity entwickelt für die Rehabilitation individuelle Fingerorthesen aus dem 3D-Drucker. Denn richtig angepasst können Orthesen den Genesungsprozess deutlich verbessern. Im Interview erläutert Dr. Julie Kux, wie der aktuelle Stand ist, was die Orthese von anderen unterscheidet und was die nächsten Schritte sind.

Zum Rehabilitationsprozess gehört auch die Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln wie zum Beispiel Orthesen.
Zum Rehabilitationsprozess gehört auch die Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln wie zum Beispiel Orthesen.
(Bild: Messe Düsseldorf/Andreas Wiese)

Frau Dr. Kux, wie ist die Idee für die Orthese entstanden?

Dr. Julie Kux: Die Ausgangslage für die Berechnung der individualisierten Fingerorthese bildete die von unserem Teamkollegen Miguel Bravo aus seiner Bachelorarbeit entwickelten Algorithmen. Er interessierte sich bereits früh für die menschliche Hand und die Komplexität, die diese mit sich bringt. Aus diesem Grund wechselte er ins Art-Lab der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), da sich dort viele Expertinnen und Experten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Hand befassen. Ziel war es, als Austausch-Masterstudent die Idee mit passenden Fachexpertinnen und -experten weiterzuentwickeln. So entstand Schritt für Schritt das Projekt und auch die wissenschaftliche Ausgründung 3Digity.

Zur Person

Im Interview: Dr. Julie Kux

Dr. Julie Kux arbeitet im Project Management & Business Development in der wissenschaftlichen Ausgründung 3Digity. Im Interview erläutert sie, wie der aktuelle Forschungsstand für die entwickelte Fingerorthese ist, was diese von anderen unterscheidet und wie die nächsten Schritte aussehen werden.

Was unterscheidet die Orthese von anderen Orthesen?

Kux: Unser Ziel ist es, auf den Finger und das Verletzungsbild passende individuelle dynamische Orthesen zu entwickeln. Denn die Orthesen sind häufig vorgefertigt und somit nicht individuell passgenau hergestellt. Viele Orthesen beziehen sich auch nur auf ein einziges Gelenk im Finger. Durch die Fertigung über den 3D-Druck können wir individuell passende Orthesen herstellen. So kann der gesamte Finger mit einer dynamischen Orthese ausgestattet werden und der Fokus auf die Mobilisierung der gesamten Gelenke gesetzt werden.

Wie unterstützt die Orthese bei der Handrehabilitation?

Kux: Die Fingerorthese kann direkt zu Hause genutzt werden und ist sehr schnell einsatzfähig, sodass die Rehabilitation zeitnah nach der Verletzung oder der Operation gestartet werden kann. Eine frühe Mobilisation ist gerade bei Fingerverletzungen ausschlaggebend für eine schnelle und vollständige Genesung. Denn die Finger sind unsere wichtigsten Werkzeuge und eine freie Beweglichkeit der Fingergelenke ist daher unfassbar wichtig. Außerdem neigen die Strukturen in den Fingern aufgrund des anatomischen Aufbaues zur Adhäsion bei Immobilisation.

Was gehört zur Vorbereitung auf den Rehabilitationsprozess?

Kux: Die Patientinnen und Patienten erhalten nach der Verletzung die notwendige ärztliche Versorgung. Dazu gehört abhängig von der Art der Verletzung sowohl die konservative als auch die operative Behandlung. Im Idealfall gehört zum Rehabilitationsprozess auch die Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln, wie zum Beispiel die Versorgung mit Orthesen und die Physiotherapie. Die Orthese wird vom Arzt verschrieben und vom Orthopädietechniker ausgegeben.

Wir befinden uns aktuell in der Recherchephase. Welches Krankheitsbild können wir wie am besten versorgen? Welche technischen Wege werden wir dafür beschreiten? Davon abhängig ist im Anschluss auch der Zertifizierungsprozess. Wir definieren einen passenden Anwendungsfall und können daher noch keine festen Indikationen nennen, die für den Rehabilitationsprozess eine Rolle spielen. Ein Bestandteil der Rehabilitation sollte allerdings die Möglichkeit sein, die Fingergelenke passiv in Extension und Flexion zu bewegen.

Auf welche Finger lässt sich die Orthese anwenden?

Kux: Wir fokussieren uns momentan auf ein Produkt für den Zeigefinger (Finger II) und dabei auch auf ein konkretes Krankheitsbild. Dieser Finger erleidet die meisten Verletzungen und wird gleichzeitig auch am meisten benutzt. Allerdings lassen wir aktuell den Daumen noch außen vor bei unserer Forschung. Denn der Daumen (Finger I) hat im Vergleich zu den anderen vier Fingern einen komplett anderen Aufbau und eine andere Art der Beweglichkeit.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Kux: Dank der Unterstützungen, die wir erhalten haben, können wir nun die notwendigen Schritte einleiten, um das Projekt in die Realität umzusetzen. Wir werden die Zeit und die Ressourcen nutzen, um uns auf den notwendigen Zertifizierungsprozess und die Vorbereitung auf die Durchführung von klinischen Studien zu fokussieren. Ziel ist es, auf lange Sicht die Orthese auch auf weitere Finger und Anwendungsfälle auszuweiten. Weitergedacht, wollen wir unsere Orthesen auch für weitere Gelenke entwickeln.

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