Suchen

Medica 2019

Ein Blick in die Zukunft des Gesundheitswesens

| Autor/ Redakteur: Susanne Ehneß / Julia Engelke

OP-Beleuchtung, Ultraschallgeräte, chirurgische Instrumente, Labortechnik oder Beauty-Anwendungen – all das zeigte die Messe „Medica“. Das Top-Thema bleibt aber die Digitalisierung.

Firmen zum Thema

Medizintechnik zum Anfassen
Medizintechnik zum Anfassen
(© S. Ehneß)
  • Mit 5.500 Ausstellern aus 69 Nationen die weltgrößte Medizinmesse
  • Treiber des Wachstums: An Digitalisierung kommt niemand mehr vorbei
  • KI in der Psychotherapie: Vor- und Nachteile
  • Nächste Medica vom 16. bis 19. November 2020 in Düsseldorf

Mit 5.500 Ausstellern aus 69 Nationen ist die Medica die weltgrößte Medizinmesse. In den Düsseldorfer Messehallen können sich die Besucher über sämtliche Produkte rund um das Gesundheitswesen informieren, das „Ausprobieren“ steht hier an erster Stelle. Um digitale Prozesse kommt hier niemand mehr herum, was sich auch an der (zu den vergangenen Jahren) veränderten Aufteilung der Messehallen zeigte: „Auf Basis der zunehmenden Konvergenz von Soft- und Hardware speziell im Bereich der Medizintechnik wird das Medica-Segment der Informations- und Kommunikationstechnik von der Messehalle 15 in die Halle 13 umgruppiert und findet damit direkten Anschluss an die Hallen für Medizintechnik und Elektromedizin“, hieß es dazu von der Messeleitung. So fand sich in Halle 13 dann auch alles rund um die Telematikinfrastruktur und Telemedizin, die Gematik ist dort direkt neben dem kürzlich zugelassenen eHealth-Konnektor zu finden (siehe Bilderstrecke).

Bilder und Infos zur diesjährigen Messe und den Referenten:

Medica 2019

Bildergalerie mit 38 Bildern

„Sie können heute keinen Strategieprozess in der Medizintechnik machen, ohne über Digitalisierung zu sprechen“, bestätigte Hans-Peter Bursig vom ZVEI. Bursig hielt am Messemontag einen Vortrag und forderte darin ein „eHealth-Zielbild“, um bestimmen zu können, wohin der Weg gehen soll. Auf der ZVEI-Website gibt es 20 Vorschläge für eine erfolgreiche Transformation in Form einer Checkliste (PDF).

Bundesgesundheitsministerium

Thomas Renner widmet sich in seiner Funktion als Leiter der Unterabteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesgesundheitsministerium ganz dem digitalen Fortschritt. Das jüngst verabschiedete Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) hält er für einen guten Weg, der nun in Richtung eines Gesamtprogramms „Digitale Gesundheit 2025“ weitergegangen werde. Hierzu wurde bereits eine Workshop-Reihe durchgeführt, und auch die Einführung des „Health Innovation Hub“ und die Initiative für Berlin als Modellstadt gehören dazu. „Digitalisierung gelingt nur gemeinsam und mit einem agilen und iterativen Ansatz“, ist Renner überzeugt.

KI in der Psychotherapie

Digitalisierung im praktischen Kontext zeigte Prof. Dr. Alena M. Buyx von der Technischen Universität München. Sie erläuterte den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie. Die Nutzung von Chatbots oder Social Bots in der Therapie habe zahlreiche Vorteile:

  • Der Ansprechpartner (Bot) ist immer verfügbar, hat eine endlose Geduld und verurteilt nicht.
  • Geringe Kosten.
  • Keine Wartezeit.
  • Neue Behandlungsform für bisher schwer behandelbare Krankheiten (z. B. Pädophilie).
  • Niedrigschwellig.
  • Würde Versorgungslücken schließen.

Daneben gibt es auch Nachteile oder Unwägbarkeiten:

  • Algorythmus-Probleme und -Intransparenz: Die Grundlage der Entscheidung des Bots ist nicht immer klar.
  • Datennutzung und Schweigepflicht.
  • Kommt es evtl. sogar eher zur Verstärkung des Verhaltens?
  • Oder zu einer Objektivierung?
  • Was macht die Therapie mit Bots mit der Kommunikation?
  • Outsourcing unliebsamer oder langwieriger, aber wichtiger zwischenmenschlicher Kontakte an die KI.

In einigen Therapien ist der KI-Einsatz noch experimentell, in anderen bereits Usus. Um zu vermeiden, dass (humane) Angebote reduziert werden, stellte Buyx die Möglichkeit einer Personalquote in den Raum.

Veraltete IT

In zahlreichen weiteren Vorträgen wurde die Digitalisierung besprochen und diskutiert. Egal ob als Teil der Infrastruktur, als Lösung für den Fachkräftemangel oder als helfende Hand: Digitale Prozesse durchdringen das Gesundheitswesen. Die Gesundheitsbranche wächst weiterhin, für 2019 wird ein Umsatzplus von 5 bis 6 Prozent erwartet. „Ein ganz wesentlicher Treiber des Wachstums ist die Digitalisierung“, erklärte Marcus Kuhlmann, Leiter Medizintechnik bei Spectaris, auf der Medica. Die Herausforderung sei eher die teils veraltete IT-Infrastruktur in den Krankenhäusern. Auf der Medica gB es hierfür schöne Alternativen zu sehen.

Die nächste Medica findet vom 16. bis 19. November 2020 wieder in Düsseldorf statt.

Lesen Sie auch

Weitere Meldungen aus der Medizintechnik-Branche und über Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal www.healthcare-computing.de.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46265342)