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GE Additive „Die zwei intensivsten Tage in meinem Leben“

| Autor/ Redakteur: Simone Käfer / Kathrin Schäfer

Was treibt ein deutsches Unternehmen, das sich in regem Wachstum befindet, dazu, sich in einen amerikanischen Großkonzern einzugliedern? Der Unternehmensgründer Frank Herzog erklärt, warum er diese Entscheidung traf. Ein Porträt.

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Frank Herzog gründete vor 18 Jahren zusammen mit seiner Frau Kerstin das Unternehmen Concept Laser.
Frank Herzog gründete vor 18 Jahren zusammen mit seiner Frau Kerstin das Unternehmen Concept Laser.
(Bild: Concept Laser, GE Additive)
  • 3D-Metalldrucker auf der Formnext 2017
  • Übernahme von Concept Laser durch GE Additive
  • Pulverbettbasiertes Laserschmelzen

Ein abgedunkelter Stand, Messebesucher mit gezückten Smartphones, mehrere Redner und ein großes verhülltes Objekt im Hintergrund – ungewöhnlich viel Wirbel für eine deutsche Industriemesse. Je mehr Redner die kommende Attraktion andeuteten, desto gespannter wurde das Publikum. Welch Wunderding mag wohl unter der Abdeckung sein? Endlich wird der Vorhang gehoben: eine große Maschine mit einem kleinen Fenster, ein 3D-Metalldrucker. Das war auf der Formnext 2017, Fachmesse für Additive Fertigung, auf dem Stand von GE Additive. Das Beeindruckende an dieser Maschine war die kurze Zeit, in der sie entstand. Nur neun Monate hatte der Drucker, um sich auf der Messe präsentieren zu können. Denn am 26.10.2016 war die Vertragsunterzeichnung zur Teilübernahme von Concept Laser durch GE; 25 Prozent gehören weiterhin dem Gründerpaar.

„Ab diesem Moment in Frankfurt kamen die zwei intensivsten Tage in meinem Leben“, erinnert sich Frank Herzog, Gründer und Vorsitzender Geschäftsführer von Concept Laser. Mitten in der Nacht wurde eine Betriebsversammlung organisiert, damit die Mitarbeiter die Neuigkeiten nicht aus den Medien erfahren mussten. Dass man in Verhandlungen steckte, wussten die Mitarbeiter aus früheren Besprechungen. „Dann folgten viele Gespräche mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden“, so Herzog weiter. Einige befürchteten, dass GE das junge, mittelständische Concept Laser vereinnahmen würde, um Maschinen ausschließlich für sich selbst zu fertigen. Aber das war gar nicht der Plan von GE. Mit seiner Sparte GE Additive verfolgt der US-amerikanische Konzern die Mission, die Additive Fertigung allen Branchen zugänglich zu machen, ein Umsatz von 1 Mrd. US-Dollar ist bis 2020 geplant.

Das Entwicklungswunder Atlas-Projekt

Als erster Schritt in diese Richtung wurde der neue 3D-Metalldrucker auf der Formnext 2017 enthüllt. Noch ist die Maschine aus dem Projekt Atlas eine Beta-Version. Atlas steht für „Additive Technology Large Area System“. Erhältlich soll sie ab 2020 sein. Das ist eine vergleichbar lange Zeit, bedenkt man die kurze Entwicklungsphase. „Die Beta-Maschine entstand so schnell, weil zwei Teams aus den USA und Deutschland daran arbeiteten“, lüftet Herzog das Geheimnis. Tatsächlich gab es bei der Übernahme von Concept Laser bereits eine Alpha-Maschine. Diese wurde inklusive der amerikanischen Ingenieure ins oberfränkische Lichtenfels transportiert. „Wir mussten uns zuerst beäugen und kennenlernen – natürlich gab es auch kulturelle Unterschiede – und trotzdem war es von Anfang an eine hervorragende Zusammenarbeit“, erzählt Herzog.

GE hat bei der Übernahme von Concept Laser von dessen Erfahrung im pulverbettbasierten Laserschmelzen profitiert. Doch worin liegt der Vorteil für Concept Laser, ein stetig wachsendes Unternehmen in einer florierenden Branche? „Wir haben unser Unternehmen in die Zukunft geführt“, antwortet Herzog. „Eigentlich war es nicht unser Plan, das Unternehmen aufzubauen und es dann an einen größeren Konzern abzugeben. Vielmehr wollten wir es zu einem weiter wachsenden, mittelständischen Unternehmen ausbauen, das wir in die nächste Generation führen können.“ Aber dann kam das rasante Wachstum und Umfrageinstitute und Wirtschaftsprüfer gestanden dem 3D-Druck ein enormes Potenzial mit stark steigender Nachfrage zu. „Das machte uns dann Ende 2015 sehr nachdenklich“, so Herzog.

Wenn Wachstum zum Problem wird

„Konnten wir das erwartete Wachstum überhaupt stemmen? Wie kann eine weiter stark wachsende Nachfrage bedient und gleichzeitig die Entwicklung vorangetrieben werden?“ Da war Concept Laser 15 Jahre alt und das Gründerehepaar in den 40ern. Also ließ man die Lage durch namhafte Unternehmensberatungen analysieren. Aufgrund von deren Ergebnissen beschloss man, sich einen Partner zu suchen, mit dem man ein schnelleres Wachstum und eine schnellere Globalisierung bewältigen konnte und der durch eigenes Know-how einen Mehrwert einbringen würde. Von den 48 Interessenten entschied man sich für GE.

Mehrere Gründe sprachen für den amerikanischen Riesen. „Sie hatten eine unglaubliche Begeisterung für die Technik an den Tag gelegt“, erinnert sich Herzog. „Das hat mich sehr überzeugt.“ Natürlich gehörte auch die Kompetenz des Konzerns in Bereichen wie Werkstoffe und Projektsteuerung dazu und, dass mit GE Aviation oder GE Health­care der Anwender inklusive ist. „So gelangen weitere wichtige Informationen zu uns“, freut sich der Gründer von Concept Laser. Die Herzogs sind nach wie vor Teil der Geschäftsführung, und auch die Mitarbeiter wurden ausnahmslos übernommen.

GE unterstützt den deutschen Standort Lichtenfels

Die Anwesenheit von GE merken sie im strategischen Bereich: „Wir gehen jetzt analytischer vor, wo früher auch schon mal das Bauchgefühl entschieden hat“, ergänzt Herzog lächelnd. Wirklich wichtig war dem Unternehmerpaar auch der Erhalt des Standorts. Weil der Oberfranke bodenständig und heimatverbunden sei. Für GE zählt anscheinend nicht die geografische Lage, sondern die Leistungsfähigkeit, denn auch eine größere Investition in den Standort Lichtenfels wurde relativ unkompliziert und schnell genehmigt. Dabei handelt es sich um 105 Mio. Euro Invest in ein neues Firmengebäude, in das 2019 alle, momentan noch über mehrere Gebäude verstreute Mitarbeiter einziehen sollen. Unterstützt wurde das Projekt durch den Bürgermeister und den Landrat von Lichtenfels, auch wenn es anfangs ein Missverständnis gab: „Ich habe beim Bürgermeister angerufen und ihm gesagt, dass ich die ganze Fläche im neuen Industriegebiet kaufe. Er hielt es für einen Scherz“, lacht Herzog. Inzwischen kann man die Baufortschritte von der Autobahn aus verfolgen.

Dieser Artikel ist zuerst auf unserem Schwesterportal MM Maschinenmarkt erschienen.