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SCT „Die Supply Chain zu optimieren ist keine Hexerei“

Redakteur: Peter Reinhardt

Medizingerätehersteller können ohne weiteres Liquidität im sechsstelligen Bereich aus ihren Lagern freisetzen. Das sagt zumindest Andreas Capellmann, Geschäftsführer des Start-up-Unternehmens SCT. Wir haben nachgefragt, wie er mit seiner Software die Supply Chain optimieren und die Bestände nachhaltig senken will.

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Bild 1 | Andreas Capellmann: „Die meisten Unternehmen, die mit unserer Software arbeiten, konnten 20 bis 30 Prozent der Bestände einsparen.“
Bild 1 | Andreas Capellmann: „Die meisten Unternehmen, die mit unserer Software arbeiten, konnten 20 bis 30 Prozent der Bestände einsparen.“
(Bild: SCT)

Herr Capellmann, wieso ist so viel Geld in den Lagern von Medizingeräteherstellern versteckt?

Im Bereich der Absatz- und Bedarfsprognose haben vor allem mittelständisch organisierte Medizingerätehersteller noch Hausaufgaben zu erledigen. Es wird einfach nicht optimal nach dem realen Bedarf disponiert, sondern oftmals sogar nach Bauchgefühl. Das führt zwangsläufig zu Ungenauigkeiten, die letztlich zu Überbeständen führen. Diese hohen Bestände kosten bares Geld und binden wichtige Liquidität. Die meisten Unternehmen, die mit unserer Software arbeiten, konnten 20 bis 30 Prozent der Bestände einsparen.

Aber bedarf es nicht großer Bestände, um eine hohe Nachfrage zu bedienen?

Nein. Durch die fundierte Disposition können Bestände reduziert und gleichzeitig die Lieferbereitschaft gesteigert werden. Das ist keine Hexerei. Man braucht dazu nur eine solide Datenbasis und die richtigen Werkzeuge.

Warum tun sich Unternehmen dann so schwer damit?

Die Supply Chain ideal zu justieren, ist nicht trivial. Das Problem beginnt schon bei der Komplexität der Stammdaten: Artikel können über bis zu 130 logistische Parameter verfügen. So etwas kann kein Disponent manuell überwachen. Vielmehr bedarf es präziser, softwaregestützter Lösungen, die auf die Disposition spezialisiert sind. Die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit verhindert zudem oft eine bestandstechnisch optimierte Disposition, da bei Anwendung der ISO 13485:2003 zum Teil ein Trend hin zu größeren Chargen existiert, was aber nicht zwingend notwendig ist. Doch der Kern ist, dass hierfür dann auch im ERP-System disponiert wird.

Aber man kann doch mit ERP-Systemen disponieren?

Jein. ERP-Systeme können es rudimentär. Sie haben originär aber andere Aufgaben und sind keine Spezialsysteme für Prognose und Disposition. Das Ergebnis liegt deshalb weit entfernt vom Optimum. Alle ERP-Systeme, die wir kennen, nutzen ausschließlich Verfahren, die eine normalverteilte Nachfrage unterstellen – was in der Praxis fast nie anzutreffen ist. Das führt zu systematisch falschen Bedarfsprognosen und Bestandsfehlern von bis zu 40 Prozent. Neben dem übergeordneten ERP-System braucht man also präzisere Spezialwerkzeuge. Man nennt diese Präzisionswerkzeuge für Disponenten auch Advanced Planning and Scheduling Software oder kurz APS-Software.

Was zeichnet APS-Software aus?

Unsere APS-Software zeichnet sich durch weitreichende, im Hintergrund automatisch ablaufende Simulationsrechnungen aus, die die Planungs- und Dispositionseinstellungen und -entscheidungen kontinuierlich optimieren. So profitieren auch technisch und fachlich weniger versierte Anwender von der hohen Prognosegenauigkeit und Dispositionspräzision. Unternehmen können sich über nachhaltig reduzierte Bestände bei Sicherstellung der erforderlichen Lieferbereitschaft freuen.

Muss der Disponent denn gar nichts mehr tun?

Doch. Aber Anwender unserer Software Diskover werden gezielt auf den Handlungsbedarf hingewiesen und profitieren von der Visualisierung der Bedarfsprognosen und Dispositionsvorschläge: Die Auswirkungen von Verfahrens- oder Stammdatenänderungen werden interaktiv simuliert und grafisch dargestellt, was die Entscheidungsfindung transparenter macht. Zudem können viele Planungs- und Dispositionsprozesse automatisiert, rationalisiert und reproduzierbar gemacht werden. Statt permanent dem Tagesgeschäft hinterherzuhecheln, haben Disponenten dann endlich Zeit für die wichtigen Dinge; wie zum Beispiel die intensivere Lieferantenintegration, was weitere Einsparungen verspricht.

Warum ist Diskover besonders für Medizintechnikhersteller interessant?

Wenn Hersteller hohe Lieferfähigkeit nicht mit hohen Beständen erkaufen wollen, sondern diese sogar senken wollen, dann ist die Software das richtige Tool. Im praktischen Einsatz in der Medizintechnik hat sich immer wieder gezeigt, dass wir eine sehr hohe Lieferbereitschaft sicherstellen können, bei zugleich flachen Beständen. Und hier ist es ganz gleich, ob wir medizinische Schläuche, Nadeln, Nahtmaterial oder sonstige variantenstarke medizinische Produktsortimente disponieren.

Sie bieten ein Mietlizenzmodell an. Was ist der Nutzen für die Kunden?

Stellen Sie sich das so vor wie eine Cloud-Appliance, die hochsicher beim Kunden selbst installiert ist. Kunden sparen sich massive Erstinvestitionen für Runtime-Lizenzen und müssen lediglich einen monatlichen Betrag zahlen. Dank Continuous Delivery erreichen zudem alle neuen Entwicklungen die Anwender in kürzester Zeit. Da der direkte Support der Anwender sowie die Wartungsarbeiten und Updates durch unser Servicecenter in Herzogenrath erfolgen, entsteht bei der IT-Abteilung des Kunden kein fachlicher Betreuungsaufwand.

Aber wenn die Software kontinuierlich Geld kostet, sind dann nicht irgendwann die Einsparungen aufgebraucht?

Im Gegenteil. Schließlich ist Bestandsreduzierung kein einmaliger, sondern ein laufender Effekt. Ein Rechenbeispiel: Wenn Sie Ihren Lagerbestand um eine Million Euro reduzieren, sparen Sie jährlich zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Diese Lagerhaltungskosten setzen sich zusammen aus Zinsen für das gebundene Kapital, Kosten zur Bereitstellung und zum Betrieb der Lagerflächen, Schwund oder Beschädigungen von Material, Versicherungen usw. Ohne Optimierungssoftware fielen diese jährlichen Kosten ganz schnell wieder an. Andere Effekte wie geringerer Planungsaufwand, bessere Lieferbereitschaft und Auskunftsfähigkeit sind da noch gar nicht berücksichtigt.

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