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Deutsche Medizintechnikbranche durchbricht 2018 erstmals 30-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Trotz des erwarteten Umsatzwachstums: „Die weltweit um sich greifenden protektionistischen Maßnahmen sind Gift für unsere Unternehmen“, warnt Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer
Trotz des erwarteten Umsatzwachstums: „Die weltweit um sich greifenden protektionistischen Maßnahmen sind Gift für unsere Unternehmen“, warnt Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer (Bild: Spectaris)

Deutsche Medizintechnikhersteller blicken zuversichtlich auf das laufende und zurückhaltender auf das bevorstehende Jahr, so die Einschätzung von Spectaris. Für 2018 rechnet der Branchenverband mit vier bis fünf Prozent Umsatzplus.

  • Branchenverband Spectaris rechnet mit Umsatzwachstum und steigenden Mitarbeiterzahlen
  • Neue Medizinprodukteverordnung dämpft größere Wachstumshoffnungen
  • Rund 1.300 Betriebe mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten könnten 2019 einen Umsatz von mehr als 32 Mrd. Euro erwirtschaften

Dies bedeutet: Nachdem das Ziel 2017 knapp verpasst wurde, wird 2018 wohl erstmalig die 30-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Denn laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes erzielten die Unternehmen zwischen Januar und Juni 2018 ein Umsatzplus von insgesamt 3,8 Prozent. „Die Geschäftsentwicklung entspricht damit weitgehend unseren Erwartungen, wir rechnen mit einem Gesamtumsatz von rund 31 Mrd. Euro“, betont Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Vor allem das Auslandsgeschäft bringt positive Impulse. Auch für die Beschäftigtenzahl weisen die Prognosen einen Zuwachs aus. Es wird erwartet, dass die Mitarbeiterzahl in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten um vier Prozent auf 143.000 ansteigen wird.

Gute Nachrichten für die Medtech-Branche: Sowohl der Umsatz als auch die Zahl der Beschäftigten ist seit 2014 moderat, aber konstant gestiegen.
Gute Nachrichten für die Medtech-Branche: Sowohl der Umsatz als auch die Zahl der Beschäftigten ist seit 2014 moderat, aber konstant gestiegen. (Bild: Spectaris)

Schwellenländer geben den Ausschlag

Für 2019 wird mit einem weiteren Umsatzplus von etwa vier Prozent gerechnet. Die rund 1.300 Betriebe mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten würden dann einen Umsatz von mehr als 32 Mrd. Euro erwirtschaften. Inklusive Kleinstbetriebe zählen etwa 12.300 Unternehmen mit rund 200.000 Mitarbeitern zur deutschen Medizintechnikindustrie. Das erwartete Beschäftigungsplus beläuft sich für 2019 auf rund drei Prozent. „Das Wachstumspotenzial ist nach wie vor hoch. Europa und den USA bilden weiterhin eine gute Basis für Medizintechnik-Geschäfte der Unternehmen, aber die Schwellenländer geben den Ausschlag“, erklärt Mayer.

Digitalisierung als größter Erfolgsfakor

Mayer weiter: „Der größte Erfolgsfaktor für die Branche ist und bleibt die Digitalisierung. Unsere Unternehmen müssen es schaffen, die Geburtswehen des digitalen Geschäfts zu meistern und als neu positionierte Unternehmen aus der Transformation hervorzugehen.“ Die erfolgskritischen Themen reichen vom vernetzten Krankenhaus und OP-Saal, Big Data, Telemedizin und dem 3D-Druck über Computer-assistierte Interventionen und Robotik bis hin zu Feedback-gekoppelten oder diagnostischen Implantaten.

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Was verdienen Arbeitnehmer in den unterschiedlichen Branchen konkret? In welchem Bundesland sind die Unternehmen besonders spendabel? Wie viele Wochenarbeitsstunden werden geleistet und wie zufrieden sind die Mitarbeiter? Wir haben nachgefragt. weiter...

Wie wichtig die Digitalisierung für die Branche noch werden wird, verdeutlicht auch eine neue, von Spectaris und der Messe Düsseldorf in Auftrag gegebene Roland-Berger-Studie, die am kommenden Donnerstag auf der Eröffnungspressekonferenz der Medica vorgestellt wird. Auf der Weltleitmesse für Medizintechnik treffen die Besucher ab dem 12. November wieder auf viele innovative Anbieter digitaler Lösungen.

Protektionismus ist Gift für Medizintechnikunternehmen

Doch der Verband der Hightech-Industrie sieht auch Gefahren für die Branche, die das Wachstum hemmen könnten. „Die weltweit um sich greifenden protektionistischen Maßnahmen sind Gift für unsere Unternehmen“, erklärt Mayer. „Die zunehmende Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China betrachten wir daher mit Sorge.“ Und auch die neue Medizinprodukteverordnung aus Brüssel (MDR) gefährdet Innovationen, weiteres Wachstum und Produktverfügbarkeit. Viele Fragen zur praktischen Umsetzung der Verordnung sind noch offen, die Probleme der Unternehmen im Angesicht von MDR-bedingter Zeitnot und Engpässen beim Marktzugang nicht gelöst.

Die Marktforscher von Evaluate Med-Tech prognostizieren für die kommenden Jahre ein deutliches Wachstum des Weltmarktes für Medizintechnik. Die Marktgröße soll, ausgehend von 405 Mrd. US-Dollar im Jahr 2017, 2024 einen Wert von etwa 595 Mrd. US-Dollar erreichen. Es ist zu hoffen, dass die deutsche Medizintechnik, die bislang hoch innovativ, gut positioniert und international wettbewerbsfähig ist, von dieser Entwicklung profitieren wird.

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