Suchen

Aesculap, Dräger, Hartmann und Ottobock Coronavirus: Innenansichten großer Medizintechnikhersteller

| Autor / Redakteur: Peter Reinhardt / Julia Engelke

Steigende Nachfrage, eingeschränkte Reisetätigkeiten und Schutz der Mitarbeiter: Der Coronavirus hält Hersteller von Medizintechnik auf Trab. Vier Große aus der Branche gewähren Innenansichten

Firmen zum Thema

Wie reagieren auf die Bedrohung durch den Coronavirus? Ein Blick auf die Maßnahmen der Großen der Medizintechnikbranche mag helfen.
Wie reagieren auf die Bedrohung durch den Coronavirus? Ein Blick auf die Maßnahmen der Großen der Medizintechnikbranche mag helfen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )
  • Einblicke in die aktuelle Lage bei Aesculap, Dräger, Hartmann und Ottobock
  • Spahn verspricht pragmatische Lösungen für die Medizintechnikbranche
  • Lieferengpässe sind nicht immer zu verhindern

Wie kein anderes Thema beherrscht der Coronavirus dieser Tage die Schlagzeilen aller Medien. Aber was sind die Auswirkungen auf die Medizintechnik?

Der Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med) hat die von der Bundesregierung angekündigte neue und überarbeitete Anordnung zu medizinischen Schutzprodukten vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie als dringend notwendig begrüßt. „Nach dem strikten Exportverbot der vergangenen Woche kommen wir damit zu einer deutlicheren Flexibilisierung bei den Ausnahmemöglichkeiten, die erforderlich sind, um die komplexen Produktionsnetzwerke und Lieferketten aufrecht zu erhalten“, kommentiert BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Im gestrigen Gespräch zur Medizinprodukte-Versorgung mit Minister Jens Spahn sei der Medizintechnikbranche größtmöglicher Pragmatismus bei allen regulatorischen Fragen zugesagt worden , um Produktionsprozesse von unentbehrlichen Medizinprodukten zu sichern.

Derweil hat Devicemed bei vier Großen der Branche die aktuelle Lage in Sachen Coronavirus abgefragt.

Aesculap verzichtet auf Dienstreisen zwischen den Standorten

Nachdem sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 weltweit ausbreitet, hat Aesculap im Unternehmen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Gäste getroffen. Alle Besucher werden vor Ort gefragt, ob sie in den jüngsten 14 Tagen in einem der bisher gelisteten Coronavirus-Risikogebiete waren und ob aktuell grippeähnliche Symptome wie Fieber, Husten etc. vorliegen. Sollte zumindest eine der beiden Fragen bejaht werden, wird der Gast gebeten, seinen Besuch zu verschieben. Dies gilt auch für Besucher des Aesculapiums. Kursteilnehmer der Aesculap Akademie werden bereits im Vorfeld über grundsätzliche Hygiene-Standards informiert und erhalten den Fragebogen ebenfalls zum Ausfüllen vorab per E-Mail zugeschickt.

Dienstreisen zwischen den Standorten des Konzerns B. Braun untereinander oder zu Dritten sind aktuell nur erlaubt, wenn diese notwendig sind zum Erhalt der Produktion, oder der Versorgung von Kunden und Patienten oder aus rechtlich-regulatorischen oder Corporate-Governance Gründen durchgeführt werden müssen. Vor Ort am Standort Tuttlingen plant und führt ein Krisenstab diverse Maßnahmen zur Infektionsvorsoge durch. Dem Stab gehören Vertreter aus Betriebssicherheit, Reisemanagement, Gesundheitsmanagement, Personalabteilung, Qualitätsmanagement und Kommunikation an. Zudem wurden zusätzliche Spender zur Händedesinfektion aufgestellt, Treppengeländer, Türklinken und andere von Mitarbeitern angefasste Flächen werden regelmäßig gereinigt. „Die Versorgung der Kunden und Märkte ist momentan sichergestellt“, erklärt Aesculap.

Auf virtuellen Wegen gegen die Corona-Krise

Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus werden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Digitalen Plattformen, die diese Entwicklung kompensieren können, kann die Zukunft gehören. Die Vogel Communications Group präsentiert mit „Industrial Generation Network“ eine Lösung für Professionals in der Industrie. Die Plattform ermöglicht als digitale Ergänzung eine umfassende Vernetzung: Digitale Begegnung und Kontaktanbahnung sowie Produktpräsentation und thematischer Austausch stehen im Zentrum. Tools wie Terminvereinbarung und Videokonferenzen ermöglichen es Professionals, sich zu vernetzen, Termine zu vereinbaren und nah an der jeweiligen Branche zu recherchieren. Damit ersetzt die Plattform die aktuell stark eingeschränkte Face-to-Face-Kommunikation vor allem auf Messen.

Wie kann die Plattform mir helfen?

Dräger auf steigende Nachfrage nach Beatmungsgeräten vorbereitet

Auch bei den Drägerwerken läuft der Geschäftsbetrieb weitestgehend normal weiter. „Meetings, die für unsere Geschäftstätigkeit aktuell wichtig sind, finden grundsätzlich statt. Die Verantwortung und Entscheidung über Notwendigkeit und Absage bewerten wir im Einzelfall“, erklärt Pressesprecherin Melanie Kamann. Die Situation werde jedoch täglich neu bewertet, sodass ein grundsätzliches Verbot für internationale Meetings in Zukunft nicht ausgeschlossen sei. Ansonsten prüft der Lübecker Medizintechnikhersteller jede Geschäftsreise besonders sorgfältig auf deren Notwendigkeit. Reisen in Länder, die das deutsche Robert-Koch-Institut als Risikoländer einstuft, sind untersagt.

Die in den nächsten Wochen bevorstehenden Messen, auf denen Dräger als Aussteller beteiligt gewesen wäre, sind von den Veranstaltern bereits verschoben. Als Besucher an Messen teilzunehmen, wird den Mitarbeitern derzeit abgeraten.

„Wir sehen eine weltweit erhöhte Nachfrage nach Beatmungsgeräten sowie einen vermehrten Bedarf an Zubehörprodukten für die Beatmung insbesondere aus China. Dabei handelt es sich um z. B. Atemschläuche, Filter, Beatmungsmasken und weitere Zubehöre für die Sauerstofftherapie“, kommt Kaman auf die Lage am Markt zu sprechen. Ein Schwerpunkt liege dabei auf der Verwendung von Einwegprodukten. Die wöchentliche Produktion bestimmter Beatmungsgeräte wurde zuletzt deutlich gesteigert.

„Wir sind bei Dräger entsprechend vorbereitet und haben alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, die kontinuierliche Versorgung mit diesen Produkten auch auf dem aktuell erhöhten Bedarf soweit wie möglich sicherzustellen. Allerdings limitieren Betriebsmittel, wie beispielsweise Testräume für Beatmungsgeräte, die Produktionsausweitung. Diese können kurzfristig nicht erweitert werden“, erläutert Kamann abschließend die aktuelle Lage in der Produktion.

Hartmann erhöht Produktion von Desinfektionsmitteln

Ruhe zu bewahren und die vorliegenden wissenschaftlichen Fakten zu betrachten, mahnt indes die Hartmann Gruppe Hersteller von Medizin- und Pflegeprodukten. Dabei stehe außer Frage, dass die Gesundheit aller Mitarbeiter höchste Priorität habe. Die aktuellen Empfehlungen offizieller Stellen werden daher sehr aufmerksam verfolgt und regelmäßig innerhalb der Organisation geteilt. Zudem stehen Unternehmensvertreter in ständigem Kontakt mit verschiedenen Interessengruppen und informieren die Öffentlichkeit aktiv über die wirksamsten Präventivmaßnahmen zum Schutz von sich selbst und anderen über diverse Kommunikationskanäle.

Im Hinblick auf die Produktion bleibt Hartmann seinem Grundsatz treu, sich nicht zu Mengen und zur genauen Nachfrage der Kunden bei einzelnen Produkten zu äußern. Nur so viel: Allgemein sei die Nachfrage nach Masken oder Desinfektionsprodukten in den vergangenen Wochen gestiegen. „Wir haben deshalb die Produktion von Desinfektionsmitteln kurzfristig hochgefahren und befolgen natürlich den Exportstopp für Atemschutzmasken“, heißt es aus Heidenheim.

Lieferverzögerungen in der Rollstuhlsparte von Ottobock

Das Wohl der Mitarbeiter weltweit steht auch bei Ottobock an erster Stelle. „Wir haben deshalb schon früh Vorsorge getroffen und Reisen in Risikogebiete untersagt. Mittlerweile genehmigen wir Dienstreisen per Bahn oder Flugzeug nur in Ausnahmefällen“, so Unternehmenssprecherin Merle Florstedt. Darüber hinaus wurden die Reinigungs- und Hygienemaßnahmen an den Standorten intensiviert. Gäste werden gebeten, eine Erklärung über ihren Gesundheitszustand abzugeben sowie zu bestätigen, dass sie in den vorangegangenen zwei Wochen nicht in einem Risikogebiet waren. Alle Maßnahmen werden entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts laufend angepasst. In der Rollstuhlsparte komme es mittlerweile bei einzelnen Produkten in verschiedenen Produktsegmenten zu Lieferverzögerungen aufgrund des Coronavirus.

Lesen Sie auch

Weitere Meldungen aus der Medizintechnik-Branche und über Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46408315)