France

Hilfsmittelversorgung Bürokratieabbau in der Hilfsmittelversorgung konsequent angehen

Quelle: Pressemitteilung BV-Med/Eurocom 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die beiden Medtech- und Hilfsmittel-Verbände BV-Med und Eurocom erwarten von Bundesregierung und Bundestag, dass Entbürokratisierung und Digitalisierung in der Hilfsmittelversorgung in den nächsten Monaten konsequent angegangen werden. Der zweite Runde Tisch der beiden Verbände am 15. Oktober 2026 thematisierte dazu u. a. die Digitalisierung des Versorgungsprozesses und den Umgang mit Folgeverordnungen bei chronisch kranken oder dauerversorgten Menschen.

Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier (l.) und BV-Med-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl(Bild:  BV-Med)
Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier (l.) und BV-Med-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl
(Bild: BV-Med)

„Die anstehende GKV-Strukturreform sowie das angekündigte Hilfsmittelmodernisierungs- und Bürokratieabbaugesetz bieten die große Chance, die Hilfsmittelversorgung in Deutschland zu stärken und Abläufe zu verbessern“, so Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier und BV-Med-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl. In ihrem Grußwort zum Runden Tisch von BV-Med und Eurocom betonte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages und SPD-Abgeordnete Dr. Tanja Machalet die Bedeutung der Versorgung mit Hilfsmitteln sei ein „wichtiger Teil unserer gesundheitlichen Versorgung“. Denn fast alle Menschen in Deutschland würden im Lauf ihres Lebens medizinische Hilfsmittel benötigen. „Sie erleichtern den Alltag, sie beugen Krankheiten vor, und sie helfen dabei, dass es nicht schlimmer wird.“ Nach der schwierigen Entscheidung zur Wiedereinführung von Ausschreibungen würden die Auswirkungen engmaschig beobachtet und evaluiert werden. „Wenn es nötig werden sollte, können wir auch zeitnah gesetzlich nachsteuern“, so Machalet. Jetzt müsse aber nach vorne geschaut werden. Die Finanzkommission Gesundheit arbeite am Bericht zu Strukturreformen. Außerdem werde die Hilfsmittelreform aktuell erarbeitet. Wichtig sei es nun, den Stellenwert von Hilfsmitteln entlang der gesamten Gesundheitsversorgung aufzuzeigen und Einsparungsmöglichkeiten durch weniger Bürokratie oder durch einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz zu betonen. Dr. Tanja Machalet: „Konkrete, praxisnahe Vorschläge haben in der politischen Debatte besonderes Gewicht.“

Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich

Der Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med) hat den Beschluss des Bundestages zur Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich als einen „schwarzen Tag für die Hilfsmittel-Versorgung in Deutschland“ bezeichnet. Jetzt müsse der Bundesrat intervenieren, um die Wiedereinführung zu verhindern. „Union und SPD haben 2019 Hilfsmittel-Ausschreibungen abgeschafft, da sie zu massiven Einschränkungen in der Versorgungsqualität der betroffenen Patientinnen und Patienten geführt hatten. Jetzt wird dieser Fehler aus kurzsichtigen Sparerwägungen und gegen den Rat aller Experten wiederholt“, kritisiert BV-Med-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl. Mit der Wiedereinführung von Ausschreibungen befürchtet der BV-Med eine Rückkehr zu den bekannten Problemen – mit erneut massiven Beeinträchtigungen für Patientinnen und Patienten und Versorgungsstrukturen. Zudem sei damit zu rechnen, dass preisgetriebene Einsparungen durch Fehl- und Unterversorgung sowie daraus resultierende Folgekosten an anderer Stelle wieder aufgezehrt werden, erklärt Pohl. 

An dem zweiten Runden Tisch zur Hilfsmittelversorgung nahmen auf Einladung von BV-Med und Eurocom Akteure rund um die Hilfsmittelversorgung aus Politik, Ärzteschaft, Leistungserbringern und Herstellern teil. Die Teilnehmenden vereinbarten Arbeitsgruppen, die sich speziell mit Lösungsvorschlägen und Möglichkeiten im Rahmen der Entbürokratisierung beschäftigen sollen. Dabei geht es u. a. um die Umstellung auf digitale Prozesse sowie grundsätzliche Möglichkeiten, die Effizienz zu steigern, unnötige ärztliche Kontakte zu reduzieren, Administration einzudämmen und Vertrauen zu schaffen. „Wenn wir unser Gesundheitswesen effektiver gestalten wollen, müssen wir uns gemeinsam auf Gesundheitsziele verständigen und deren Erreichung konsequent verfolgen. Dem widerspricht das aktuelle GKV-Spargesetz, mit dem jeder Bereich pauschal zu Kosteneinsparungen verpflichtet wird“, so Hagemeier und Pohl.

Digitalisierung und Vereinfachungen im Fokus

Dringend notwendig sei eine konsequente Digitalisierung der administrativen Vorgänge – von der Verordnung bis zur Versorgung. Um die Bürokratie in der Arztpraxis abzubauen, plädierten BV-Med und Eurocom etwa für eine Vereinfachung von Dauer- bzw. Folgeverordnungen bei chronisch Kranken und Menschen mit Behinderung. Mit klaren Voraussetzungen könnte Aufwand reduziert werden und Folgeverordnungen wären ohne zusätzlichen Arzttermin möglich. 

Die Initiatoren des Runden Tisches empfahlen zudem, die Kompetenz der Patientinnen und Patienten zu stärken. Wie die jüngste Allensbach-Umfrage der Eurocom gezeigt habe, steige die Therapietreue und verbessere sich das Therapieergebnis, je besser die Patientinnen und Patienten über ihre Wirkweise informiert seien. „Wichtig hierbei ist, dass ausreichend Produkte wie auch Leistungserbringer zur Auswahl stehen. Ausschreibungen sind kontraproduktiv“, so Hagemeier und Pohl. Das Trennungsprinzip von Verordnung und Hilfsmittel-Leistungserbringer und die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten zwischen den verschiedenen Produkten müssten stets gewahrt bleiben.

Oda Hagemeier und Juliane Pohl abschließend: „Der Runde Tisch zur Hilfsmittelversorgung ist in politisch schwierigen Zeiten ein geeignetes Austausch- und Beratungsformat, um im Gespräch zu bleiben und gemeinsam Lösungen für langfristige Regelungen zu entwickeln.“ Eine Fortsetzung des Formats ist im ersten Quartal 2027 geplant. 

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung