VDW / Metav 2018

„Boomende Konjunktur enthält auch einen Wermutstropfen“

| Autor: Peter Reinhardt

Rund ein Dutzend Unternehmen und Organisationen haben auf der Medical Area ihre Kompetenzen bei der Herstellung medizintechnischer Produkte präsentiert.
Rund ein Dutzend Unternehmen und Organisationen haben auf der Medical Area ihre Kompetenzen bei der Herstellung medizintechnischer Produkte präsentiert. (Bild: Reinhardt / Devicemed)

Metav, Messe, Metallbearbeitung, das heißt seit vielen Jahren auch Zerspanung in der Medizintechnik. Auf der Medical Area haben erneut Partner aus der gesamten Wertschöpfungskette aktuelle Trends und Technologien vorgestellt.

  • Metav 2018 bestätigt anhaltendes Konjunkturhoch in der Metallbearbeitung
  • Neues Ausstellungskonzept etabliert, Impulse für Investitionen
  • Auf der Messe: Auftrag über 1 Mio. Euro

Nach fünf ereignisreichen Messetagen ging die Metav 2018 als 20. internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung am Samstag zu Ende. Gezielte Gespräche mit kompetenten Kunden auf hohem Niveau, teils unerwartete Maschinenverkäufe und die Erschließung neuer Kundengruppen – diese Aspekte spiegeln sich laut Veranstalter VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in zahlreichen Berichten wider. Herausragend ist hier sicher der Bericht von Andreas Lindner, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung des spanischen Herstellers Bimatec Soraluce in Limburg: „Wir haben auf der Metav einen Riesenabschluss über eine Million Euro gemacht, mit einem Kunden, den wir vorher gar nicht auf dem Plan hatten und für den es auch kein Angebot gab.“ Genau das mache die Qualität der Metav aus.

Freud und Leid der Hochkonjunktur

Damit zeigte sich die aktuell branchenübergreifend hervorragende Konjunktur wie erwartet auch auf der Metav 2018. Rund ein Drittel der Besucher geben in der Besucherbefragung an, dass sie Investitionen planen, vor allem in Werkzeugmaschinen, Messtechnik, Fertigungs- und Prozessautomatisierung sowie Präzisionswerkzeuge. „Das zeigt uns, dass wir mit der Fokussierung der Metav auf den Kernbereich der Metallbearbeitung und die ergänzenden Themen in vier Areas (Anm. d. Red.: Medical, Additive Manufacturing, Quality und Moulding) goldrichtig liegen“, kommentiert VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer die aktuelle Lage. Bemerkenswert: Rund ein Viertel der Besucher wolle mit Investitionen in neue Maschinen seine Kapazitäten erweitern. Sie konnten das Angebot von 560 Ausstellern (2016: 638) in Augenschein nehmen.

„Die boomende Konjunktur enthält für uns allerdings auch einen Wermutstropfen. Die Unternehmen sind stark ausgelastet. Deshalb war absehbar, dass viele Firmen ihre Mitarbeiter kaum entbehren können. In Folge kamen 26.500 statt der von uns erwarteten rund 30.000 Fachbesucher“, erklärt Schäfer. Zum Vergleich: 2016 zählte die Metav noch knapp 36.000 Besucher. Derweil kamen die deutschen Besucher erwartungsgemäß zu drei Vierteln aus West- und Norddeutschland. Rund ein Fünftel machte sich dagegen aus dem Süden und Südwesten der Republik auf den Weg nach Düsseldorf. Darunter sicher auch einige Akteure der dort stark angesiedelten Medizintechnik. Insgesamt haben aus dieser Branche rund 350 Vertreter die Metav 2018 besucht.

Gemeinschaftsstand Medizintechnik als Anziehungspunkt

Besonderer Anziehungspunkt – nicht nur für Besucher aus der Medizintechnik-Industrie – war einmal mehr der Gemeinschaftsstand Medizintechnik, der auf der Metav 2018 rund ein Dutzend Aussteller zählte. Darunter gab es für die Besucher auch wieder geballte Forschungs-Expertise auf der Medical Area zu entdecken:

  • Oberflächen in der Medizintechnik als Grenzfläche zur Biologie,
  • superharte ta-C-Schichten durch Laserpulsabscheidung und
  • faserbasierte generative Fertigungsverfahren für maßgeschneiderte Implantate

sind hier an erster Stelle zu nennen. Präsentiert wurden die Zukunftsthemen der Medizintechnik von Vertretern des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen (NMI), dem Laserinstitut Hochschule Mittweida (LHM) und dem Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM) an der Technischen Universität Dresden. Sie wurden ergänzt von Ausrüstern und Zulieferern aus der gesamten Wertschöpfungskette.

Niklas Kuczaty von der VDMA-Arbeitsgemeinschaft und zugleich gemeinsam mit Diethelm Carius Organisator der Medical Area zieht ebenfalls eine positive Bilanz: „Die Medical Area hat sich auf der Metav in Düsseldorf fest etabliert. Von der Automatisierung über Werkzeugmaschinen und Werkzeuge bis hin zu Software und Dienstleistung beziehungsweise Forschung wurde von den Ausstellern im Vergleich zur Vorveranstaltung eine deutlich größere Bandbreite an Lösungen präsentiert. Besonders die Automatisierung stand im Fokus der Besucher.“ Hier habe die Medizintechnik großen Bedarf, der auf der Messe deutlich zu spüren gewesen sei. Auch das begleitende Medical Forum, verteilt über zwei Tage, sei von den Besuchern sehr gut angenommen worden.

Die wichtigsten Trends und Statements aus dem begleitenden Medical Forum finden Sie in der Bildergalerie.

Nico Thiemann, Vertriebsleiter bei Maier Werkzeugmaschinen: „Wir sind mit unserer Premiere als Aussteller auf der Medical Area sehr zufrieden. Unser Stand war über die gesamte Laufzeit gut frequentiert. Insbesondere die zahlreichen neue Kontakte zu Kunden direkt aus der Medizintechnik waren für uns überaus spannend."

Area-Konzept der Metav kommt gut an

Das Area-Konzept, das vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben wurde, und auf die Themen Qualität, generative Fertigung, Werkzeug- und Formenbau sowie Medizintechnik fokussiert, hat sich bereits voll bei Ausstellern und Besuchern etabliert, erklärt der Veranstalter per Pressemitteilung und zitiert dazu exemplarisch Axel Fehling, Gebietsverkaufsleiter bei Hasco Hasenclever in Lüdenscheid: „Wir waren 2016 zum ersten Mal auf der Metav, weil uns das neue Konzept der Areas überzeugt hat. Wir finden in der Moulding Area die gesamte Prozesskette für Hasco wieder, von der Maschine über den Normalienbedarf bis hin zur Software.“

Fazit: Die Areas stellen Themen und Produkte gleichermaßen heraus. In den angeschlossenen Foren werden ergänzende Informationen angeboten. Die Fachbesucher kennen dieses Angebot mittlerweile. Ihr Interesse richtet sich demnach stark auf Werkzeugmaschinen und Präzisionswerkzeuge – dabei neben Medizintechnik auch speziell auf Maschinen für den Werkzeug-, Formen- und Modellbau, Prüf- und Messtechnik sowie Qualitätsmanagementsysteme und mit erheblichem Zuwachs auch auf Additive Manufacturing. Über 90 Prozent der Besucher sind laut Veranstalter mit der Angebotspalette zufrieden.

Das sagen die Aussteller und Besucher

  • Markus Piber, Managing Director, Deckel Maho Pfronten GmbH, Pfronten: „Die Qualität der Kunden ist sehr hoch, weil es sich sehr oft um die Eigentümer handelt, die selbst noch an der Maschine stehen. Somit ist natürlich auch das Know-how sehr hoch. Es sind sehr interessante Gespräche, zumal die Kunden meistens an einer partnerschaftlichen Beziehung interessiert sind – was für uns ein ganz wichtiges Instrument für die Zukunft ist.“
  • Dennis Lautenschläger, Riegler GmbH, Mühltal Nieder Ramstadt: „Wir sind aus dem Werkzeugbau, Fachrichtung Medizintechnik und schauen, was es Neues am Markt gibt, welche Innovationen wir zum Beispiel an Frästechnik und Montagewerkzeug finden.“
  • Axel Fehling, Gebietsverkaufsleiter Deutschland West, Hasco Hasenclever GmbH + Co.KG, Lüdenscheid: „Wir waren 2016 zum ersten Mal auf der Metav, weil uns das neue Konzept der Areas überzeugt hat. Wir finden in der Moulding Area die gesamte Prozesskette für Hasco wieder, von der Maschine über den Normalienbedarf bis hin zur Software. Für uns ist außerdem wichtig, dass unsere Kunden uns live erleben und wir ihnen hier quasi unser Wohnzimmer zeigen können. Von daher ist die Metav für uns eine strategisch wichtige Messe.“
  • Lars Markus, Leiter Anwendungstechnik und Service, Additive Manufacturing, Renishaw GmbH, Pliezhausen: „Das Hauptaugenmerk liegt für uns natürlich auf der Firmenpräsenz. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass viele Schüler und Ausbildungsgruppen die Metav besuchen. Wir spüren den Fachkräftemangel schon deutlich, und hier können wir die jungen Menschen live für die neuen Technologien begeistern. Es ist sonst schwierig, an den Nachwuchs heranzukommen, zumal es keinen klassischen Ausbildungsberuf für Additive Manufacturing gibt. Das ist zwar Thema an den Universitäten, aber man braucht ja nicht nur Hochschulabsolventen. Wir haben ein Fahrrad zur Demonstration gewählt, damit die Bedeutung des industriellen 3D-Druck für den Alltag der Menschen deutlich wird.“
  • Dr. Marcus Stuhlert, Vice President Sales Germany, Mahr GmbH, Göttingen: „Wir spüren immer mehr die Verschmelzung von Fertigung und Messtechnik. Deshalb bieten wir auch Inline-Messungen an, bei denen mithilfe von Robotern die Automatisierung in die Fertigung eingebracht wird. Es kommen viele Betriebsleiter zur Metav, die genau nach einer solchen Lösung fragen. Daher ist diese Messe immer einer der ersten Gradmesser des Jahres. Hier bereitet man sich auf die Trends des Jahres vor. Wir treffen auf der Metav weniger QS-Leiter als vielmehr Betriebsleiter, und die kommen auch außerhalb des klassischen Automotive-Bereichs.“
  • Frank Neuschulz, Geschäftsführender Gesellschafter, Mayer Feintechnik GmbH, Göttingen: „Den bekannten Tunnelblick habe ich heute nur fotografiert und nicht bekommen. Auch wenn die Summen schwindelerregend waren. Ich habe auf der Messe etwas mehr Geld ausgegeben als ich ursprünglich wollte. Ich habe 0,6 Mio Euro in die deutsche Wirtschaft investiert und somit meinen ganz persönlichen Beitrag geleistet. Nun geht es wieder nach Hause.“

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