Messen und Veranstaltungen

2019 – ein ungemein spannendes Medtech-Messejahr mit vielen Themen

| Autor: Kathrin Schäfer

Auf Fachmessen wie der Compamed können Medizintechnikhersteller neue Produkte live in Augenschein nehmen.
Auf Fachmessen wie der Compamed können Medizintechnikhersteller neue Produkte live in Augenschein nehmen. (Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann / CC0)

Mit den Trendthemen Digitalisierung und 3D-Druck dürfte 2019 inhaltlich ein spannendes Veranstaltungsjahr für die Medizintechnik werden. Gleichzeitig mischen neue Veranstaltungsformate die Medtech-Szene auf. Und: Noch immer machen sich zwei Messen in Süddeutschland gegenseitig Konkurrenz.

  • Digitalisierung, 3D-Druck, Industrie 4.0 und intelligente Fertigung
  • Branchen- und Fachmessen für die Medizintechnikbranche

2019 ist das Jahr, in dem zwei neue Zuliefermessen in Deutschlands Süden stattfinden: die Medtec Live in Nürnberg sowie die T4M – Technology for Medical Devices in Stuttgart. Zum Hintergrund: Zusammengeführt wurden die Wettbewerbsveranstaltungen MT Connect in Nürnberg sowie die Medtec Europe in Stuttgart. An der bisherigen Situation, nämlich dass zwei Branchenmessen versuchen, sich jenseits der Leitmesse Compamed zu behaupten, hat sich damit – zum Leidwesen von Ausstellern und Besuchern – nichts geändert. An die Ausstellerzahlen einer mehr als zwei Jahrzehnte lang sehr erfolgreichen Medtec Europe reichen beide Messen bislang nicht heran. Das Gros der Aussteller und Besucher wird sich für eine der beiden Veranstaltungen entscheiden. Der Kampf darum, welche von beiden überlebt und künftig als Nummer zwei in Deutschland bestehen bleibt, dürfte also hart werden.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist omnipräsent

Von all dem völlig unbeeindruckt kann sich die Messe Düsseldorf als Veranstalter der Compamed zeigen. Die Zuliefermesse, die im Verbund mit der weltgrößten Medizinmesse Medica stattfindet, profitiert seit vielen Jahren vom Glanz ihrer großen Schwester. Die beiden Hallen 8a und 8b der Compamed platzen mittlerweile aus allen Nähten. Für viele Firmen bleibt deshalb nur der Platz auf der Warteliste. Da das Messeduo zusammen alle Hallen der Messe Düsseldorf belegt, sind dem Wachstum der 800 Aussteller starken Compamed Grenzen gesetzt. Ob der Messe Düsseldorf hier noch etwas einfällt?

Durch den Verbund mit der Medica ist die Compamed international sehr gut aufgestellt. Und an den Exponaten der Aussteller sowie den zahlreichen Live-Veranstaltungen während der Messe lassen sich in der Regel die Trendthemen der Branche ablesen. Das wichtigste lautet zurzeit: Digitalisierung.

Dieses wird jenseits von Düsseldorf vor allem auf der IT-Messe DMEA in Berlin bespielt. Wem der Name fremd ist: Es handelt sich hierbei um die ehemalige „conhIT – Connecting Healthcare IT“. Der Event der Gesundheits-IT-Branche hat mit dem Motto „connecting digital health“ einen neuen Namen erhalten. Auf ihr findet man bekannte Namen wie 3M Health Information Systems, Agfa Healthcare, Brainlab, Roche Diagnostics oder auch Siemens Healthineers. Ziel der Veranstaltung: die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben. Wer sich über die digitale Transformation, Künstliche Intelligenz oder Blockchain informieren möchte, ist hier richtig.

Das zweite große Trendthema heißt 3D-Druck

Ein weiteres Trendthema in der Medizintechnik ist 3D-Druck. Das ist nicht neu, doch was über die letzten Jahre eher als Zukunftstrend gehypt wurde, scheint momentan erst richtig in der (medizintechnischen) Praxis anzukommen. Immer zahlreicher werden jedenfalls die Medtech-Exponate, die man auf Fachmessen sehen kann. Lohnenswert ist deshalb im Frühjahr die Reise nach Erfurt: Erfahrungsgemäß haben auf der Rapid.Tech + FabCon 3.D zahlreiche Aussteller Maschinen, Systeme, Materialien und Verfahren für die Fertigung medizintechnischer Produkte im Gepäck. Und das an einem der Messetage stattfindende Fachforum Medizin-, Zahn- und Orthopädietechnik fokussiert ebenjene Anwendungen.

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Die Formnext in Frankfurt findet leider auch dieses Jahr weitgehend zeitgleich mit der Compamed/Medica statt. Doch die Fachmesse für Additive Manufacturing ist definitiv einen Abstecher nach Frankfurt wert. Sensationelle 632 Firmen haben 2018 ausgestellt und beispielsweise gezeigt, wie additive Fertigung und Industrie 4.0 zu einer smarten und automatisierten Produktion verschmelzen. Eine dritte Messe zu 3D-Druck findet zwar nicht auf deutschem Boden, aber zumindest im deutschsprachigen Raum statt: Die AM Expo im schweizerischen Luzern hält auch dieses Jahr Anwendungsbeispiele, sogenannte Showcases, aus der Medizintechnik bereit.

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Unter der Überschrift „3D-Strick“ ist es vom 3D-Druck nicht weit bis zur Techtextil in Frankfurt. Auf der Fachmesse sind Medizintechnik-Textilien wie antimikrobielle Textilbeschichtungen oder bioresorbierbare Vliesstoffe Thema. Dieses Jahr zeigt eine Digital Textile Micro Factory einen Workflow, um aus kundenspezifischen Fußgeometrien 3D-gestrickte Schuhoberstoffe herzustellen. Auf der letzten Techtextil im Jahr 2017 haben immerhin zirka 400 Aussteller mit ihren Produkten und Dienstleistungen die Medizintechnik angesprochen.

Smarte beziehungsweise intelligente Produktion scheint 2019 das Thema in der Landschaft der Industriemessen zu sein. Auch die EMO als Fachmesse für Metallbearbeitung in Hannover geht dieses Jahr mit dem Motto „Smart technologies driving tomorrow’s production“ an den Start. Interessant wird sein, in welchem Umfang Industrie 4.0 und Co. auf Branchenmessen wie der Genfer EPHJ-EPMT-SMT oder aber der Swiss Medtech Expo in Luzern vertreten sind. In Genf zeigen zirka 300 Aussteller Lösungen für die Medizintechnik. In Luzern sind es immerhin noch zirka 150.

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Eine weniger fertigungstechnische als vielmehr anwendungstechnische Ausrichtung dürfte hingegen der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit haben. Doch auch hier geht es um das derzeit omnipräsente Thema Digitalisierung. Der Hauptstadtkongress findet parallel zur Medtec Live, nämlich vom 21. bis 23. Mai in Berlin statt. Dies ist auch deshalb schade, weil die Medtec Live von dem internationalen Kongress Medtech Summit begleitet wird und man sich demnach nicht nur als Messebesucher zwischen Stuttgart und Nürnberg, sondern auch als Kongressbesucher zwischen Berlin und Nürnberg entscheiden muss.

Eine Mischung aus Kongress, Netzwerkveranstaltung und Ausstellung ist das Innovation Forum Medizintechnik in Tuttlingen. Hier geht es sowohl um die Präsentation innovativer Ideen, Konzepte, Technologien, Prototypen und Produkte als auch um Produktionstechniken in der Medizintechnik.

Unter all diesen eher konservativen Messe- und Veranstaltungsformaten sticht die Xpomet in Berlin als „ein multidisziplinäres Festival der Zukunftsmedizin“ heraus, das vornehmlich die neue Generation des Gesundheitswesens adressieren möchte. Sie wurde erst 2018 in Leipzig ins Leben gerufen. Mit dem Umzug in die Hauptstadt geht eine Kooperation mit dem Bundesverband Medizintechnologie einher. Man darf gespannt sein, wie sich dieser „Paradiesvogel“ unter den Medizintechnikveranstaltungen entwickelt, auf dem beispielsweise Think Tanks, Hackatons und Kunstperformances klassische Ausstellungs- und Vortragsformate aufpeppen.

Ob also traditionelle Messe oder innovatives Eventformat: Wer wissen will, welche Trends die Medizintechnikbranche bewegen, wie sie die Fertigung revolutionieren oder sich in Medizinprodukte übersetzen lassen, dem sei der Besuch einer oder mehrerer der genannten Veranstaltungen ans Herz gelegt. Anregungen, Inspiration und Geschäftspartner für die eigenen Projekte finden sich dort auf jeden Fall.

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