Gewatec

Smarte Medizintechnik-Fabrik

| Autor / Redakteur: Autor | Eduard Rüsing / Kathrin Schäfer

Am Provis-BDE/MDE-Leitrechner lässt sich online der Zustand aller Maschinen in Echtzeit anzeigen: entweder die Gesamtübersicht mit farbigen Rechtecken und den wichtigsten Kennzahlen zum Auftrag oder im Inspektor-Fenster mit allen detaillierten Werten zu Auftrag und Maschine.
Am Provis-BDE/MDE-Leitrechner lässt sich online der Zustand aller Maschinen in Echtzeit anzeigen: entweder die Gesamtübersicht mit farbigen Rechtecken und den wichtigsten Kennzahlen zum Auftrag oder im Inspektor-Fenster mit allen detaillierten Werten zu Auftrag und Maschine. (Bild: Ruetschi)

Viel ist derzeit die Rede von Industrie 4.0 und intelligenter Fabrik. Selten hat man den Eindruck, dass diese Technologien bereits in der Medizintechnik angekommen sind. Bereits auf dem Weg dorthin befindet sich das mittelständische Schweizer Unternehmen Ruetschi, das eine integrierte IT-Landschaft eingeführt hat.

Industrie 4.0 ist mehr als IoT-Lösungen (Internet of Things). Die Vision hinter Industrie 4.0, ist die Schaffung der „smarten“ Fabrik oder, anders gesagt, möglichst weitgehend automatisiert und eigenständig funktionierender Fertigungsprozesse. Voraussetzung für solch „intelligente“ Fabriken ist die kompromisslose Verschmelzung aller IT-Module von der Datenerfassung von Prozess- und Qualitätsdaten an den Maschinen bis zur Online-Anbindung der Kunden. Durch ein hohes Maß an Integration von MES-Software-Modulen, MDE/BDE/PZE, CAQ und PPS und die Verschmelzung von Prozess- und Qualitätsdaten wird Industrie 4.0 auch für mittelständische Präzisionsteilehersteller realisierbar.

Experten rechnen mit einer Umsetzung von Industrie 4.0 bis zum Jahre 2025. Tatsache ist, dass bereits heute viele Merkmale oder Ansätze dazu realisiert werden. Zum Beispiel ist bereits heute beim ERP/MES-Anbieter Gewatec der Abruf von Produktionskennzahlen über Smartphone oder Tablet-PC möglich oder kann bevorstehender Maschinenverschleiß schon entdeckt werden, bevor er sich physisch zeigt.

FDA-Forderungen mit ERP und MES abbilden

Eine integrierte IT-Lösung, die Qualität und Wirtschaftlichkeit sichert, ist besonders bei der Fertigung von Hightech-Produkten notwendig, wie das Beispiel der Schweizer Medizintechnikherstellers Ruetschi AG aus Muntelier belegt. Einerseits haben Schweizer Unternehmen, die einen großen Anteil der Güter exportieren, durch die Stärke des Franken einen besonderen Kosten- und damit Rationalisierungsdruck. Andererseits suchte man bei Ruetschi eine IT-Lösung, die mit dem Unternehmen mitwachsen konnte und in der Lage war, die zum Teil auch von der amerikanischen FDA-Behörde geforderten medizintechnischen Besonderheiten abzubilden. Um diese Qualitätsfertigung zu sichern und zu belegen und die Produktionsprozesse zu optimieren, führte Ruetschi die integrierte ERP/MES-Medizintechnik-Branchenlösung von Gewatec ein.

Der Schweizer Dienstleister stellt sich zunehmend auf die Fertigung immer schwierigerer und komplexerer Teile mit kleinen Fertigungstoleranzen ein. Geschäftsführer Christoph Ruetschi: „Wir fertigen heute ab Drehautomat im Bereich von 6 µm Toleranz, nach der Bearbeitung in weiterführenden Prozessen erreichen wir 1,5 bis 2 µm. Das stellt hohe Ansprüche an die Produktionsmittel und erfordert beispielsweise auch vollklimatisierte Fertigungshallen. Unsere Medizinprodukte werden zudem in unseren Reinräumen montiert oder verpackt und anschließend steril zum Kunden gesandt.“

Ein Softwareanbieter mit Medizintechnik-Erfahrung

Dem Medizintechnikhersteller war es wichtig, dass der Software-Anbieter aus dem Bereich Fertigungs-/Medizintechnik kommt und möglichst alle ERP/MES-Module – speziell auch eine ausgefeilte CAQ-Lösung – aus einer Hand anbieten kann. Das vermeide kostenaufwendige Datenübergaben per Hand oder über speziell entwickelte Schnittstellenlösungen, Probleme bei Releasewechseln oder gegenseitige Schuldzuweisungen der verschiedenen Anbieter bei Projektschwierigkeiten. Installiert wurde die gesamte Bandbreite der Gewatec-Lösung für die Medizintechnik mit den Modulen PPS, KapPlan (einem Leitstand zur Kapazitätsplanung), CAQ, BDE, MDE, CNC-Programmübertragung und -verwaltung sowie Dokumentenverwaltung. Das System läuft bisher auf 50 Stationen, darunter Gewatec-BDE/MDE-Funkterminals und PCs, im ersten und 15 Stationen im zweiten Werk. Für das zweite Werk, das in der französischsprachigen Schweiz liegt, musste die ERP/MES-Lösung in französischer Sprache erstellt werden.

Ein System den Abläufen angepasst, nicht umgekehrt

Parallel zur Einführung wurden auch die Prozesse des Qualitätsmanagementsystems überarbeitet. Ruetschi ist zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 13485. Die ERP-Einführung erfolgte deshalb schrittweise mit der Zielrichtung, dass das ERP-System auch die Prozesse des Managementsystems abbilden und unterstützen sollte. Das hatte allerdings zur Folge, dass an der einen oder anderen Stelle Anpassungen oder Erweiterungen am ERP-System vorgenommen werden mussten, die aber im Endeffekt der Vollständigkeit der Branchenlösung Medizintechnik zugutekamen. Solche Erweiterungen betreffen beispielsweise Funktionen der an den Maschinen angebrachten Gewatec-BDE-Funkterminals, wie die Stempelhistorie, die zeigt, wer was wann gestempelt hat, was nachgestempelt wurde etc. Oder es wurden Abläufe gestaltet, welche sich an den Anforderungen der FDA orientieren, wie beispielsweise die eindeutige Identifikation des Users, die nicht mehr per Passwort, sondern per Fingerprint erfolgt. Wichtig auch die Anpassung bei der Programmverwaltung. Das CNC-Programm wird direkt an den Fertigungsauftrag angehängt, sodass auch später nachvollziehbar ist, dass das Teil mit genau diesem CNC-Programm gefertigt wurde.

Ein Prüfplan kann ebenfalls mit dem Fertigungsauftrag verlinkt werden, sodass bei der Anmeldung des Arbeitsganges am Terminal der Prüfauftrag automatisch erzeugt wird. Mitarbeiter werden dann durch die Signallampe auf dem Terminal informiert, wann das nächste Messintervall erreicht ist und werden vom System durch die Messungen geführt. Mit dem CAQ-Modul von Gewatec, das auch noch Funktionen wie Reklamationsbearbeitung und Prüfmittelverwaltung abdeckt, konnte bei der Erstellung der Prüfpläne und der administrativen Abwicklung der Prüfvorgänge eine wesentliche Effizienzsteigerung realisiert werden. So nimmt die Erstellung von Prüfplänen beispielsweise heute nur noch rund halb so viel Zeit in Anspruch wie mit dem abgelösten System.

Ergänzendes zum Thema
 
Industrie 4.0 und das Internet der Dinge

Autor: Eduard Rüsing ist freier Fachjournalist in Karlsruhe.

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