In Sachen Bearbeitungszeit besteht noch Optimierungsbedarf
In der Medizintechnik, wo der Trend zur personalisierten Medizin kaum aufzuhalten ist, halten 3D-Drucker immer öfter Einzug. Sie werden an ihrer Wirtschaftlichkeit gemessen, und sie müssen die Herausforderung Bearbeitungszeit meistern. So ist das noch eher langsame Druckverfahren häufig nicht wirtschaftlich, insbesondere bei größeren Teilen, deren Produktion mitunter 100 Stunden oder mehr dauert. Besser kann das schon der Delta-Tower Big-Foot L2016 Simultan, vertrieben durch Picco’s 3D World, bei dem die Druckzeit halbiert wurde, allerdings erst ab Losgröße 2: Der 3D-Drucker verfügt über zwei Extruder, die parallel geführt werden und so in einem Durchgang zwei gleiche Bauteile gleichzeitig herstellen. Gedruckt wird im Fused-Deposition-Modeling-Verfahren (FDM) nach dreidimensionalen Vorlagen im STL-Format.
Produktivitätssteigerung ist auch der Anspruch eines neuen 3D-Druckers der Firma 3D Systems, der unter anderem für anspruchsvolle Medizintechnik-Anwendungen konzipiert ist. Der Metall-3D-Drucker Pro-X DMP 320 verspricht hohe Präzision bei hohem Durchsatz. Die Baureihe wurde für die Verarbeitung von Titan, Edelstahl oder Nickelsuperlegierungen optimiert.
Eine Firma, die 2015 den Innovationspreis der Medtec Europe in Stuttgart gewonnen hat und 3D-Drucksysteme für Desktopanwendungen anbietet, ist Formlabs. Nicht Metall, sondern Kunstharz verarbeitet der Form 1+ beziehungsweise sein Nachfolgemodell Form 2, dessen Besonderheit darin besteht, dass er sehr kompakt ist und problemlos auf jeden Schreibtisch passt. Eingesetzt wird er von Medizintechnikfirmen und Ärzten, um Prototypen im Stereolithografieverfahren herzustellen.
Im April hat die Firma Formlabs jetzt ihr erstes biokompatibles Kunstharz für den Desktop-3D-Druck auf den Markt gebracht. Dental SG ist ein zertifiziertes biokompatibles Material der Klasse 1, das für Anwendungen im Bereich chirurgischer Dentalschablonen entwickelt wurde. Es soll der digitalen Zahnmedizin neue Möglichkeiten eröffnen wie zum Beispiel: hochpräzise, auf digitalen Scandaten basierende Bohrschablonen für die Implantatchirurgie. Zahntechnische Fachkräfte sollen in die Lage versetzt werden, 3D-Modelle schnell und kostengünstig direkt in gedruckte Bohrschablonen umsetzen. Gerade in der Zahntechnik hat der 3D-Druck in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, sei es für die chirurgische Planung und Praxis oder die Erstellung von Modellen für Anschauungs- und Lehrzwecke beziehungsweise die Fertigung von Zahnspangen und -schienen.
Ein weiterer Anbieter von 3D-Druckern, der bereits seit Langem die Medizintechnik beliefert und bei zahlreichen Medizintechnik-Unternehmen im Einsatz ist, ist Stratasys. Auf der diesjährigen Hannover Messe hat Stratasys seinen neuen 3D-Drucker J750 erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Er verarbeitet in einem einzigen Druckvorgang bis zu sechs unterschiedliche Materialien und kombiniert diese mit einem Farbspektrum aus 360.000 Tönen. Konzipiert ist dieser Drucker für Produktentwickler, Ingenieure, fertigende Betriebe und Serviceunternehmen. Dazu gehören beispielsweise Universitäten und Ausbildungsstätten, Medizintechnikanbieter, Krankenhäuser oder medizinische Forschungseinrichtungen.
Was die verwendeten Materialien angeht, so wird deutlich. Die Bandbreite reicht von Metallen über Kunststoffe mittlerweile bis hin zu Keramik: Für letztere hatdie Detmolder Firma Steinbach auf der Rapidtech in Erfurt ein neues Herstellungsverfahren mit technischer Keramik präsentiert. Im LCM-Herstellungsverfahren baut ein Hochleistungsdrucker aus einer Keramikpulver-Monomer-Suspension anhand der CAD-Daten einen Grünkörper Schicht für Schicht auf. Anschließend wird der Grünkörper einer thermischen Behandlung bis 1.600 °C unterzogen.
Das Ergebnis sind Produkte, die durch glatte und glänzende Oberflächen, Säure- und Hitzebeständigkeit, Lebensmittel-Echtheit und Biokompatibilität überzeugen, darunter zum Beispiel Messer, Pinzetten und Skalpelle.
Apropos Rapidtech: Die Kongressmesse in Erfurt hat die Medizin- und Zahntechnik als Anwender- und Abnehmerbranche für 3D-Druck schon lange im Blick. 2016 hat sie die Themen Prozess- und Qualitätskontrolle, Zulassung sowie Risikomanagement stärker in den Fokus gerückt. „In den letzten Jahren haben sich die verschiedenen Verfahren des industriellen 3D-Drucks für die Herstellung von Implantaten durchgesetzt. Jetzt werden zunehmend Themen wie Risikomanagement, Prozess- und Qualitätskontrolle diskutiert“, berichtet Ralf Schumacher, Leiter Labor Medical Additive Manufacturing an der FH Nordwestschweiz und auf der Rapidtech verantwortlich für das Fachforum Medizintechnik.
Stand: 08.12.2025
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Nach Metav und Hannover Messe ist die Rapidtech nicht die einzige Veranstaltung, die sich in diesem Jahr mit additiver Fertigung beschäftigt – wohl aber eine derjenigen, die sich des Themas am intensivsten und ausführlichsten annimmt. Für die Medizin hat dies der 1. Internationale 3D-Print Kongress in der Medizin in Mainz geleistet. Seine These: Bereits heute kommt der 3D-Druck in nahezu allen medizinischen Disziplinen zur Anwendung, in denen es darum geht, verloren gegangenes Gewebe durch Transplantate zu ersetzen. So setzen Orthopäden, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Gefäßchirurgen, Augenärzte, Urologen, Dermatologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte auf 3D-Implantate.