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Medtech-Standort Schweiz 2030 Schweizer Medtech-Branche stärken

Quelle: Pressemitteilung

Swiss Medtech hat mit dem neuen Zielbild „Medtech-Standort Schweiz 2030“ einen Weg skizziert, wie die Schweiz ihre Attraktivität als Medtech-Standort dauerhaft stärken kann. Dieser beinhaltet stabile Handelsbeziehungen, offene Märkte, Innovationsförderung sowie an die Medtech-Industrie angepasste Vergütungsmodelle. Die Reformagenda ist umso wichtiger im Hinblick auf die Rolle der Schweiz als EU-Drittstaat.

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Swiss-Medtech-Präsident Dr. Beat Vonlanthen (r.) und -Direktor Peter Biedermann (hier beim Swiss Medtech Day 2021) haben sich für das neue Zielbild „Medtech-Standort Schweiz 2030“ ausgesprochen.
Swiss-Medtech-Präsident Dr. Beat Vonlanthen (r.) und -Direktor Peter Biedermann (hier beim Swiss Medtech Day 2021) haben sich für das neue Zielbild „Medtech-Standort Schweiz 2030“ ausgesprochen.
(Bild: www.petermosimann.ch/Swiss Medtech)

Die Schweizer Medizintechnik – in jüngster Vergangenheit zum Spielball der Politik zwischen der Schweiz und der EU geworden – konnte dringende Probleme im Zusammenhang mit der Rückstufung auf Drittstaat am 26. Mai 2021 mit Unternehmergeist und Unterstützung von Partnern im In- und Ausland lösen. „Wer denkt, damit sei der Erfolgskurs der Schweizer Medtech gesichert, verkennt wie hart der internationale Konkurrenzkampf ist. Will die Schweiz ihre Position als einer der attraktivsten Medtech-Standorte der Welt dauerhaft stärken, braucht sie eine gemeinsame Strategie aller Akteure“, sagt Swiss-Medtech-Präsident Dr. Beat Vonlanthen. Mit dem gestern in Bern präsentierten Zielbild „Medtech-Standort Schweiz 2030“ skizziert der Verband einen entsprechenden Weg. „Ziel ist es, die Erfolgsgeschichte unserer Medizintechnikindustrie fortzuschreiben. Ein starker Medtech-Standort ist für unsere Volkswirtschaft gut und zum Wohle der Patientinnen und Patienten“, so Vonlanthen. Die Messlatte ist hoch: Mit 63.000 Beschäftigten zählt die Branche heute ein Fünftel mehr Arbeitsplätze als noch vor zehn Jahren. Gut jede hundertste Arbeitskraft in der Schweiz ist unterdessen in der Medizintechnik tätig. Hinzu kommt ein jährliches Umsatzwachstum, das mit durchschnittlich sechs Prozent deutlich über dem gesamtschweizerischen BIP-Wachstum liegt. Die Medizintechnik ist die Basis für eine erstklassige Gesundheitsversorgung. Ihre Bedeutung ist spätestens seit der Corona-Pandemie ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Mehr Handlungsspielraum anstatt Überregulierung

Die Medizintechnik-Branche ist seit Jahren mit einer steigenden Regulierungsflut konfrontiert, nicht zuletzt durch die europäische Medizinprodukteregulierung (Medical Device Regulation, MDR), aber auch durch die verschärfte nationale Medizinprodukteverordnung. Dr. Beat Vonlanthen ruft auf, diesen Trend zu wenden: „Jede neue Regulierung sollte auch an ihren Konsequenzen für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer Industrie gemessen werden. Statt regulatorischer Hürden braucht die Medtech-Branche mehr Handlungsspielraum“. Dies trifft zum Beispiel für die Beschaffung von Medizinprodukten zu. „Einzig und allein auf Medizinprodukte mit europäischen Zertifikaten abzustellen, ist nicht weitsichtig genug. Wir müssen unseren Spielraum auf außereuropäische Kennzeichen ausweiten“, ist Vonlanthen überzeugt. Die Schweiz ist als exportorientierte Volkswirtschaft und als Land, das sich aufgrund seiner Größe und personellen Ressourcen nicht selbst mit Medizinprodukten versorgen kann, in besonderer Weise auf offene Märkte ohne technische Handelshemmnisse angewiesen. „Dass die Schweiz ihre Beziehungen mit der EU wieder auf eine solide Basis stellt, ist für uns zentral. Jeder dritte Arbeitsplatz in der Schweizer Medizintechnikindustrie hängt von Aufträgen aus der EU ab. Darüber hinaus muss sich die Schweiz Richtung neue Märkte weltweit öffnen“, so der Präsident.

Innovationen fördern und schneller zum Patienten bringen

Die Schweiz ist bei der Forschung – dem Schritt von der Idee zum Prototyp – gut aufgestellt. Allerdings scheitern findige Ideen zu oft auf dem Weg vom Prototyp zum zugelassenen Produkt. Ausschlaggebend für diesen „Translation-Gap“ sind häufig fehlende Vorinvestitionen in die mehrjährige Entwicklungsphase einschließlich klinischer Studien. Vor diesem Hintergrund sollte sich die staatliche Förderung, wie beispielsweise von Innosuisse (schweizerische Agentur für Innovationsförderung), nicht auf die Phase bis zum Prototyp beschränken, sondern darüber hinaus gehen. „Dazu braucht es nicht mehr Fördergelder, vielmehr müssen die vorhandenen Mittel gezielter auf Innovationsprojekte mit dem größten Marktpotenzial umgeschichtet und neu auch direkt an Unternehmen ausbezahlt werden“, sagt Swiss-Medtech-Direktor Peter Biedermann. Ein weiteres Schlüsselelement zum Erfolg sind klinische Daten. „Die Schweiz steht vor der Herausforderung, attraktiv für klinische Studien zu bleiben. Gelingt ihr das, stärkt sie damit die Innovationskraft und gleichzeitig profitieren Patientinnen und Patienten vom Zugang zu neusten Therapien“, so der Direktor. Nicht nur der Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt dauert heute zu lange, sondern auch der Weg vom Produkt zur Patientenversorgung. Es kommt vor, dass neue Medizinprodukte erst fünf Jahre nach der Markteinführung vergütet werden. „Um mit den technologischen Entwicklungen der Medtech Schritt zu halten, müssen auch die Ansätze für die Tarifierung von Medizinprodukten innovativer werden. Wir brauchen zum Beispiel neue Vergütungsmodelle für digitale Gesundheitsanwendungen“, sagt Biedermann.

Umdenken in der Gesundheitsversorgung

Eine politische Diskussion, die sich auf die Kosten der Gesundheitsversorgung beschränkt, greift zu kurz. Ziel muss vielmehr sein, mit einem effizienten Einsatz der Mittel möglichst viel Gesundheit zu schaffen. Dieses Konzept der wertebasierten Gesundheitsversorgung (Value Based Health Care) steht für eine ganzheitliche Betrachtung über den gesamten Behandlungspfad hinweg. Diese schließt nebst dem individuellen Heilungserfolg positive Effekte wie kürzere Spitalaufenthalte, Senkung der Pflege- und Invaliditätskosten, Vermeidung von Folgebehandlungen, Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Dimensionen wie Mobilität und sozialer Aktionsradius mit ein. „Die heutige Gesundheitsversorgung findet zu sehr in Silos statt. Wir müssen umdenken und den Blick für den gesamten Patientenpfad öffnen. Dafür braucht es die enge Zusammenarbeit aller Gesundheitsakteure sowie die langfristig angelegte Erfassung und Auswertung von Qualitätsindikatoren. Auch deshalb muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen schneller voran kommen“, ist sich Roman Iselin, Vice President EMEA Regional Supply Chain, Medtech von Johnson & Johnson und Vorstandsmitglied von Swiss Medtech, sicher.

Werkplatz konsequent auf Exzellenz trimmen

Die Schweizer Medtech-Branche steht vor der Herausforderung, in der Produktion höchste Qualitätsmaßstäbe mit Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Sie kann im Hochlohnland Schweiz nur dann langfristig konkurrenzfähig produzieren, wenn sie es schafft, ihre Produktivität weiter zu steigern. „Ich sehe eine Chance für die Schweizer Medizintechnikindustrie, sich im Spannungsfeld von zunehmender Produktindividualisierung und industrieller Serienfertigung punkto Gesamtkosten zu profilieren. Das gelingt ihr aber nur dann, wenn sie ihre Kernprozesse konsequent auf Effektivität und Effizienz trimmt“, ist Dr. Raphael Laubscher, der in sechster Generation das Zulieferunternehmen Laubscher Präzision AG führt, überzeugt. Der Erfolg beruht dabei maßgeblich auf der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Doch genau daran fehlt es. Der Fachkräftemangel zieht sich als große Sorge durch die gesamte Branche und betrifft nicht nur akademische Berufe, sondern insbesondere produktionsnahe Lehrberufe wie die des Polymechanikers. „Wir brauchen Mitarbeitende mit Fähigkeiten, die heute notwendig sind für das Medizintechnikgeschäft von morgen“, bringt es Laubscher, Swiss-Medtech-Vorstandsmitglied, auf den Punkt.

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Schrittweise zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist nebst Digitalisierung das zweite große Querschnittsthema, das derzeit die gesamte Wirtschaft verändert. Die Notwendigkeit einer klimaneutralen, energieeffizienten und ressourcenschonenden Geschäftstätigkeit stellt auch die Medtech-Industrie vor große Herausforderungen. Sie sieht darin aber auch eine Chance, Vorreiterin einer klimaneutralen Gesundheitswirtschaft zu werden. Umweltbelastungen fallen mitunter schwergewichtig in den vorgelagerten Stufen an. „Für ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitsmanagement ist somit der Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette unabdingbar“, sagt Simon Michel, CEO von Ypsomed, die 2020 den weltweit ersten CO2-neutralen Pen lancierte. „Ich bin überzeugt, dass nur die Unternehmen langfristig wachsen werden, die heute Verantwortung für die Generationen von morgen übernehmen. Kunden und Investoren fragen zunehmend nach Angaben zur Umwelt und zur CO2-Bilanz. Ich sehe Klimaschutz deshalb auch als einen Wettbewerbsvorteil an, selbst bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften. Klimaschutz beginnt mit einer inneren Haltung, die dann Wirkung erzielt, wenn sie das gesamte Unternehmen durchdringt“, sagt Michel, Vorstandsmitglied von Swiss Medtech.

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