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„Investitionen in Innovationen und vor allem die glaubhafte Vermittlung des Nutzens dieser Innovationen für Patienten, Kostenträger und Investoren sind für die Zukunft der Medizintechnikbranche entscheidend, gerade vor dem Hintergrund strengerer Vorschriften für den Markteintritt in den USA“, erläutert dazu Bialojan. „Die Branche wird sich nicht immer auf das derzeit noch positive Zinsumfeld verlassen können. Investoren wollen in Zukunft noch stärker von der Qualität der Innovationen überzeugt werden. Es muss sich allerdings erst zeigen, ob die höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung tatsächlich ein Anzeichen für mehr Innovation sind oder ob Innovation einfach nur teurer wird.“
Weniger Venture Capital für die Medizintechnik
In einem Umfeld, in dem weltweit über alle Industrien hinweg so viel Venture Capital wie nie zuvor zur Verfügung steht, stagniert ausgerechnet der Venture-Capital-Markt für Medizintechnikunternehmen. 2014 wurden industrieübergreifend 57 Mrd. US-Dollar an Venture Capital investiert. Das sind mindestens 20 Mrd. US-Dollar mehr als in jedem Jahr nach dem Krisenjahr 2008. In der Medizintechnik wie auch im Health-Care-Sektor im Allgemeinen kommt von dem Geld jedoch immer weniger an. 2014 konnte sich die Medizintechnikbranche nur noch 5,9 Prozent vom Venture-Capital-Kuchen sichern. Seit dem Jahr 2009, als die Branche noch 12,7 Prozent verbuchen konnte, ist der Anteil Jahr für Jahr gefallen.
„Investoren haben den Medizintechnikbereich nicht mehr so stark im Fokus und wenden sich wieder mehr dem zurzeit attraktiveren Biotech-Sektor zu. Sie bleiben zwar aktiv, erhöhen aber die Mittel nicht. Gerade in den frühen Stadien haben Start-ups große Probleme, frisches Kapital zu erhalten. Die Folge: Wenige, vielversprechende Start-ups erhalten größere Teile vom Kuchen“, kommentiert Bialojan diese Situation.
M&A-Markt profitiert von niedrigem Zinsniveau
Dass die Medizintechnikunternehmen Zugriff auf so viel Fremdkapital wie nie zuvor hatten, befeuerte auch den M&A-Markt: Die vier größten Kreditaufnahmen ermöglichten Zukäufe. Alleine Medtronic konnte sich zur Finanzierung der im Januar 2015 beendeten Übernahme von Covidien 17 Mrd. US-Dollar sichern. Weitere 18 Mrd. US-Dollar sicherten sich Becton Dickinson, Zimmer und Boston Scientific für Übernahmen. Damit vereinten die vier Unternehmen alleine über 85 Prozent des gesamten Fremdkapitals auf sich. Dennoch ging insgesamt die Zahl der M&A-Deals zurück: Von 180 im Zeitraum 2011/2012 auf 139 im Zeitraum 2014/15.
„Der M&A-Markt wurde zusätzlich getragen von den Bemühungen vieler Big Player, ihre Geschäftsausrichtung stärker zu fokussieren und sich deshalb von Teilen ihrer Medizintechnik zu trennen“, kommentiert Gerd Stürz, Leiter des gesamten Life Science Marktsegments bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Insgesamt stand wieder viel Geld zur Verfügung – allerdings verteilt es sich auf immer weniger Akquisitionen. Käufer konzentrieren sich auf größere und teurere, dafür aber bereits reifere Unternehmen. Sie können im Idealfall mit bereits erfolgreichen Produkten zum Wachstum des Gesamtkonzerns beitragen.“
Medizintechnik-Report 2014
Radikaler Wandel der Branchenregeln für Medizintechnikhersteller
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