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Liquid Silicone Rubber Proto Labs kann jetzt auch Silikon verarbeiten

Autor / Redakteur: Autor | Peter Reinhardt / Peter Reinhardt

Schnell muss es gehen. Diese Firmenphilosophie kennzeichnet den Prototypen- und Kleinserienfertiger Proto Labs. Neben der Verarbeitung von Thermoplasten wird seit Beginn dieses Jahres auch die Verarbeitung von Flüssigsilikon angeboten. Das eröffnet Herstellern medizintechnischer Teile völlig neue Möglichkeiten.

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Thomas Langensiepen, Proto Labs: „Ich gehe davon aus, dass wir mittelfristig bis zu 25 Prozent aller Spritzgießteile aus Silikon fertigen.“
Thomas Langensiepen, Proto Labs: „Ich gehe davon aus, dass wir mittelfristig bis zu 25 Prozent aller Spritzgießteile aus Silikon fertigen.“
(Bild: Reinhardt)

Einfach, schnell und prozesssicher sei die Fertigung von Teilen aus Flüssigsilikon, so Thomas Langensiepen, Country Manager Deutschland des Prototypen- und Kleinserienherstellers Proto Labs. „Das haben Testläufe und erste Kundenprojekte – auch aus dem Bereich medizintechnischer Teile – gezeigt.“

Daher hat sich Proto Labs Anfang des Jahres entschieden, die Kleinserienfertigung von Silikonteilen ins Programm aufzunehmen. Entscheidendes Kriterium: Binnen 15 Tagen muss der Prozess sicher für Kunden umsetzbar sein – vom Auftragseingang bis zur Auslieferung der Teile.

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Per Mausklick Werkstoff und Geometrie festlegen

Bis das neue Angebot reif für die Markteinführung war, gab es intern viel zu erledigen. Vor allem die Weiterentwicklung der mächtigen Software als Kern aller Dienstleistungen von Proto Labs ist hier zu nennen. Dazu natürlich die Anschaffung entsprechender Anlagen zur Verarbeitung von Flüssigsilikon sowie die Qualifikation der Mitarbeiter. „Letzteres war kein Problem“, so Langensiepen. Dank umfangreicher Erfahrung in der Verarbeitung silikonähnlicher Thermoplaste habe er zu keiner Zeit Probleme beim Einhalten der geforderten Genauigkeiten im Werkzeugbau erwartet. „Das wurde sowohl in den Testläufen als auch in ersten Kundenaufträgen bestätigt“, ist Langensiepen zufrieden.

Aufwändiger, weil von entscheidender Bedeutung, war indes, die Software entsprechend zu programmieren. Designer, Entwickler und Konstrukteure können CAD-Daten ihrer Teile auf das webbasierte Angebotssystem Proto-Quote hochladen. Binnen Stunden erhalten Sie nicht nur ein detailliertes 3D-Modell nebst Machbarkeitsanalyse, sondern auch einen genau ermittelten Gesamtproduktionspreis. Sehr einfach können Anwender dabei die Auswirkungen von kleinen Änderungen durchspielen, um zum optimalen Teil zu kommen. Und dafür stehen neuerdings neben einer Vielzahl an Thermoplasten eben auch verschiedene Flüssigsilikone zur Verfügung, zwischen denen ganz einfach per Mausklick gewechselt werden kann.

Persönliche Beratung ergänzt Web-Angebot

Gibt es dabei an der einen oder anderen Stelle fertigungstechnische Hinweise zu beachten, werden die Anwender darauf direkt aufmerksam gemacht. Dann stehen die Experten von Proto Labs zur Verfügung, um gemeinsam mit den Kunden Lösungen zu erarbeiten. Für den deutschsprachigen Raum und das östliche Europa sitzen die Berater in Mosbach, von Heidelberg gut 40 km neckaraufwärts. Von dort aus diskutiert das Team von Proto Labs alles, was für komplexe Kundenaufträge zu klären ist – ganz gleich, ob die Teile letztlich aus Thermoplasten oder aus Flüssigsilikon gefertigt werden.

Die Erweiterung der Spritzgusskapazitäten um Flüssigsilikon (Liquid Silicone Rubber – LSR) kommt bei Proto Labs nicht von ungefähr. LSR ist ein elastischer, robuster Werkstoff mit ausgezeichneter Wärme- und Chemikalienbeständigkeit sowie hervorragendem elektrischen Widerstand. Teile aus LSR behalten ihre Eigenschaften in einem weiten Temperaturbereich, sodass sie gut geeignet für Sterilisationsverfahren sind. Nicht zuletzt ist LSR biokompatibel. Für Teile, die mit der Haut in Kontakt kommen, sind Flüssigsilikone daher meist erste Wahl. All das prädestiniert Flüssigsilikon für medizinische Anwendungen.

Medizintechnikhersteller sind sehr interessiert

Mit seinem neuen Angebot hat Proto Labs die Voraussetzungen geschaffen, LSR-Teile in Mengen zwischen 10 und 10.000 Stück schnell und kostengünstig herzustellen. Anlass für diese Angebotserweiterung waren sowohl eigene Marktbeobachtungen wie auch die enge Kommunikation mit Kunden. Gerade aus der Medizintechnik sei hier großes Interesse zu spüren, sodass Langensiepen davon ausgeht, schon recht bald 10 bis 25 Prozent aller Spritzgussteile aus Flüssigsilikon herzustellen. Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe des neuen Angebots seien bereits die ersten Anfragen eingegangen. Tendenz eindeutig steigend, sodass inzwischen längst spürbare Umsätze mit den neuen Werkstoffen erwirtschaftet würden.

An erste Kunden werden bereits LSR-Teile geliefert. Dabei reichen die werkstoffspezifischen Vorteile bis weit in den Werkzeugbau. Dieser erfolgt aufgrund der geforderten Schnelligkeit und der vergleichsweise niedrigen Stückzahlen ausschließlich in Aluminium. Hinterschnitte sind dabei ohne aufwändige Schieber zu realisieren, was selbstverständlich von der Software zur Angebotsprüfung und -erstellung berücksichtigt wird.

Dabei ist Proto Labs bislang noch auf Teile bis maximal 127 x 127 x 80 mm beschränkt. Doch der Größenbereich soll bereits relativ kurzfristig erweitert werden. In Richtung Mikrofertigung sieht Langensiepen ohnehin keine Beschränkungen. Das gelte auch für die Fertigungskapazitäten. Die seien ausreichend vorhanden, um Teile in der für Proto Labs typischen kurzen Zeit zu fertigen. Einzige Einschränkung: Es steht keine Reinraumfertigung zur Verfügung. Und das dürfte zumindest fürs Erste auch so bleiben.

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