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Zykluszeiten von Komponenten sind inkompatibel mit denen von Medizinprodukten
Noch einmal einen Schritt zurück, vom Absatz neuer Produkte zu deren Entwicklung. Bodenbach spricht hierbei das Problem der Komponentenverfügbarkeit an: „Stellen Sie sich vor, Sie entwerfen fünf Jahre lang ein kleines Gerät mit einem CMOS-Sensor. Der Sensorhersteller bringt jedoch einmal im Jahr einen neuen, aktualisierten Sensor heraus. Wie wollen Sie ihn dazu bringen, die veralteten Sensoren vorrätig zu halten?“ Mit anderen Worten: „Die Zykluszeiten von Komponenten sind überhaupt nicht kompatibel mit den Zykluszeiten unserer Produkte.“ Bei allen Gemeinsamkeiten ist dies ein Punkt, in dem sich die Medizintechnik wesentlich von der Konsumgüter-Industrie unterscheidet.
Es sind also Herausforderungen und Hürden wie diese, die es für die mittelständisch geprägte Medizintechnikbranche oft schwierig machen, innovative Produkte zu entwickeln. Der Medtech-Dialog mit „Werkstatt-Charakter“, wie Bourdon es formuliert, hat diese noch einmal ins Bewusstsein gerufen. Denn die Zielrichtung ist vielen bereits klar: „Wir müssen weg von einzelnen Produkten, hin zu Lösungen. Die Medizintechnikindustrie ist jedoch noch sehr stark produktfokussiert“, diagnostiziert Dr. Volker Fitzner von Pricewaterhouse Cooper in seinem Vortrag. Doch um die Notwendigkeit, nicht mehr nur Produkte, sondern Systemlösungen mit dazugehörigem Servicepaket bereitzustellen, kommen Medizintechnik-Anbieter langfristig kaum herum.
Was kann das Cluster Medizintechnologie Mannheim leisten?
Hilfreich sein kann hier die Vernetzung in einem Cluster, wie Mannheim es zunehmend bietet – oder gegebenenfalls sogar die Ansiedlung in einem entsprechenden Umfeld, wie es der Campus der Universitätsmedizin ab März mit dem Gründungs- und Kompetenzzentrum Medizintechnologie Cubex 41 bietet. Dessen Büroräume für Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen der Medizintechnologie werden am 11. März offiziell eröffnet. Erste Mieter sind schon gefunden, „ aber wir haben auch noch Räume frei“, so Katharina Klotzbach von der Zentrumsleitung.
Stichwort Interdisziplinarität: Vor Ort angesiedelt ist auch die Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie der Fraunhofer-Gesellschaft (PAMB); außerdem gibt es einen Experimental-OP mit moderner Bildgebung. Neben der Infrastruktur trägt auch der Medtech-Dialog regelmäßig dazu bei, Partner zu finden, um innovative Produkte auf den Weg zu bringen. Was die Veranstaltung am 9. Dezember angeht, so hat die Ausstellung Herzblut nicht nur den passenden Rahmen geboten. Sie ist für Medizintechnikexperten auch eine Quelle der Inspiration.
Medtech-Dialoge 2015:
- 11. März 2015 im Cubex 41
- 10. Juni 2015 bei Roche Diagnostics in Mannheim
- 17. September 2015 beim Fraunhofer PAMB in Mannheim
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