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Mobile Health

Medical Apps bewegen den Markt

| Autor: Peter Reinhardt

Fast ein Drittel der Deutschen ab 14 Jahren nutzt heute bereits Apps zur Aufzeichnung von Gesundheitswerten – oder sogar schon direkt zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen. Doch allen Verlockungen zum Trotz darf nicht übersehen werden: Es gibt noch viele Herausforderungen.

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„Handelsübliche Mobiltelefone haben keine originäre medizinische Zweckbestimmung und werden auch nicht durch die Nutzung einer App zum Medizinprodukt.“, Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI.
„Handelsübliche Mobiltelefone haben keine originäre medizinische Zweckbestimmung und werden auch nicht durch die Nutzung einer App zum Medizinprodukt.“, Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI.
(Bild: ZVEI)

Sportbegeisterte nutzen sie für ihre Fitnessarmbänder, Diabetiker können damit den Insulinwert protokollieren, man kann mit ihnen sogar Röntgenbilder anschauen und archivieren: Apps für Mobile Health bewegen die Menschen. Mobile Gesundheitsleistungen haben das Potenzial, die medizinische Versorgung von Patienten, die Arbeitsbedingungen von Ärzten und Klinikpersonal sowie die Qualität des Gesundheitswesens allgemein zu verbessern. „Bereits die Hälfte aller Patienten glaubt daran, dass Mobile Health dem Gesundheitssystem gut tun wird“, erklärt der Bundesverband Medizintechnologie BV-Med in Berlin.

Ärzte halten sich bei Mobile Health noch zurück

Während sich bereits viele Patienten auf diesen Trend eingelassen haben, halten sich Ärzte noch zurück. Angesichts der Fülle des Angebots, aber auch aufgrund rechtlicher Hürden und fehlender Abrechnungsmodelle, sind Gesundheits-Apps in deren Praxen noch nicht weit verbreitet. Dabei geben Ärzte mit der Nutzung mobiler digitaler Gesundheitsangebote die Deutungshoheit gar nicht aus der Hand. Mediziner sollten vielmehr ihre veränderte Rolle als Chance akzeptieren und zur Kernkompetenz machen, die heißt: mit allen verfügbaren Mitteln die Gesundheit der Patienten stärken.

Die Digitalisierung der Medizin ist eine Kommunikations- und Führungsaufgabe

Die Digitalisierung der Medizin ist also nicht in erster Linie eine technologische Herausforderung, sondern offensichtlich eine Kommunikations- und Führungsaufgabe. „Für jede vierte medizinische Führungskraft werden Kenntnisse zum Thema Digitalisierung künftig Pflicht sein“, so das Ergebnis der Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft“, für die die Personalberatung Rochus Mummert Healthcare Consulting mehr als 300 Führungskräfte an deutschen Krankenhäusern befragt hat. Demnach sollen die Zielvereinbarungen medizinischer Führungskräfte in Zukunft den Punkt miteinbeziehen, die Digitalisierung im Tagesgeschäft tatsächlich umzusetzen.

Das Spektrum an Möglichkeiten ist hier sowohl für Ärzte und Anbieter als auch für Patienten nahezu unbegrenzt. Dabei geht es vor allem darum, die Gesundheitskompetenz der Patienten zu stärken und indirekte Interventionen durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von gesundheitsbezogenen Informationen zu ermöglichen. Dafür ist es erforderlich, die Gesundheits- und Krankheitsgeschichten zu dokumentieren und Prozesse wie etwa den Einkauf und die Versorgung über Online-Apotheken zu organisieren. Und es sind mitnichten nur Start-ups, die sich hier versuchen. Längst haben auch Anbieter wie Apple und Google sowie etablierte Medizintechnik-Anbieter Gefallen an Mobile Health gefunden.

E-Health-Gesetz ist die Grundlage für digitale Datenaustausch

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe unlängst mit dem „E-Health-Gesetz“ die Grundlage dafür geschaffen, dass Ärzte, Krankenhäuser und Kassen künftig digitale Daten austauschen können. Ein Schritt in diese Richtung ist mit einer Medical App gelungen, die in jüngster Zeit von sich reden gemacht hat: Tinnitracks trainiert das Gehirn durch aufbereitete Musik neurophysiologisch und filtert die individuellen Tinnitus-Frequenzen aus den Smartphone-Musikdateien der Nutzer heraus. Zwei klinische Studien belegen, dass die App wissenschaftliche Parameter erfüllt und Tinnitus tatsächlich lindern kann. Jörg Land, Gründer und Chef des Anbieters Sonormed: „Die Zertifizierung als Medizinprodukt war als Ziel von Anfang an in die DNA unseres Unternehmens eingeschrieben. Die Unterstützung durch eine gesetzliche Krankenkasse hat unsere App sozusagen institutionalisiert.“ Noch ist das Medizinprodukt keine Kassenleistung, doch schon heute übernimmt die Techniker Krankenkasse für ihre Versicherten die Kosten für eine Jahreslizenz inklusive präziser Frequenzbestimmung und der Kontrolltermine durch einen HNO-Arzt oder Hörgeräte-Akustiker.

Patienten, Personal und Hersteller von Apps brauchen klare Standards

Auch für die Politik sind Medical Apps ein Thema. So hat

Für App-Programmierer stellen sich aber auch rechtliche Fragen, zum Beispiel zur Produkthaftung. „Hersteller von Medical Apps, die den Bestimmungen des Medizinprodukterechts unterliegen, haften für durch den Einsatz von fehlerhaften Apps hervorgerufene Schäden nach den Bestimmungen des Produkthaftungsgesetzes“, so Rechtsanwalt Wolfgang Rehmann von der Kanzlei Taylor Wessing, die sich unter anderem auf strategische Themen der Gesundheitsbranche spezialisiert hat.

Und natürlich stehen auch Sicherheit und Datenschutz im Fokus. Nicht zu Unrecht, wie der Report „State of Application Security“ zeigt, den Arxan Technologies als Anbieter von Sicherheitstechnologien für die Apps mobiler Geräte Anfang des Jahres publiziert hat. 61 von 71 der beliebtesten Gesundheits-Apps aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan wiesen demnach mindestens zwei kritische Schwachstellen auf. Damit war es Hackern bei gut 85 Prozent der untersuchten Objekte möglich, sensible Daten zu stehlen. Es liegt also vorerst in der Verantwortung der Nutzer, abzuwägen, was technologisch möglich, medizinisch sinnvoll und dabei auch noch sicher ist.

Weitere Meldungen über Medical Apps finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

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