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Klimawandel im Gesundheitswesen – Daten-Inseln werden untergehen

| Autor/ Redakteur: Peter Nix* / Julia Engelke

Woran können sich Medizintechnikhersteller orientieren, wenn sie nach der passenden Integration ihrer Systeme in die medizinische IT suchen? Dieser Artikel gibt einen Überblick über Standards wie DICOM und HL7 sowie die Initiative IHE.

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Ausgangspunkt jeder IT-gestützten Behandlung in der Klinik ist das Krankenhaus-Informationssystem (KIS). Es führt die Stammdaten von Patienten, ist Basis für die Abrechnung und stellt Leistungsanforderungen an die bildgebenden und diagnostischen Systeme.
Ausgangspunkt jeder IT-gestützten Behandlung in der Klinik ist das Krankenhaus-Informationssystem (KIS). Es führt die Stammdaten von Patienten, ist Basis für die Abrechnung und stellt Leistungsanforderungen an die bildgebenden und diagnostischen Systeme.
(Bild: ©auremar - stock.adobe.com)
  • Ausgangspunkt jeder IT-gestützten Behandlung: Praxisverwaltungssystem oder Krankenhaus-Informationssystem
  • HL7 und DICOM als reine Kommunikationsstandards
  • Initiative IHE: Leitfaden zur Anwendung bestehender Standards

Digitalisierung und die Einbindung medizinischer Untersuchungsgeräte in die klinische IT sind nicht mehr wegzudenkende Faktoren, wenn es für Krankenhäuser und Arztpraxen um die Anschaffung neuer Systeme geht. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern und die Verfügbarkeit einmal gewonnener Daten sowohl innerhalb der Gesundheitseinrichtung als auch außerhalb zu ermöglichen. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der Bereich der Augenheilkunde (Ophthalmologie). Für diese Fachrichtung existieren verschiedenste innovative Systeme für die Untersuchung und Diagnose sowie die Behandlung von Patienten. Bis vor kurzem waren hier, mit dem Verweis auf die Sicherheit des Patienten und die deshalb notwendige Abgeschlossenheit, in sich geschlossene Inseln akzeptiert. Inzwischen ist das Ziel selbst invasive Behandlungssysteme in klinische Netze zu integrieren.

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Woran kann sich der Hersteller orientieren, wenn er nach der passenden Integration seines Systems in die medizinische IT sucht? Die Anforderung „System unterstützt DICOM“, die in Ausschreibungen auftaucht, hilft hier nicht umfassend weiter. Eher zielführend ist der Hinweis auf IHE und zu unterstützende Profile. Aber was steckt eigentlich dahinter? Standards wie DICOM und HL7 sowie die Initiative IHE, sind mit dem Ziel der Digitalisierung im Gesundheitswesen untrennbar verbunden. Dieser Artikel gibt einen kleinen Überblick über deren Einordnung in medizinische Abläufe und ihren Nutzen für die Anwender von Medizintechnik. Beispielhaft wird die Ophthalmologie herangezogen, der Überblick ist jedoch auf andere Fachrichtungen übertragbar.

Der elementare Standard-Workflow

Ausgangspunkt jeder IT-gestützten Behandlung ist das Praxisverwaltungssystem (PVS) oder das Krankenhaus-Informationssystem (KIS). Diese führen die Stammdaten aller Patienten, sind Basis für die Abrechnung und stellen Leistungsanforderungen an die bildgebenden und diagnostischen Systeme. Im Krankenhaus existieren für viele Fachabteilungen spezialisierte Systeme zur Steuerung der Leistungserbringung und Planung des Behandlungsablaufs. Daraus entstehen Auftragslisten für die am Patienten eingesetzten Systeme.

Die Geräte in der Klinik oder Praxis fragen die ihnen zugeordnete Auftragsliste ab. Die entstehenden Daten können damit dem Patienten und dem Auftrag aus dem KIS oder PVS zugeordnet werden und sind nach Übermittlung der Dokumentation über die zentrale Akte im KIS/PVS aufrufbar. Dabei werden vor allem umfangreichere Daten in einem PACS (Picture Archiving and Communication System) gespeichert.

Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen Systemen

Der dargestellte Ablauf erfordert einen tiefen Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen Systemen verschiedener Hersteller. Dies über bilaterale Schnittstellen zu lösen, ist auf Dauer kein gangbarer Weg, weshalb sich schon in den 1980er Jahren Kommunikationsstandards für das Gesundheitswesen herausgebildet haben.

HL7 wurde primär für den Informationsaustausch zwischen Verwaltungssystemen entwickelt. Typischer Gegenstand von HL7-Nachrichten sind Patientenstammdaten, Leistungsanforderungen, Leistungsdokumentation (Ziffern), aber auch Messwerte und Dokumente. Im Standard-Workflow des klinischen Bereichs basieren die Schnittstellen zwischen KIS und Fachabteilungssystem auf HL7.

DICOM steht für „Digital Imaging and Communication in Medicine“ und kommt ursprünglich aus der Radiologie. Somit hat DICOM traditionell einen starken Fokus auf Bildakquisitionsprozesse. Zunehmend befasst sich DICOM heute ganz allgemein mit der Kodierung von Behandlungsdaten. Im Standard-Workflow findet sämtliche Kommunikation des Gerätes – das Abrufen der Auftragsliste, die Statusrückmeldung und die Übertragung der Behandlungsdaten – nach dem DICOM-Standard statt. Somit ist DICOM sowohl im klinischen als auch im niedergelassenen Bereich unumgänglich.

Kommunikationsstandards

HL7 und DICOM verstehen sich als reine Kommunikationsstandards. Das heißt, sie spezifizieren nicht, welche der definierten Schnittstellen ein bestimmtes System unterstützen muss oder wie es sich beim Erhalt bestimmter Nachrichten verhalten soll. Um hier Klarheit zu schaffen, haben Anwender und Hersteller gemeinsam die Initiative IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) gegründet. IHE betrachtet existierende Standards (wie DICOM und HL7) aus dem Blickwinkel von Fachbereichen (in IHE-Terminologie „Technical Frameworks“) und der Anwendungsfälle („Integration Profiles“). In IHE standardisiert der „Scheduled Workflow“ den oben skizzierten Behandlungsablauf. Hierfür beschreibt IHE im Detail, welches System welche Nachrichten unterstützen muss und wie Informationen zwischen verschiedenen Nachrichten konsistent gehalten werden. Somit ist IHE kein weiterer Standard, sondern ein Leitfaden zur Anwendung der bestehenden Standards.

Eine konkrete Umsetzung von IHE setzt das Gerät in Relation mit dem zugrundeliegenden Technical Framework, dem implementierten Integrationsprofil und dem/den unterstützten Akteur(en). So bedeutet „Gemäß dem IHE Eye Care Technical Framework implementiert unser Gerät den Akteur ‚Acquisition Modality‘ im ‚Unified Eye Care Workflow‘“, dass das Gerät sich in den Standard-Workflow nahtlos einfügt, also:

  • es ruft seine Arbeitsliste per DICOM Modality Worklist ab
  • es überträgt seine Daten per DICOM C-STORE an das PACS
  • es fordert vom PACS eine Quittung über die Aufbewahrung der Bilddaten an und verarbeitet diese (DICOM Storage Commitment)
  • es meldet den Status der Untersuchung per DICOM MPPS (Modality Performed Procedure Step)
  • es beachtet die Vorgaben von IHE bezüglich der Übertragung von Informationen zwischen den verschiedenen Nachrichten

Die Integration medizinischer Geräte ist ein wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung. Was ein Gerät unterstützen muss, damit diese auch erfolgreich funktioniert, beschreibt IHE unter Nutzung existierender Standards, vorneweg DICOM und HL7. Als Hersteller bringt es einen entscheidenden Vorteil, sein System für die Zukunft zu rüsten und nicht von der Außenwelt abzuschneiden. Mit Hilfe von Software, die speziell für den sensiblen Bereich der Medizintechnik entwickelt wurde, können solche Schnittstellen mit geringem und planbarem Aufwand realisiert werden.

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* Peter Nix ist Teamleiter Medical Software Solutions bei Softgate.

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