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KI und 3D-Druck verändern die Zukunft der Medizintechnik

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Wie werden künstliche Intelligenz (KI) und 3D-Druck die Medizintechnik beeinflussen? Ein internationaler Innovations-Workshop mit Live-OP gab Antworten.

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Die Teilnehmer des Workshops „S3martMed needs SmartTech“ konnten sich im OP informieren.
Die Teilnehmer des Workshops „S3martMed needs SmartTech“ konnten sich im OP informieren.
(Bild: Zabel / Bio Regio Stern)
  • Transplantation eines künstlichen Herzens live erleben
  • Blick in die Zukunft der Medizintechnik
  • Strategien und Anwendungen für 3D-Druck-Implantate und künstliche Intelligenz in der Medizintechnik

An dem ersten interregionalen S3martMed Business Brokerage Event nahmen Unternehmer und Experten aus Polen, Japan, Italien, Belgien, Frankreich und Deutschland teil. Sie konnten in Live-OP-Übertragungen sowie praktischen Übungen im OP des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik in Tübingen mit Ärztlichen Direktoren und Oberärzten diskutieren und gemeinsam neue Ideen für Instrumente und Verfahren entwickeln. Dr. Artur Ochojski vom polnischen Cluster Med-Silesia und Dozent an der Wirtschaftsuniversität Kattowitz war beeindruckt, nachdem er die Transplantation eines künstlichen Herzens live erleben konnte: „Man sieht als Unternehmer nicht nur den aktuellen Bedarf, sondern denkt hier auch gleich über das nächste Level der Entwicklung nach.“

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Künstliche Intelligenz wird der Datenflut Herr

Unter dem Motto „S3martMed needs SmartTech“ erfuhren die Teilnehmer tatsächlich nicht nur den aktuellen „Medical Need“, sondern konnten auch einen direkten Blick in die Zukunft der Medizintechnik werfen. In seiner Keynote referierte Dr. Johannes Stelzer beispielsweise zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Bildgebung“. Der Mitbegründer der Firma Colugo GmbH aus Tübingen forscht am ebenfalls in Tübingen ansässigen Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik über die Analyse und Visualisierung von Gehirndaten mithilfe von KI. „Moderne bildgebende Verfahren erzeugen eine oftmals nur schwer zu bewältigende Bilderflut“, so Dr. Stelzer. „Hier setzen KI-Verfahren an, die Ärzten bei der Begutachtung und Interpretation helfen und damit die Qualität und Effizienz der Behandlungen verbessern.“

Auch Routinearbeiten im Labor können durch KI optimiert werden. Maximilian Hans von der Intuity Media Lab GmbH aus Stuttgart stellte einen intelligenten digitalen Laborhelfer der nächsten Generation vor: „Das Mikroskop Minimic kann trainiert werden, unterschiedlichste Proben auszuwerten und wird dadurch selbst zum Experten, um Diagnosen zu erstellen.“

3D-Druck erfordert die Bereitschaft umzudenken

Oliver Refle vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA beschrieb in seinem Vortrag die Perspektiven des „3D-Druck in der Medizintechnik“: „Viele Herausforderungen von Produkten aus dem Bereich der Medizintechnik könnten zukünftig durch additive Fertigungsverfahren gelöst werden. Vom patientenspezifischen Implantat bis hin zum gedruckten Einweg-Werkzeug sind viele Anwendungen denkbar. Doch um dieses Potenzial zu erschließen, muss die Bereitschaft vorhanden sein, umzudenken und offen zu sein für neue Lösungen. Die additive Fertigung führt insbesondere dann zum Erfolg, wenn entlang der gesamten Entwicklungskette vom Geschäftsmodell, über die Produktentwicklung bis hin zur Zertifizierung die Bereitschaft vorhanden ist, neue Wege zu beschreiten.“

Die mehr als 40 Unternehmer und Wissenschaftler erlebten in zwei Tagen nicht nur Live-OPs und spannende Impulsvorträge. Sie nutzten auch intensiv die Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen und Kooperationen anzustoßen, um Strategien und Anwendungen für 3D-Druck-Implantate und künstliche Intelligenz in der Medizintechnik zu entwickeln.

Antworten zur Finanzierung von solch interregionalen Kollaborationsprojekten lieferten Hartmut Welck und Hicham Abghay von der Steinbeis 2i GmbH für öffentliche Fördermittel sowie Dr. André Zimmermann von der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH für privates Investment. Denn neue Projektideen, die im S3martMed-Netzwerk entstehen, werden mit einem maßgeschneiderten Strategieplan unterstützt, um geeignete Fördermittel zu identifizieren, damit aus der Idee ein marktreifes Produkt wird.

Über das EU-Förderprojekt S3martMed-Projekt

Fünf Cluster-Partner aus Frankreich, Belgien, Polen, Italien und Deutschland bilden das EU-Förderprojekt S3martMed. Sie sind aktive Mitglieder der Industrialisierungsplattform „S3“, die von der Europäischen Kommission eingerichtet wurde, um in verschiedenen Branchen – wie beispielsweise der Medizintechnik – regionale Stärken zu identifizieren und die europäische Zusammenarbeit zwischen den Regionen zu fördern. Mittels der Plattform soll im Rahmen des S3martMed-Projektes die Kooperation zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie Technologiezentren initiiert werden, um nachhaltiges Wachstum und gezielte Investments zu fördern.

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