ZVEI exklusiv Halbleiter-Engpass: „Die Situation ist angespannt“
Auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz hat der ZVEI ein positives Fazit für 2021 gezogen und blickt optimistisch ins Jahr 2022. Im Interview mit Devicemed erklärt Hans-Peter Bursig* vom ZVEI, welche Herausforderungen die Medizintechnik-Branche 2022 erwarten und wie die aktuelle Halbleiter-Situation zu bewerten ist.
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Herr Bursig, welche Herausforderungen kommen auf die Medizintechnik-Branche 2022 zu?
Die Medizintechnik-Branche steht in diesem Jahr vor einer Reihe von Herausforderungen. Die Umstellung auf die Anwendung der Medical Device Regulation (MDR) in den Mitgliedstaaten der EU ist noch nicht abgeschlossen und stellt weiter Anforderungen an die Unternehmen. Die erneute Konformitätsbewertung aller Bestandsprodukte muss spätestens bis 2024 abgeschlossen werden, wenn diese Produkte weiter in der EU in Verkehr gebracht werden sollen. Hersteller und benannte Stellen müssen sich beide noch mit den neuen Anforderungen vertraut machen, bevor eine verlässliche Routine einkehrt.
Parallel dazu müssen die Hersteller Wege finden, um mit anhaltenden Herausforderungen bei Lieferketten und Transportwegen umzugehen. Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Es kann deshalb weltweit weiterhin zu Einschränkungen in der Produktion und beim Transport von Medizinprodukten kommen. Davon können auch Zulieferungen für die Produktion von Medizinprodukten betroffen sein. Diese Einschränkungen sind nicht vorhersehbar und können zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Medizinprodukten führen. Zusätzlich sind durch den russischen Krieg in der Ukraine die Transportwege für Medizinprodukte und Zulieferungen, die über die Russische Föderation und die Ukraine führen, derzeit unterbrochen oder stark eingeschränkt.
Wie bewerten Sie die aktuelle Halbleiter-Situation für die Medizintechnik-Branche?
Die Situation ist angespannt. Wie viele andere Branchen der Industrie ist auch die Medizintechnik von den Problemen bei der Versorgung mit Halbleitern betroffen. Trotz ausreichender Bevorratung und langfristigen Lieferverträgen kann es zu Engpässen kommen, die die Produktion von Medizinprodukten einschränken. Hersteller von Medizinprodukten können dabei nicht so einfach auf andere Halbleitertypen oder Chipanbieter ausweichen. Unter anderem zieht ein Wechsel möglicherweise eine Prüfung der Konformitätsbewertung für das Medizinprodukt nach sich, sofern die Halbleiter für die Funktion und Sicherheit des Medizinprodukts eine wichtige Rolle spielen. Das muss jeweils im Einzelfall geprüft werden.
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* Hans-Peter Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.
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