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Gelenkersatz ist eine Erfolgsgeschichte / Implantat-Probleme sind die Ausnahme

| Redakteur: Peter Reinhardt

Prof. Dr. Michael M. Morlock, Institut für Biomechanik an der TU Hamburg-Harburg: „Für die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks sind nicht nur die Materialien, sondern auch das Vorgehen der Chirurgen und das Verhalten der Patienten wichtig.“
Prof. Dr. Michael M. Morlock, Institut für Biomechanik an der TU Hamburg-Harburg: „Für die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks sind nicht nur die Materialien, sondern auch das Vorgehen der Chirurgen und das Verhalten der Patienten wichtig.“ (Bild: TUHH)

Immer wieder geraten Implantate negativ in die Schlagzeilen. Doch die Wahrheit sieht anders aus, als sie der Öffentlichkeit präsentiert wird, stellt der BVMed klar.

Der Gelenkersatz ist eines der erfolgreichsten medizinischen Verfahren und wurde von der Lancet, einer der ältesten Fachzeitschriften der Welt, als „Operation des Jahrhunderts“ bezeichnet. Die Endoprothetik ermöglicht Patienten Mobilität und weitgehende Schmerzfreiheit.

Produktmängel sind nicht die Ursache hoher Revisionsraten

Über 95 Prozent der Hüftimplantate haben eine Lebensdauer von mehr als zehn Jahren. Die Komplikationsrate ist mit unter zwei Prozent sehr gering. Kommt es tatsächlich mal zu Komplikationen, sind die Ursachen sehr unterschiedlich und nach Registerdaten und Expertenmeinungen nur in den wenigsten Fällen auf das Implantat selbst zurückzuführen. Darauf weißt der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, hin. „Berichte, die hohe Revisionsraten auf Produktmängel zurückführen, sind unsachlich, irreführend und unverantwortlich, da sie die Patienten verunsichern“, stellt BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt klar. Die weitaus größte Anzahl der Revisions-Operationen in der Endoprothetik beruhten auf einem normalen Verschleiß der Implantate nach 15 oder mehr Jahren.

Implantate verschleißen ebenso wie natürliche Gelenke

„Gelenkersatzoperationen haben sich in den letzten Jahrzehnten etabliert und gut bewährt. Da Implantate aber wie die natürlichen Gelenke einem Verschleiß unterliegen, ist es nur normal, dass 15 bis 20 Jahre nach einem Gelenkersatz eine Revision ansteht. Diese Revisionszahlen dürfen aber nicht in Relation zur Zahl der Neuimplantationen gesetzt werden. Das ist absolut unseriös und irreführend“, erklärt der BVMed in einer Pressemitteilung.

Dreiecksbeziehung aus Produkt, Operateur und Patient

Ein erfolgreicher Gelenkersatz erfordere das Zusammenspiel von drei Komponenten: das operative Vorgehen, ein qualitativ hochwertiges Implantat sowie ein unterstützendes, verantwortungsvolles Patientenverhalten. Die 2. Sicherheitskonferenz Endoprothetik, die im November 2015 in Frankfurt stattfand, habe deutlich gezeigt, dass die Erwartungshaltung der Patienten und die Ausbildung der Operateure eine große Herausforderung darstellen. Der Patient müsse verstehen, wo die Grenzen eines künstlichen Gelenks in Sachen Belastung und Langlebigkeit lägen, erklärte dazu unlängst Prof. Dr. Carsten Perka von der Berliner Charité in einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts. Notwendig sei eine Patientenaufklärung im Vorfeld, die mit überzogenen Erwartungen und Illusionen aufräume. Denn: Eine Endoprothese, die ein Leben lang hält, werde es nicht geben. Prof. Dr. Michael M. Morlock vom Institut für Biomechanik an der TU Hamburg-Harburg betont in diesem Zusammenhang, dass für die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks nicht nur das Material, sondern auch das Vorgehen des Chirurgen und das Verhalten des Patienten wichtig seien.

Das Endoprothesenregister in Schweden ...

Wichtige Aussagen zu den wahren Revisionsgründen gebe auch das schwedische Endoprothesenregister, informiert der BVMed. In einem Bericht über Hüftgelenkersatz-OPs in Schweden von 1979 bis 2013 wurde in lediglich 1,3 Prozent aller Fälle ein Implantatbruch als Grund für eine Revisionsoperation angegeben. Den im Vergleich zum Produkt deutlich problematischeren Anteil machten aseptische Lockerungen (54,3 Prozent), Infekte (13,5 Prozent) und Luxationen (11,9 Prozent) aus. „Aus den Registerdaten ist ersichtlich, dass die eindimensionale Konzentration der Krankenkassen auf das Implantat der Komplexität der überaus erfolgreichen Hüftendoprothetik nicht gerecht wird und am Kern der Diskussion vorbeigeht“, so Schmitt.

... und in Deutschland

Ein zentrales Element, um die Ergebnisqualität der endoprothetischen Versorgung zu messen und weiter zu verbessern, sei das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD), an dem der BVMed von Beginn an aktiv beteiligt war. Von den Ergebnissen des EPRD verspreche man sich Antworten auf die Fragen: Wo und warum ist der Schaden entstanden? Welche Rolle spielen Produkt, Arzt oder Patient? Wo können wir dazu lernen?

Ergänzendes zum Thema
 
Zahlen, Daten, Fakten zum Gelenkersatz in Deutschland

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