Krankenhauskeime

Fachkonferenz zu antibakteriellen Oberflächen

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Antimikrobielle Wirkung bei Textil: Ungehemmtes Bakterienwachstum im unbehandelten Bereich (obere Abbildung) gegenüber deutlicher antibakterieller Wirkung nach funktionaler Beschichtung.
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Antimikrobielle Wirkung bei Textil: Ungehemmtes Bakterienwachstum im unbehandelten Bereich (obere Abbildung) gegenüber deutlicher antibakterieller Wirkung nach funktionaler Beschichtung. (Bild: Klinik für Hautkrankheiten UKJ)

Am 4. September diskutieren Wissenschaft und Industrie auf einer Fachkonferenz in Zeulenroda, wie sich mit antibakteriellen Oberflächen die Ausbreitung aggressiver, gegen Antibiotika resistenter Bakterienstämme verhindern lässt. Die Prävention gefährlicher Infektionen durch Keime bietet Marktchancen für Lieferanten von Krankenhausausstattung und Sanitärprodukten.

Jährlich sterben in Deutschland bis zu 40.000 Menschen nach Infektionen im Krankenhaus. Materialforscher diskutieren nun auf einer Fachkonferenz zu antibakteriell wirkenden Materialoberflächen über die Nutzung funktionalisierter Oberflächen im Medizinbereich und in anderen Branchen.

Es gibt kein antimikrobielles Universalrezept

Einen einleitenden Überblick über den Stand der Forschung sowie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze gibt Prof. Dr. Jörg Tiller von der Technischen Universität Dortmund. Er betont, dass es kein antimikrobielles Universalrezept gebe; fast jedes System benötige eine den Umfeldbedingungen angepasste, spezifische Lösung: „Mit kontaktaktiven Oberflächen kann man etwa im Trinkwasserbereich gut arbeiten, stark keimbelasteten Flächen erfordern aber andere Wege.“ Diese unterschiedlichen Erfordernisse böten vielfältige Chancen für die Industrie.

Funktionsoberflächen dämmen Keime ein

Häufig verbreiten sich resistente Keime über Hautkontakt mit Oberflächen vielfach berührter Gegenstände wie Krankenhausinventar, Klingelknöpfe oder Türklinken. Weil sie sich mit Antibiotika nicht bekämpfen lassen, sollen künftig Funktionsoberflächen ihre Eindämmung schon im Vorfeld sichern. Die Suche nach wissenschaftlichen Zusammenhängen und ihre technologische Umsetzung in Materialien und Produkte stellen Wissenschaft und Wirtschaft jedoch vor enorme Herausforderungen. Zugleich beinhaltet sie große Chancen für Unternehmen, die neue Produkte etwa für den Gesundheitsmarkt entwickeln oder vorhandenen Produkten neue Eigenschaften verleihen wollen. Tiller ruft dabei zu mehr unternehmerischem Mut auf: „Im Ergebnis einer restriktiven Gesetzgebung wird die Liste industriell genutzter Biozide aktuell eher kürzer denn länger“; das forciere geradezu die Ausbildung neuer Resistenzen: Hier könnten Unternehmen sich durch Kooperationen mit der Wissenschaft Alleinstellungen sichern.

Workshop zu antimikrobiellen Oberflächen

„Unser Workshop zu antimikrobiellen Oberflächen soll den Transfer von Wissen und Lösungsansätzen beschleunigen“, erläutert Dr. Bernd Grünler, Geschäftsführer des ausrichtenden Forschungsinstituts Innovent aus Jena. Die Wissenschaftler erhielten Einblick in Praxisanforderungen, die Unternehmen bekämen Zugang zu neuem Know-how und Entwicklungstrends als Orientierungshilfe für die eigene strategische Ausrichtung. Innovent hat sich in den letzten Jahren zu einem gefragten Transferpartner bei antibakteriellen Beschichtungen auf Basis der Plasmatechnologie unter Normaldruckbedingungen entwickelt. Beim Workshop stellt das Institut patentrechtlich geschützte Lösungen zur Einlagerung von Silberpartikeln in abgeschiedene Funktionsschichten vor.

Antibakterielle Zink- und Kupferapplikationen

Unter anderem an Zulieferer der medizinischen Versorgung und des Pflegebereichs richtet sich beispielsweise die Offerte eines Wissenschaftlerteams um Dr. Uta-Christina Hipler vom Universitätsklinikum Jena. Gemeinsam mit Innovent-Experten hat es ein kostengünstiges, schnelles und vor allem transparentes Test- und Nachweisverfahren zu einer tatsächlich antibakteriellen Wirkung entwickelt. Das standardisierte Verfahren hat sich bereits bei der Testung von Textilien und Verbandstoffen bewährt. Zusätzlich wollen die Uni-Mediziner praxiserprobte antibakterielle Zink- und Kupferapplikationen präsentieren, die eine Alternative zur – mit Ausnahme von Medizintextilanwendungen – umstrittenen Nutzung von Silber-Ionen bieten.

Kontakt:

Innovent e.V.

D-07745 Jena

www.innovent-jena.de

www.thgot.de

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