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ZVEI exklusiv „Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor“

| Redakteur: Julia Engelke

Unter dem Einfluss der MDR droht dem Handel mit den Nicht-(mehr)-EU-Staaten Großbritannien und Schweiz Ungemach. Darüber hinaus muss einer exportorientierten Branche wie der Medizintechnik die Ausbreitung des Coronavirus Sorge bereiten. Auf was sich die Medizintechnikhersteller einstellen müssen, erklärt Hans-Peter Bursig* vom ZVEI exklusiv für Devicemed im Interview.

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Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „Bevor die grundsätzlichen politischen Entscheidungen nicht getroffen sind, sind keine Aussagen über die Auswirkungen auf die Medizintechnik möglich.“
Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „Bevor die grundsätzlichen politischen Entscheidungen nicht getroffen sind, sind keine Aussagen über die Auswirkungen auf die Medizintechnik möglich.“
(Bild: Devicemed)
  • Medizintechnikbranche hat keinen Einfluss auf politische Entscheidungen
  • Hersteller von Medizinprodukten sollen Großbritannien und Schweiz als Drittstaaten behandeln
  • Coronavirus: Auswirkungen auf die Lieferkette beachten

Wie ist die aktuelle Lage bezüglich eines Abkommens mit der Schweiz bzw. mit Großbritannien?

Leider ist die Frage nach den Abkommen mit diesen beiden Ländern gerade neben der MDR ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die Hersteller. Hinzu kommt, dass beide Fragen von der MDR unabhängig und Teil einer größeren politischen Diskussion sind.

Im Falle von Großbritannien gilt bis Ende 2020 das Austrittsabkommen. Wie sich der Handel mit Medizinprodukten ab 2021 gestalten wird, hängt davon ab, ob die EU und GB bis Ende des Jahres ein neues Handelsabkommen aushandeln können. Ideal aus Sicht der Hersteller wäre natürlich, dass die CE-Kennzeichnung in GB weiterhin gilt. Ein eigenes Zulassungssystem für den britischen Markt würde für die Hersteller in der EU einen nicht zu verachtenden, zusätzlichen Aufwand bedeuten.

Im Falle der Schweiz hängt die Entwicklung dagegen von einem neuen allgemeinen Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU ab. Hier besteht die EU darauf, dass eine enge Einbindung der Schweiz in den Binnenmarkt nur in Verbindung mit Freizügigkeit für EU-Bürger in der Schweiz möglich ist. Davon hängt auch ab, ob die gegenseitige Anerkennung der CE-Kennzeichnung für Medizinprodukte erhalten bleibt.

Bei den politischen Verhandlungen der EU mit beiden Ländern hat die Medizintechnik-Branche leider keinen wesentlichen Einfluss auf die letztlichen Entscheidungen.

Wie sieht die Perspektive aus?

Bevor die grundsätzlichen politischen Entscheidungen in beiden Fällen nicht getroffen sind, sind keine Aussagen über die Auswirkungen auf die Medizintechnik möglich. Den Herstellern bleibt also nichts anderes übrig, als die Ergebnisse der Verhandlungen abzuwarten. Zur Sicherheit sollten sich aber alle Hersteller von Medizinprodukten darauf einstellen, die Schweiz und Großbritannien künftig als sogenannte Drittstaaten zu behandeln. Das bedeutet unter anderem aufwändige Zollverfahren beim Export in beide Länder. Im ungünstigsten Fall kann das für die Schweiz bereits ab 26. Mai 2020 eintreten, für Großbritannien ab 1. Januar 2021.

Worauf sollte sich die Branche in Sachen Coronavirus einstellen?

Hier sind kurzfristig unbedingt die Auswirkungen auf die Lieferketten der Hersteller zu beachten. Bei bestimmten Produkten ist es auch möglich, dass Länder Exportbeschränkungen verhängen, um die nationale Versorgung sicherzustellen. Auch bei Reisen in Auslandsmärkte ist mit Einschränkungen zu rechnen. Mittelfristig wird es darauf ankommen, wie die Pandemie die weltweite Konjunktur beeinflusst.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt, Chefredakteur von Devicemed.

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* Hans-Peter Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.

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