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Interview Die Bedienung ist entscheidend

Redakteur: Julia Engelke

Eine ergonomische Bedienoberfläche ist mittlerweile ein wichtiger Erfolgsparameter für Medizintechnikgeräte. Was Hersteller beachten sollten, beschreibt Lars Knoll, führender Software-Architekt und Qt Project Chief Maintainer bei der Qt Company, im Interview mit Devicemed.

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Lars Knoll ist bei der Qt Company führender Software-Architekt und Qt Project Chief Maintainer.
Lars Knoll ist bei der Qt Company führender Software-Architekt und Qt Project Chief Maintainer.
(Bild: Qt Company)

Was sollen Unternehmen beachten, wenn sie einen externen Partner wie die Qt Company auswählen?

Sicherheit und Komfort sind wichtige Auswahlkriterien. Geräte in der Medizintechnik sind immer komplexer geworden und bieten heute deutlich mehr Funktionalität an als noch vor 10 Jahren. Dies führt dazu, dass die Ergonomie des Geräts und eine einfache und intuitive Benutzerschnittstelle um ein Vielfaches wichtiger wird, um Bedienfehler zu vermeiden.

Komplex zu bedienende Geräte sind ein Ärgernis für den Benutzer und ein Risiko für den Patienten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Benutzer der Patient selbst oder ausgebildetes Fachpersonal ist, da Bedienfehler in beiden Fällen negative Konsequenzen für den Patient haben können.

Zweiter Aspekt: Unternehmen sollten auf eine konsequente und intuitive Benutzerführung achten, eine Grundvoraussetzung, um das Risiko von Bedienfehlern zu reduzieren. Hier können Software Frameworks wie Qt helfen, Fehler zu vermeiden. Qt hat spezialisierte Anwendungen, die das Erstellen von touch-basierten graphischen Schnittstellen stark vereinfachen und es User-Interface-Designern ermöglichen, direkt am Entwicklungsprozess mit teilzunehmen. Über die Tools kann die Schnittstelle schnell und einfach modifiziert werden. Dies erlaubt, schnell auf Feedback von Testpersonen zu reagieren und die Schnittstelle entsprechend zu verbessern und anzupassen.

Wichtig ist dabei, dass das Qt-Tool erlaubt, schnell zwischen Entwicklung und Testen zu iterieren. Designer können somit Änderungen direkt auf dem richtigen Gerät ausprobieren, und sind nicht darauf angewiesen, dass ein Entwickler ihre Designs in Quellcode übersetzt. Zusätzlich ermöglicht das Tool eine parallele Entwicklung der eigentlichen Funktionalität des Geräts und der Benutzerschnittstelle, was die Entwicklungszyklen beschleunigt. Also Potenzial für Produktivität, ein drittes wichtiges Kriterium.

Gerade in der Medizintechnik gibt es zahlreiche Normen und Regularien, die beachtet werden müssen. Wie stellen Sie deren Einhaltung sicher?

Zunächst erfüllen unser Unternehmen selbst und seine Produkte verschiedenste Normen. Auf Produktebene unterstützen wir unsere Kunden bei der Zertifizierung und Einhaltung von FDA, EN, ISO, IEC und anderen Regularien. Hier kann die Wahl des Software Frameworks einen großen Einfluss darauf haben, wie einfach oder komplex die Zertifizierung des Geräts am Ende wird. Qt bietet zum Beispiel Unterstützung, um die Entwicklung von sicherheitskritischen Teilen des Systems nach IEC 62304 zu vereinfachen. Zudem bieten wir Dokumentation und Transparenz über den Entwicklungsprozess, die Produktleistung und die internen Validierungen und Tests.

Charakterisieren Sie kurz, wie ein Projekt mit einem Medizintechnik-Hersteller abläuft.

Ob Dialysegeräte, Ultraschall-Scanner oder Simulatoren – Qt wird von vielen Herstellern erfolgreich eingesetzt. Das Framework gibt ihnen viele Freiheiten und Möglichkeiten, das Tool in den bestehenden Entwicklungsprozess einzubetten. Die Qt-Entwicklungsteams und UX-Designer arbeiten eng mit den Kunden zusammen und entwickeln Software und Nutzeroberflächen agil. Es gibt um Qt herum viele Anbieter, die mit Schulungen oder Beratung dem Entwicklungsteam zur Seite stehen. Mit der Qt 6.0 erhalten die Hersteller eine Produktivitätsplattform, die den gesamten Lebenszyklus der Software-Entwicklung nahtlos unterstützt.

Die Fragen stellte Marc Platthaus, Chefredakteur Devicemed.

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