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Porträt Der Wiederholungssieger

Redakteur: Julia Engelke

BGS Beta-Gamma-Service, spezialisiert auf Strahlensterilisation und Strahlenvernetzung, hat in diesem Jahr gleich doppelt Grund zum Feiern: Das Unternehmen wurde zum dritten Mal in Folge als Top-100-Innovator ausgezeichnet und feiert 2021 sein vierzigjähriges Firmenjubiläum.

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Blick in das Innere eines Dynamitron-Elektronenbeschleunigers. Mit dieser Anlage sterilisiert BGS am Standort Wiehl hauptsächlich Medizinprodukte zur Einmalanwendung, z.B. Blutabnahmesysteme.
Blick in das Innere eines Dynamitron-Elektronenbeschleunigers. Mit dieser Anlage sterilisiert BGS am Standort Wiehl hauptsächlich Medizinprodukte zur Einmalanwendung, z.B. Blutabnahmesysteme.
(Bild: BGS_Markus Steur)

Die Beta-Gamma-Service GmbH & Co. KG, kurz BGS, hat 2021 beim Innovationswettbewerb Top 100 zum dritten Mal in Folge den Sprung unter die Besten geschafft. In dem wissenschaftlichen Auswahlverfahren der Top 100 überzeugte das Unternehmen in der Größenklasse B (51 bis 200 Mitarbeiter) besonders in den Kategorien „Innovationsförderndes Top-Management“ und „Außenorientierung/Open Innovation“. BGS konnte seine Innovationsstärke vor allem im Zuge der Coronakrise unter Beweis stellen.

Doch das 1981 in Wiehl bei Köln gegründete Unternehmen feiert in diesem Jahr nicht nur die dritte Top-100-Auszeichnung, sondern auch das vierzigjährige Firmenjubiläum. „Wir sind seit vier Jahrzehnten auf die Sterilisation von Produkten für die Medizintechnik spezialisiert“, berichtet Geschäftsführer Dr. Andreas Ostrowicki, der die Geschicke des Unternehmens seit 2008 leitet.

BGS gehört zu den Pionieren der industriellen Anwendung mit beschleunigten Elektronen (Betastrahlen) und Gammastrahlen. Durch beständiges Wachstum und seine dynamische Investitions­bereitschaft ist das durchgängig in privater Hand geführte Unternehmen heute Deutschlands größter Anbieter von Bestrahlungsdienstleistungen.

Medizinprodukte und Co. sicher und effizient sterilisieren

BGS ist spezialisierter Anbieter auf dem Gebiet der Kunststoffveredelung durch Strahlenvernetzung sowie der Strahlensterilisation von sensiblen Gütern wie Medizinprodukten, In-vitro-Diagnostika, Verpackungsmaterialien und Verbrauchsmaterialien für Labor und Biotechnologie. An drei Standorten – Bruchsal bei Karlsruhe, Saal an der Donau und Wiehl bei Köln – beschäftigt das Unternehmen insgesamt 190 Mitarbeiter und betreibt zwei Gamma-Anlagen sowie acht Elektronenbeschleuniger. Durch den strategischen Anlagenausbau der letzten Jahre können die Dienstleistungen heute an allen Standorten gleichermaßen angeboten werden. Dadurch werden die Logistik und Flexibilität für die Kunden verbessert und schnellere Durchlaufzeiten ermöglicht. Zahlreiche Partnerschaften mit Hochschulen und führenden Forschungsinstituten sowie enge Beziehungen zu den Kunden sind die Voraussetzung für die stetige Entwicklung neuer Anwendungsbereiche für die Dienstleistung von BGS.

Mithilfe von ionisierender Strahlung, dazu gehören Beta- und Gammastrahlen, werden pathogene Keime, Schimmelpilze und Sporen schnell, sicher und umweltfreundlich zerstört. Anwendung findet die Technologie der Strahlensterilisation bei Produkten der Medizintechnik und Biotechnologie, Pharmazie und Forschung sowie bei Lebensmittelverpackungen und Rohstoffen für die Kosmetik­industrie. Durch die Strahlensterilisation, die rückstandsfrei und ohne Einsatz von Chemikalien erfolgt, werden die Produkte sicher für den Gebrauch – und sind nach der Behandlung sofort einsatzfähig.

Zweites Standbein von BGS ist die Strahlenvernetzung, d. h. die Materialveredelung verschiedener Kunststoffe durch die Behandlung mit Beta- und Gammastrahlen. Hierbei werden chemische Reaktionen in Kunststoffen ausgelöst, wodurch sich die Moleküle neu verbinden und vernetzen. Preiswerte Massenkunststoffe und technische Kunststoffe erhalten dadurch die mechanischen, thermischen und chemischen Eigenschaften von Hochleistungskunststoffen. Nach der Strahlenvernetzung können die Produkte unter Bedingungen eingesetzt werden, denen sie üblicherweise nicht standhalten würden. Anwendung findet dieses „Upgrading“ zum Beispiel in der Automobilindustrie, wo es schon jetzt einen wichtigen Beitrag zum Leichtbau leistet und dazu beiträgt, elektrische Antriebe sparsamer und die E-Mobilität marktfähig zu machen. Auch in der Elektroindustrie und dem Maschinenbau sowie bei der Materialoptimierung von Kabeln, Rohren und Schläuchen kommt die Strahlenvernetzung zum Einsatz. Gemeinsam mit Partnern wird aktuell in verschiedenen Projekten an neuen Anwendungen geforscht und dabei ist sicher: Das Potenzial, das in ionisierender Strahlung steckt, ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Zum dritten Mal in Folge als Top-100-Innovator ausgezeichnet

Und auf ständige Innovationen kommt es beim Top-100-Wettbewerb an: „Wiederholungssieger“ müssen sich dabei nachweislich verbessert haben. „Wir sind bei BGS auf Wachstumskurs und freuen uns, dass unsere Investitionsbereitschaft und damit der Ausbau unserer Standorte sowie unsere permanente digitale Weiterentwicklung als entscheidende Faktoren in die Bewertung eingeflossen sind“, kommentiert BGS-Geschäftsführer Ostrowicki die Auszeichnung.

Aufgrund der aktuellen Situation gab es bei dieser Runde zudem einen Sonderteil, in dem die unternehmerische Reaktion auf die Coronakrise untersucht wurde. „Unsere Dienstleistung, die Strahlensterilisation, spielt in der modernen Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle. Mithilfe von Beta- und Gammastrahlen bringen wir sensible Medizinprodukte und Einwegartikel in einen sterilen Zustand und machen sie so sicher für die Anwendung am Menschen. In Pandemiezeiten ist unsere Technologie unverzichtbar, denn sie ist ein wichtiger Baustein in der Herstellung von Impfstoffen – so sterilisieren wir beispielsweise Einweg- Bioreaktoren, in denen Vakzine gegen Covid-19 produziert werden. Hier haben wir umgehend Kapazitäten geschaffen und die Produktion so umgestellt, dass entsprechende Produkte mit Priorität behandelt werden konnten“, so Ostrowicki weiter. Besondere Flexibilität und Lösungen für bestehende Prozesse hat die Coronakrise dem Unternehmen auch aufgrund der zeitweise massiven Ein- und Ausreisebeschränkungen abverlangt, die mit einem inländischen Partner gelöst werden konnten.

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