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Withings Das sind die Health-Tech-Trends 2021

Autor / Redakteur: Mathieu Letombe* / Julia Engelke

Von der EKG-Messung am Handgelenk bis zur KI-gestützten Diagnostik: Gesundheitstechnologien boomen. Corona wirkt wie ein Katalysator. Dabei könnten sich 2021 einige Entwicklungen verstärken, die wir schon heute beobachten. Ein Überblick.

Apps und Wearables sind nur ein Teil der Health-Tech-Trends aus dem vergangenen Jahr, die 2021 verstärkt zum Einsatz kommen werden.
Apps und Wearables sind nur ein Teil der Health-Tech-Trends aus dem vergangenen Jahr, die 2021 verstärkt zum Einsatz kommen werden.
(Bild: Withings)

Das Jahr 2020 war mit Blick auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens wohl so etwas wie ein Wendepunkt. Die Corona-Pandemie beschleunigte größtenteils Entwicklungen, die es schon vorher gab, denn die Krise machte den Einsatz von Health-Tech schlicht notwendig.

Wie gefragt Gesundheitstechnologien momentan sind, macht auch ein Blick auf das Investitionsverhalten von Geldgebern deutlich: Mehr als 16 Mrd. US-Dollar werden Investoren wohl weltweit bis Ende des Jahres in Health-Tech-Unternehmen gesteckt haben, prognostiziert die Silicon Valley Bank in einem kürzlich veröffentlichten Report. Zum Vergleich: 2019 lag die Investitionssumme bei rund 12 Mrd. US-Dollar.

Doch was kommt nach dem Corona-Jahr 2020? Welche Health-Tech-Trends erwarten uns in den nächsten 12 Monaten? Drei Entwicklungen sind besonders wahrscheinlich.

Telemedizin wird zur Normalität

Telemedizin hat 2020 im Zuge der Covid-19-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Akzeptanz für den Einsatz digitaler Technologien bei der Gesundheitsversorgung aus der Ferne wuchs in der Bevölkerung enorm. Rund zwei Drittel der Deutschen stehen Telemedizin laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens McKinsey heute aufgeschlossener gegenüber als noch vor der Krise. Gleichzeitig wuchs auch das Angebot: Im Frühjahr 2020 boten bereits 52 Prozent aller niedergelassenen ÄrztInnen Video-Sprechstunden an. Ende 2017 waren es gerade einmal zwei Prozent, wie eine Befragung der Stiftung Gesundheit und des Health Innovation Hub (HIH) unter 2.000 Ärzten ergab. Ähnlich positiv, so das Ergebnis des McKinsey E-Health Monitors 2020, sind auch die Zahlen für Gesundheits-Apps: Im ersten Quartal 2020 verzeichneten die mobilen Anwendungen in Deutschland fast zwei Mio. Downloads – und damit rund doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Auch 2021 wird sich diese positive Entwicklung aller Voraussicht nach fortsetzen. Dabei könnte 5G zum Game Changer werden. Mit geringeren Latenzzeiten und schnellerer Datenübertragung könnte der neue Mobilfunkstandard den Boden für die weitere Normalisierung von Telemedizin im Alltag der Menschen bereiten. Mehr noch: Einige Experten gehen davon aus, dass durch 5G sogar virtuelle Operationen aus der Ferne möglich werden.

Gesundheits-Wearables werden Teil von Behandlungsstrategien

Knapp ein Drittel aller Deutschen besaßen 2019 einer Bitkom-Studie zufolge bereits einen Fitnesstracker. Eine Zahl, die – davon ist im Corona-Jahr der Lockdowns auszugehen – 2020 wohl nochmal deutlich höher liegen wird. Dabei sind Wearables längst auch dabei, im Gesundheitswesen eine entscheidende Rolle einzunehmen. So sind smarte Health-Produkte wie die Scan-Watch von Withings mittlerweile in der Lage, beispielsweise Anzeichen von Herzrhythmusstörungen und nächtliche Atmungsstörungen zu erkennen. Diese Informationen können im Anschluss mit dem behandelnden Arzt geteilt werden.

Die Gesundheits-Wearables werden damit immer häufiger auch Teil von telemedizinischen Behandlungsstrategien. So unterstützen sie Kliniken und Ärzte dabei, die Gesundheitsdaten ihrer Patienten aus der Ferne zu überwachen (Remote Patient Control) – ein Trend, der sich in diesem Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach noch beschleunigen wird. So können auch Langzeit-Therapien bzw. -Untersuchungen über mehrere Wochen und Monate hinweg immer einfacher durchgeführt werden. Entscheidend wird dabei sein, dass Daten sicher und datenschutzkonform ermittelt und dann möglichst effizient genutzt werden, um die Medizin insgesamt voranzubringen.

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Diagnostik

Gesundheitsdaten, die über Apps und Wearables generiert werden, können zunehmend eingesetzt werden, um Krankheitsbilder zu entdecken. Doch die schiere Menge an Informationen überfordert das medizinische Fachpersonal verständlicherweise. Hier kommt immer häufiger künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, um via Algorithmen nach Mustern Ausschau zu halten. Besonders hilfreich ist KI vor allem dort, wo diagnostische Informationen bereits digitalisiert sind, also z.B. bei der Erkennung von Lungenkrebs oder Schlaganfällen auf Basis von CT-Scans oder bei der Beurteilung des Risikos von Herzerkrankungen anhand von EKG-Messungen und Herz-MRT-Aufnahmen.

Dass auch Patienten für den Einsatz von KI im Rahmen der Erstdiagnostik offen sind, zeigen Ergebnisse einer Umfrage, die der Versicherer Continentale 2019 durchgeführt hat: So gaben fast zwei Drittel der Teilnehmenden an, dass sie sich vorstellen können, auf eine Diagnose mittels KI zu setzen – auch wenn die Mehrheit das nicht als Ersatz für einen Arztbesuch verstanden wissen will. Ein durchaus positives Signal, das zeigt, welche Perspektive KI im Rahmen der Diagnostik in den kommenden Jahren bietet: nämlich den Weg weg von einer rein reaktiven hin zu einer proaktiven Gesundheitsversorgung.

2021 wird der Einsatz von Gesundheits-Wearables und Apps im medizinischen Kontext weiter zunehmen. Telemedizinische Behandlungen werden damit immer mehr zur Normalität, während die digital gewonnenen Mengen an Gesundheitsdaten Ärzten dabei helfen können, Krankheitsmuster frühzeitig zu erkennen.

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* Der Autor: Mathieu Letombe ist CEO von Withings.

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