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Dermatologische Sonografie Hautkrebs: Hochfrequenzultraschall vermisst Tumortiefe im Gesicht

Von Guido Deußing 4 min Lesedauer

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Basalzell- und Plattenepithelkarzinome entstehen häufig an dauerhaft sonnenexponierten Stellen wie Nase, Ohren, Stirn und Kopfhaut. Hochfrequente Sonografie kann vor einem Eingriff zeigen, wie weit ein Tumor unter der Oberfläche reicht – und damit Operationsplanung und Therapiewahl unterstützen.

Hochfrequenzultraschall kann vor einer Operation sichtbar machen, wie tief ein Hauttumor in das Gewebe hineinreicht und ob Knorpel oder andere Strukturen betroffen sind. Die Sonografie ergänzt damit die klinische Untersuchung und unterstützt die Planung des Eingriffs.(Bild:  Guido Deußing / KI-generiert)
Hochfrequenzultraschall kann vor einer Operation sichtbar machen, wie tief ein Hauttumor in das Gewebe hineinreicht und ob Knorpel oder andere Strukturen betroffen sind. Die Sonografie ergänzt damit die klinische Untersuchung und unterstützt die Planung des Eingriffs.
(Bild: Guido Deußing / KI-generiert)

Man sollte sich nicht allzu lange ungeschützt intensivem Sonnenlicht aussetzen. Das Stichwort lautet Hautkrebsrisiko: UV-Strahlung schädigt die Haut lange, bevor ein Tumor sichtbar wird. UV-B erzeugt in der Epidermis vor allem direkte DNA-Schäden wie Cyclobutan-Pyrimidin-Dimere. UV-A dringt tiefer ein und trägt über reaktive Sauerstoffspezies zur Schädigung von Erbgut und Zellbestandteilen bei. Beide Strahlungsbereiche können Mutationen fördern. Für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome ist besonders die über Jahre angesammelte UV-Dosis relevant; auch intensive Einzelbelastungen können zum Risiko beitragen.

Schutzmaßnahmen werden ab einem UV-Index von 3 empfohlen. Am stärksten ist die UV-Strahlung in den Stunden um den Sonnenhöchststand. Höhe sowie reflektierende Flächen wie Wasser, Sand oder Schnee können die Exposition verstärken. Dünne Wolken mindern sie mitunter nur wenig und können die Belastung durch Streuung zeitweise sogar erhöhen. Gesicht, Ohren und unbehaarte Kopfhaut bleiben im Alltag häufig unbedeckt und sind entsprechend gefährdet.

Für die Therapieplanung reicht der Blick auf die Tumoroberfläche nicht immer aus. An Nase und Ohr liegen Haut, Unterhautfettgewebe, Knorpel, Gefäße und Knochen dicht beieinander. Ein äußerlich kleiner Befund kann tiefer reichen, als Inspektion, Palpation oder Dermatoskopie erkennen lassen. Wird dies erst während der Operation sichtbar, kann ein größerer Eingriff oder eine aufwendigere Rekonstruktion notwendig werden.

Hochfrequenzultraschall in der Dermatologie

Hochfrequenzultraschall bildet die Gewebeschichten unterhalb der sichtbaren Hautveränderung in Echtzeit ab. Für dermatologische Untersuchungen werden lineare Schallköpfe mit Frequenzen ab etwa 15 MHz empfohlen, häufig ergänzt um Farb- oder Power-Doppler. Mit steigender Frequenz verbessert sich die axiale Ortsauflösung, während die Eindringtiefe abnimmt. Bei 15 MHz liegt die axiale Ortsauflösung bei etwa 100 µm; ultrahochfrequente Systeme mit bis zu rund 70 MHz können etwa 30 µm erreichen.

Untersucht wird die Läsion in mindestens zwei Ebenen. Bestimmen lassen sich Tumordicke und seitliche Ausdehnung sowie die Beziehung zu Knorpel, Muskel oder Knochen. Dopplerverfahren können zusätzlich die Durchblutung innerhalb und am Rand des Tumors darstellen. Die Sonografie ersetzt die Histologie nicht, liefert aber vor dem Eingriff räumliche Informationen, die Biopsie und klinische Untersuchung nicht immer vollständig bereitstellen.

Was die Wissenschaft sagt

Eine retrospektive Studie untersuchte 60 histologisch bestätigte Basalzell- und Plattenepithelkarzinome an Nase und Ohr bei 55 Patientinnen und Patienten. Darunter waren 34 Basalzell- und 26 Plattenepithelkarzinome. In zehn Fällen (16,6 %) erkannte der präoperative Hochfrequenzultraschall eine tiefe Knorpel- oder Knochenbeteiligung bzw. eine lokoregionale Ausbreitung. Diese Befunde wurden per CT oder MRT bestätigt und veränderten das ursprünglich geplante operative Vorgehen. Bei fünf dieser zehn Fälle – allesamt Basalzellkarzinome – wurde die geplante Operation auf Beschluss des interdisziplinären Tumorboards durch eine systemische Therapie mit einem Hedgehog-Inhibitor ersetzt, um einen funktionell und kosmetisch stark beeinträchtigenden Eingriff zu vermeiden.

In zwei weiteren Fällen zeigte die Sonografie eine örtlich begrenzte Knorpelinfiltration. Die Operationsplanung konnte daraufhin angepasst und die Zahl der notwendigen Eingriffe reduziert werden. Die übrigen 48 Läsionen wurden operativ entfernt. Sonografisch und histologisch bestimmte Tumortiefen korrelierten sehr stark; der Pearson-Korrelationskoeffizient lag für beide Tumorarten über 0,99. Das bezeichnet eine enge statistische Beziehung zwischen beiden Messungen, nicht eine Messgenauigkeit von mehr als 99 Prozent.

Die Aussagekraft der Studie bleibt allerdings begrenzt: Es handelte sich um eine retrospektive Untersuchung aus einem einzigen Zentrum mit ausgewählten Tumoren und einer einzelnen, erfahrenen Untersucherin. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf alle Hauttumoren, Geräte und Versorgungssituationen übertragen. Dessen ungeachtet sichert die histopathologische Untersuchung einer Biopsie oder des entfernten Gewebes weiterhin die Diagnose ab. Am Operationspräparat lässt sich zusätzlich prüfen, ob der Tumor vollständig und mit freien Resektionsrändern entfernt wurde. Bei ausgewählten Tumoren an Nase und Ohr kann die Sonografie helfen, Operation und Rekonstruktion genauer vorzubereiten, Operationsschritte einzusparen oder bei tiefer Ausbreitung andere Behandlungsformen zu erwägen.

Perspektiven für Hersteller und Anwender

Noch ist das Verfahren in der Hautkrebschirurgie nicht flächendeckend etabliert. Bildqualität und Aussagekraft hängen von Ultraschallsystem, Schallkopf, Untersuchungstechnik und Erfahrung ab. Die European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB) hat hierzu eine schriftliche Erklärung vorgelegt. Nach Einschätzung der Fachgesellschaft reicht die verfügbare Literatur bislang jedoch nicht für evidenzbasierte Leitlinien aus. Für Hersteller und Anwender sind damit vor allem relevant: geeignete Sondengeometrien für schwer zugängliche und unregelmäßige Areale wie Nase und Ohr, eine hohe Nahfeldauflösung, empfindliche Dopplerverfahren, reproduzierbare Dokumentation und strukturierte Schulungskonzepte.

Referenzen

- Hautkrebs im Gesicht: Ultraschall zeigt, wie tief der Tumor wächst. Pressemitteilung der DEGUM vom 21.07.206. https://www.degum.de/presse.html
- Crisan D, Wortsman X, Catalano O, et al. Pre-operative high-frequency ultrasound: a reliable management tool in auricular and nasal non-melanoma skin cancer. J Dtsch Dermatol Ges. 2024;22(3):357–365. doi:10.1111/ddg.15308.
 - Wortsman X. Ultrasound in skin cancer: why, how, and when to use it? Cancers. 2024;16(19):3301. doi:10.3390/cancers16193301.
- Alfageme F, Wortsman X, Catalano O, et al. European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology position statement on dermatologic ultrasound. Ultraschall Med. 2021;42(1):39–47. doi:10.1055/a-1161-8872.
- Pfeifer GP. Mechanisms of UV-induced mutations and skin cancer. Genome Instab Dis. 2020;1:99–113. doi:10.1007/s42764-020-00009-8.
-World Health Organization. Ultraviolet radiation [Internet]. Geneva: WHO; 21.06.2022 [zitiert am 24.07.2026]. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ultraviolet-radiation.

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