Medtec Live Alexander Stein: „Es braucht keine zwei Medizintechnik-Messen in Süddeutschland“
Nach der Fusion der Messen Medtec Europe und MT-Connect zur neuen Medtec Live in Nürnberg sind es noch rund 3 Monate bis zu deren Erstveranstaltung. Im Interview mit Devicemed informieren Alexander Stein, Veranstaltungsleiter der Nürnberg Messe, und Dr. Matthias Schier, verantwortlich für den begleitenden Medtech Summit, über den aktuellen Stand.
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- Vereinigung der Stärken
- Nürnberg als attraktiver Standort mit internationaler Reichweite
- Begleitung durch Medtech Summit: Kombination aus Kongress- und Messebesuch
Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenführung der Messen Medtec Europe und MT-Connect zur neuen Medtec Live?
Stein: Wir sind sehr zufrieden. Die Nürnberg Messe und UBM haben ihre Stärken vereint. Wenn zwei große Player sich zusammentun, um gemeinsam Synergien zu heben, ist das immer ein Risiko. Aber die Zusammenarbeit läuft hervorragend und unser Konzept kommt im Markt außerordentlich gut an. Das ist das Entscheidende. Wir nehmen die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik in den Blick und richten uns konsequent an den großen Trendthemen aus. Und mit der großen internationalen Vernetzung bringen wir ein attraktives Programm mit tollen Ausstellern nach Nürnberg.
Welche Rolle spielt Ihr Joint-Venture-Partner UBM als Veranstalter der bisherigen Medtec Europe bei der neuen Medtec Live?
Stein: Wir sind mit dem Angebot angetreten, dass jeder unserer Aussteller seinen persönlichen Kontakt bei uns oder bei UBM behält, um für die Aussteller bei der Standbuchung und Organisation Kontinuität sicherzustellen. Hinter den Kulissen tut sich aber natürlich einiges. Gerade das große internationale Netzwerk von UBM mit den eigenen großen Medtech-Messen weltweit wie Arab Health oder die MD&M-Serie in den USA verschaffen uns für unser gemeinsames „Produkt“ Medtec Live einen globalen Marktzugang, den wir alleine so nicht gehabt hätten. Grundsätzlich übernimmt aber die Nürnberg Messe die Organisation und technische Abwicklung der Medtec Live und greift hierbei auf die erfahrenen Servicepartner der Nürnberg Messe zurück. Dies ist eine der großen Veränderungen in Hinblick auf vergangene Organisation der bisherige Medtec Europe.
Böse Stimmen haben geunkt, dass zwei „kranke Messen“ noch lange keine gesunde Messe ergäben. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Stein: Klar ist, dass im Süden langfristig nur Potenzial für eine große jährliche Veranstaltung ist. Natürlich sind wir überzeugt davon, dass diese Veranstaltung in Nürnberg zu Hause sein wird. Der Standort überzeugt mit exzellenten Bedingungen, einer starken Medtech-Industrie in der Region und einer traditionell international starken Vernetzung. Gemeinsam mit den genannten Stärken von UBM wird die Medtec Live einen international ausgerichteten Ansatz mit klarem Fokus auf die Zukunftsthemen der Branche verfolgen. Wir wollen eine starke Veranstaltung in einer starken Region mit starker internationaler Vernetzung. Und daran arbeiten wir.
Lassen Sie Zahlen sprechen. Die Medtec Europe hatte 2018 480 Aussteller, die MT-Connect 150. Wie viele Aussteller werden es auf der Medtec Live 2019 sein?
Stein: Das wissen wir ganz genau am ersten Messetag – oder zumindest kurz zuvor. Ich kann heute schon verraten, dass wir unser Ziel, zwei Messehallen gut zu füllen, erreichen werden. Und ich kann verraten, dass wir tatsächlich auch die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik – von der Entwicklungsleistung über Software und Hardware bis hin zu Verpackung oder Inverkehrbringen abbilden werden. Und das nicht nur als Produktshow, sondern als überzeugender Netzwerk-Event, der alle Akteure der Medtech-Branche zusammenbringt. (Anm. d. Red.: 293 Aussteller laut Online-Liste vom 21.2.2019)
Welche Rolle spielt der begleitende Kongress Medtech Summit?
Schier: Wir verfolgen schon immer die Strategie, dass sich die unterschiedlichen Module der Medtec Live und des Medtech Summit – Kongress und Partnering perfekt ergänzen. So entsteht ein Komplettangebot zur Vernetzung, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Ziel der Kongress-Vorträge ist es, Information über aktuelle Trends und Lösungsideen zu geben, aber auch in interaktiven Sessions gemeinsam Ansätze zu finden, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Thematisch werden sowohl Aspekte innovativer Technologien, als auch die Schritte im Innovationsprozess adressiert. Das Medtech Summit Partnering ergänzt die Vernetzungsangebote um die Möglichkeit intensiver Kooperationsgespräche.
Wie profitieren Kongressbesucher von der Messe?
Schier: Durch die viel größere Reichweite der neuen Medtec Live erwarten wir auch eine Steigerung im Bekanntheitsgrad und damit der Teilnehmerzahlen des Medtech Summit. Für manchen potenziellen Kongressbesucher gibt die Möglichkeit der effizienten Kombination aus Kongress- und Messebesuch erst den endgültigen Impuls zur Teilnahme. Beim Hören von Vorträgen oder bei interaktiven Diskussionen entstehen Projektideen, für die sofort im Anschluss auf der Messe die richtigen Partner zur Umsetzung gefunden werden – das wirkt wie ein Katalysator für die Innovationsdynamik.
Und umgekehrt?
Stein: Die inhaltliche Tiefe ist eine andere als bei einer reinen Fachmesse. Wir erwarten nicht nur Vertriebler an den Ständen, sondern – wie in den Vorjahren auch – Produktmanager und Entwickler auf der Messe. Denn das Publikum vom Einkäufer oder Entscheider bis hin zum Anwender in Klinik oder Praxis ist durch den Medtech Summit bunter. Der Austausch ist intensiver und auf einem anderen fachlichen Niveau. Diese vielen Experten an einem Platz sind für die Messebesucher ein klares Plus. Außerdem haben die Messebesucher die zusätzliche Möglichkeit, neben dem Kongress auch am Partnering teilzunehmen. Hier können gezielt Kontakte angebahnt und im persönlichen Gespräch vertieft werden.
Hat sich neben der Messe auch der Medtech Summit verändert?
Schier: Wir entwickeln das Konzept des Summit von Jahr zu Jahr weiter und berücksichtigen dabei Rückmeldungen und Trends. In diesem Jahr ergänzen wir die Vortrags-Sessions um verschiedene interaktive Formate. Beispielsweise können Teilnehmer im Anschluss an Impulsvorträge aus einem breiten Themenspektrum wählen und an Diskussionsrunden nach dem World Café Format teilnehmen. Ebenso wird der Einsatz digitaler Tools für mehr Interaktivität sorgen. Aber auch thematisch werden neue Trends wie Robotik, Künstliche Intelligenz oder Data Analytics neu aufgegriffen.
Welches sind die Highlights der Messe und des Kongresses?
Stein: Da haben wir einige zu bieten: Die Aussteller aus derzeit 26 Ländern, der Innovation Market Place mit Start-ups und Forschergruppen, ein Neuheiten-Stand, der alle Innovationen bündelt, sowie die exzellente Know-how-Vermittlung im Messeforum. Das sind die Highlights der Medtec Live. Besonders freue ich mich über das Engagement der vielen Verbände, die uns tatkräftig unterstützen und das Programm im Messeforum bestreiten. Da steckt jede Menge Expertise drin, von der die Messebesucher und Aussteller profitieren können.
Schier: Die Anmeldungen zum Medtech Summit sind schon frühzeitig gut angelaufen. Das zeigt, dass der Themenmix die aktuellen Fragestellungen der Branche gut trifft. Insofern sind wir überzeugt, dass nicht einzelne Sessions oder Referenten als Highlights herausstechen sollten, sondern dass den Besuchern gerade die Kombination der vielfältigen Technologie-Trends mit den Antworten auf die drängenden Herausforderungen der Branche wichtig ist. Genau das bieten wir.
Welches ist das stärkste Differenzierungsmerkmal gegenüber der ebenfalls neuen Messe T4M in Stuttgart?
Stein: Wir nehmen die Zukunftsthemen der Medizintechnik ins Visier und blicken über den Tellerrand. Damit meine ich auch, dass wir konsequent die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik bieten – von der ersten Produktidee bis zur Verpackung und Logistik. Das macht uns einzigartig. Und: Wir sind zwar in einer wahnsinnig starken Medtech-Region mit einem der größten Medizintechnik-Player weltweit und einem regen Mittelstand zuhause, aber die Medtec Live ist keine regionale, sondern eine klar internationale, europäisch ausgerichtete Veranstaltung. Dafür stehen NürnbergMesse und UBM.
Zum Abschluss Hand aufs Herz: Braucht es mit der Medtec Live und der T4M zwei jährliche Branchenmessen in Süddeutschland?
Stein: Nein! Und weil das natürlich allen klar ist und auch war, haben sich UBM und Nürnberg Messe ja auch zusammengetan, um eine geeinte Branchenmesse zu kreieren: Der Treffpunkt der Medizintechnikbranche im Frühjahr ist die Medtec Live im Mai in Nürnberg.
Schier: Es braucht in Süddeutschland ein Angebot zur umfassenden Information, Kommunikation, Kooperation und Vernetzung für die Medizintechnik-Community – das gibt es nur in Nürnberg durch die Kombination aus Medtech Summit und Medtec Live.
Die Fragen stellte Chefredakteur Peter Reinhardt.
Chronologie der Medtec Live
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