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Top 100

18 Medtechfirmen zeigen, wie Innovationen entstehen – und wie man sie vermarktet

| Autor/ Redakteur: Kathrin Schäfer / Kathrin Schäfer

Der Innovationswettbewerb Top 100 ermittelt einmal im Jahr die innovativsten Unternehmen des Mittelstands. 2016 finden sich sage und schreibe 18 Firmen unter den Gewinnern, die Medizintechnik herstellen oder die Medtech-Branche beliefern. Was macht ihren Erfolg aus?

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„Innovator des Jahres“ in der Größenklasse A ist die Fiagon AG. Das Medizintechnik-Start-up entwickelt, produziert und vertreibt mit 40 Mitar- beitern elektromagnetische Navigationssysteme für chirurgische Eingriffe. Von links nach rechts im Bild zu sehen sind: Top-100-Mentor Ranga Yogeshwar, Fiagon-Geschäftsführer Dr. Timo Krüger, der wissenschaftlicher Leiter von Top 100, Prof. Dr. Nikolaus Franke, sowie der Top-100-Organisator Joachim Schuble.
„Innovator des Jahres“ in der Größenklasse A ist die Fiagon AG. Das Medizintechnik-Start-up entwickelt, produziert und vertreibt mit 40 Mitar- beitern elektromagnetische Navigationssysteme für chirurgische Eingriffe. Von links nach rechts im Bild zu sehen sind: Top-100-Mentor Ranga Yogeshwar, Fiagon-Geschäftsführer Dr. Timo Krüger, der wissenschaftlicher Leiter von Top 100, Prof. Dr. Nikolaus Franke, sowie der Top-100-Organisator Joachim Schuble.
( Bild: KDBusch / Compamedia )

Ausschlaggebend für einen Platz unter den Top 100 sind nicht einzelne Erfindungen, sondern das Innovationsmanagement und der Innovationserfolg der Unternehmen im Ganzen. Mit anderen Worten: Die ausgezeichneten Unternehmen sind in der Regel Trendsetter in ihren Branchen. Was kann man sich von ihnen abschauen? Von welchen Erfolgen kann man lernen?

Wie viel Zeit braucht es, um Innovationen zu realisieren?

Relativ banal erscheint die Erkenntnis, dass Innovationen Zeit brauchen – und dass diese Zeit Mitarbeitern und Management zur Verfügung stehen muss. Was es bedeutet, diese Erkenntnis ernst zu nehmen, zeigen die Beispiele zweier Firmen: Die Blue Safety GmbH aus Münster ist Spezialist für Wasserhygiene in Zahnarztpraxen und hat auf diesem Feld sowohl national als auch international fünf Jahre Vorsprung zur Konkurrenz. Die Geschäftsführer Jan Papenbrock und Christian Kunze wenden drei Viertel ihrer Arbeitszeit für Innovationen auf.

Ähnlich sieht es bei der Med-Tec Medizintechnik GmbH aus. „Eine Innovation muss die Welt verbessern und dabei ein bisschen aus dem Rahmen fallen“, sagt Axel Muntermann, Gesellschafter und Geschäftsführer von Med-Tec Medizintechnik. Acht nationale und weit über 150 internationale Patente hält das Unternehmen. Das Management wendet immerhin 70 Prozent seiner Arbeitszeit für die Beschäftigung mit Innovationen auf und bildet sich an 80 Tagen im Jahr weiter.

Wie lässt sich ein offenes Klima für neue Ideen schaffen?

Einen offenen Umgang mit seinen Kunden pflegt die Bego Unternehmensgruppe, ein Spezialist für Dentalprothetik und -implantologie, in den Phasen der Produktentwicklung. Das Unternehmen lädt seine Schlüsselkunden in einem frühen Stadium dazu ein, ihre individuellen Anforderungen an Neuentwicklungen zu formulieren. Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigt das Beispiel eines 2015 entwickelten 3D-Druckers. In der Testphase hatten ausgewählte Kunden die Möglichkeit, Prototypen des neuen Druckers einem Praxistest zu unterziehen und daraus spezielle Anforderungen an das Serienprodukt abzuleiten.

Offenheit, aber auch Gelassenheit im Umgang mit Fehlern können entscheidend dazu beitragen, dass Mitarbeiter Innovationen im Unternehmen vorantreiben. So überzeugte die Medagent GmbH & Co. KG bei den Top 100 mit ihrem kreativen Arbeitsklima. Der Dienstleister unterstützt Medizinproduktehersteller in regulatorischen und rechtlichen Angelegenheiten. Franz und Nicole Menean lassen ihren Angestellten dabei Freiraum, um Erfahrungen zu sammeln – und auch mal Fehler zu machen. Die beiden Chefs legen viel Wert darauf, dass das Team alle Prozesse und sich selbst immer wieder kritisch hinterfragt.

Ähnlich hält es die Simicon GmbH. Regelmäßig stellen sich die Teams aus den verschiedenen Abteilungen Fragen wie „Warum machen wir das immer noch so?“, „Kann man das anders machen?“ und „Wie lange wollen wir das Produkt noch so herstellen?“. Prinzipiell können sich alle 15 Mitarbeiter des Top-100-Unternehmens in den Innovationsprozess einbringen. Die Münchener sind stolz darauf, dass im vergangenen Jahr sogar 100 Prozent dieser Ideen verwirklicht wurden. Und: Es dauert im Schnitt nur fünf Tage, bis ein Ideengeber von dem Management des Familienunternehmens ein Feedback erhält. Das Top-Management prüft, ob eine Idee zum Unternehmen passt. Ist das der Fall, stellt es kurzfristig Kapital bereit, damit Mitarbeiter die Idee erproben können. Simicon bedient mit Produkten und Dienstleistungen für Hygiene-Sicherheit Kunden aus der Pharmaindustrie, der Medizintechnik, aus Kliniken, Instituten und Laborarztpraxen.

Ergänzendes zum Thema
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Devicemed-Kommentar: Es gibt kein Patentrezept

Eines machen die Erfolgsgeschichten der Top 100 deutlich: Es gibt kein Patentrezept, um den Erfolg von Unternehmen herbeizuführen. Manch eine Strategie mag banal sein: der richtige Umgang mit der Ressource Zeit oder der Fokus auf ein gutes Arbeitsklima. Hier liegt die größte Herausforderung weniger in der Erkenntnis selbst als in deren Umsetzung.

Bei der Produktentwicklung oder beim Vertrieb eigene Wege abseits ausgetrampelter Pfade zu finden, erfordert dagegen erst einmal eine Menge Kreativität. Aber mit Mut und dem Willen, die eigene Nische, die eigene Strategie zu finden, lassen sich innovationsförderliche Strukturen in jedem Unternehmen schaffen.

Kathrin Schäfer, Redakteurin

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Diese 18 Medizintechnikfirmen konnten bei Top 100 überzeugen
  • Alber GmbH
  • Balda Group
  • Bego Unternehmensgruppe
  • Blue Safety GmbH
  • Dentinic Klinik der Zahnmedizin & Ästhetik GmbH
  • Fiagon AG
  • Frank Dental GmbH
  • Hawo GmbH
  • Jen-Lab GmbH
  • Medagent GmbH & Co. KG
  • Med-Tec Medizintechnik GmbH
  • MMM Münchener Medizin Mechanik GmbH
  • Simicon GmbH
  • Syntellix AG
  • Technologie Institut Medizin GmbH (TIM)
  • Tracoe Medical GmbH
  • Vita 34 AG
  • Weber Instrumente GmbH & Co. KG
  • Bewertet wurden die Unternehmen in fünf Kategorien: Innovationsförderndes Top-Management, Innovationsklima, innovative Prozesse und Organisation, Innovationsmarketing/Außenorientierung sowie Innovationserfolg.

    Die eigene Vermarktungsstrategie: Ungewöhnliche Wege führen zum Ziel?

    Was an innovativen Produkten entwickelt und produziert wird, kann nur dann erfolgreich vermarktet werden, wenn die Vertriebsstrategie zu diesen Produkten, zum eigenen Unternehmen passt. Die Dentinic Klinik der Zahnmedizin & Ästhetik GmbH ist spezialisiert auf aufwendige zahnmedizinische Leistungen bis hin zur implantologischen Totalsanierung in Vollnarkose. Zur Zielgruppe gehören vor allem Selbstständige und Manager, die ihren Urlaub mit ihrer Zahnsanierung verbinden. Da bis zum Einsetzen der neuen Zähne einige Termine nötig sind, organisiert die Dentinic für die Patienten und deren Familien ein komplettes Hotel-, Wellness- und Freizeitprogramm.

    Mit 25 Mitarbeitern produziert die Frank Dental GmbH mehr als 4.000 Instrumente für den Dentalbereich und ist stolz darauf, sämtliche Waren in Deutschland herzustellen. Bei Top 100 punktete das Unternehmen vor allem aufgrund seiner cleveren Vertriebsstrategie: Statt auf Außendienstler setzt Frank Dental auf eine Kombination aus Telefonmarketing und Sortimentsmappen beziehungsweise -koffern. Die Produkte werden den Kunden zum Testen kostenlos zur Verfügung gestellt.

    Das Geheimnis der Hawo GmbH, die ihre medizinischen Verpackungssysteme in mehr als 100 Länder liefert: Hawo evaluiert und erschließt dazu auch Märkte in Ländern, die andere nicht auf dem Radar haben, beispielsweise Zentralafrika. Die Kernaufgabe: zukünftige Entwicklungen erkennen und in innovative Produkte umsetzen. Impulse von außen bekommt Hawo beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut an sogenannten „Übermorgenprojekten“.

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