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Dichteadaptiertes Brustkrebs-Screening Zusatzultraschall erhöht Tumordetektion bei dichtem Brustgewebe

Von Guido Deußing 4 min Lesedauer

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Eine KI-gestützte Dichtemessung kann Frauen mit besonders dichtem Brustgewebe im Mammografie-Screening identifizieren. In der deutschen DIMASOS2-Studie erhöhte zusätzlicher handgeführter Ultraschall vor allem die Detektion invasiver Karzinome. Allerdings stiegen auch Biopsierate, Personalbedarf und Kosten.

Die Grafik zeigt den Ablauf eines dichteadaptierten Brustkrebs-Screenings: Auf die Mammografie folgt eine KI-gestützte Dichtemessung. Bei besonders hoher Brustdichte kann ein zusätzlicher handgeführter Ultraschall angeboten werden. Die Studie zeigt dadurch eine höhere Tumordetektion, allerdings auch eine höhere Biopsierate(Bild:  Guido Deußing, KI-generiert nach [1,2])
Die Grafik zeigt den Ablauf eines dichteadaptierten Brustkrebs-Screenings: Auf die Mammografie folgt eine KI-gestützte Dichtemessung. Bei besonders hoher Brustdichte kann ein zusätzlicher handgeführter Ultraschall angeboten werden. Die Studie zeigt dadurch eine höhere Tumordetektion, allerdings auch eine höhere Biopsierate
(Bild: Guido Deußing, KI-generiert nach [1,2])

Bei dichtem Brustgewebe können Tumoren in Mammografie-Aufnahmen leichter verdeckt werden. Die deutsche DIMASOS2-Studie untersuchte deshalb, was ein zusätzlicher Ultraschall bei Frauen mit besonders hoher Brustdichte bringt. Eine KI-gestützte Software bestimmte zunächst automatisiert die Brustdichte und kennzeichnete Frauen, denen eine ergänzende Sonografie angeboten wurde. Zur Tumordetektion selbst wurde die KI nicht eingesetzt [1,2]. In die finale Auswertung der prospektiven, kontrollierten, aber nicht randomisierte Studie Igingen die Daten von 63.870 Frauen dieser Gruppe ein. Bei 25.341 von ihnen wurde nach der Mammografie eine handgeführte Ultraschalluntersuchung durchgeführt; weitere 38.529 wurden ausschließlich mammografiert. [1]

Software misst die Brustdichte

Zum Einsatz kam die Densitas Density Software 2.5.0. Sie ermittelt mittels KI aus digitalen Mammografieaufnahmen einen Dichtewert. Die geräteabhängig angepassten Schwellenwerte sollten Frauen im besonders dichten oberen Bereich der Dichteverteilung erfassen; tatsächlich wurden rund 18 Prozent entsprechend klassifiziert [1,2]. Unterschiede zwischen den nicht randomisiert gebildeten Gruppen wurden bei der Auswertung statistisch mittels Propensity-Gewichtung berücksichtigt [1].

DIMASOS2 – die Studie

DIMASOS2 steht für „Dichte-indiziertes mammographisch-sonographisches Brustkrebs-Screening“. Das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit rund 3,6 Mio. Euro geförderte Versorgungsforschungsprojekt lief von Juli 2019 bis Juni 2024 [2,5]. Die Projektleitung und Konsortialführung lag bei Prof. Sylvia H. Heywang-Köbrunner vom Referenzzentrum Mammographie München. Konsortialpartner war das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck unter Leitung von Prof. Alexander Katalinic [2,5]. Kern war eine prospektive, pragmatische und nicht randomisierte kontrollierte Studie, eingebettet in das deutsche Mammographie-Screening-Programm. Zwischen Mai 2020 und März 2024 wurde bei 1.052.780 Teilnehmerinnen im Alter von 50 bis 69 Jahren an den beteiligten Screeningstandorten zunächst automatisiert die Brustdichte bestimmt. 192.930 Frauen beziehungsweise 18,3 Prozent wurden als Frauen mit besonders dichtem Brustgewebe eingestuft. In die finale Auswertung gingen die Daten von 63.870 Frauen ein. 25.341 wurden nach der Mammografie zusätzlichen handgeführt sonografiert, 38.529 weitere wurden ausschließlich mammografiert [1]. Die Untersuchungen fanden an 16 Zentren in 15 Screeningeinheiten statt [2]. DIMASOS2 ist im Deutschen Register Klinischer Studien unter DRKS00019097 registriert [1,6]. Der Innovationsausschuss beschloss im Dezember 2025, die wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterzugeben; der Beschluss sieht u. a. eine Befassung zuständiger Gremien und Fachkreise vor [3]. Seit Juli 2025 läuft mit DFU – DIMASOS-FOLLOW-UP das Folgeprojekt (Förderkennzeichen 01VSF25049), läuft bis Juni 2028 und wird mit rund 900.000 Euro gefördert. Dafür werden Daten der beiden DIMASOS2-Gruppen mit Informationen aus Krebsregistern verknüpft. Untersucht werden insbesondere neu auftretende Brustkrebsfälle, deren Zeitpunkt und Stadium sowie die Frage, ob sich durch den zusätzlichen Ultraschall langfristig ein gesundheitlicher Vorteil ergibt [4].

Mehr Karzinome, aber auch mehr Biopsien

Nach Adjustierung lag die Krebsdetektionsrate mit zusätzlichem Ultraschall bei 10,70 Karzinomen je 1.000 Frauen, gegenüber 7,24 je 1.000 bei alleiniger Mammografie. Das entspricht 3,46 zusätzlichen Karzinomen je 1.000 Frauen bzw. einer relativen Erhöhung um 48 %. Vor allem invasive Karzinome wurden häufiger entdeckt; ihre Detektionsrate war um 67 Prozent höher [1]. Davon zu unterscheiden ist eine zweite Kennzahl: Innerhalb der Ultraschallgruppe gingen 2,7 zusätzlich entdeckte Karzinome je 1.000 Frauen allein auf die Sonografie zurück [2].

Der höheren Detektion standen mehr Folgeuntersuchungen gegenüber. Die Wiedereinbestellungsrate zur weiteren Abklärung stieg von 5,36 auf 6,59 %. Kurzfristige Kontrollen wurden bei 0,51 % der Frauen mit alleiniger Mammografie und bei 0,93 % der Frauen mit Zusatzultraschall empfohlen. Die Biopsierate erhöhte sich von 1,47 auf 3,16 % [1]. Bei 33,9 % der Biopsien in der Ultraschallgruppe bestätigte sich ein Karzinom, gegenüber 49,4 % in der ausschließlich mammografierten Gruppe. Rechnerisch waren rund fünf zusätzliche Biopsien erforderlich, um ein zusätzliches Karzinom zu entdecken [1].

Handgeführter Ultraschall bindet Personal

DIMASOS2 arbeitete mit handgeführtem Ultraschall und umfangreicher Qualitätssicherung. Die Befunder mussten u. a. Erfahrung aus mehr als 1.000 sonografischen Untersuchungen innerhalb von drei Jahren nachweisen und zusätzlich für das kombinierte Mammografie-Ultraschall-Verfahren geschult werden [1,2]. Auch der Zeitbedarf ist beträchtlich. Das publizierte Paper nennt für die ergänzende Ultraschalluntersuchung 15 bis 25 Minuten pro Frau [1]. Der Projektbericht kommt bei einer weiter gefassten Betrachtung einschließlich Dokumentation und gemeinsamer Bewertung von Ultraschall, Mammografie und Voraufnahmen auf etwa 20 bis 30 Minuten [2].

Hinzu kommen Mehrkosten. Das gesundheitsökonomische Modell des Projekts beziffert sie auf 45,59 Euro pro Frau mit ergänzendem Ultraschall. Würden etwa 15 % der Teilnehmerinnen des Mammografie-Screenings zusätzlich sonografiert, ergäben sich daraus nach der Modellrechnung jährliche Mehrkosten von rund 20,5 Millionen Euro für die gesetzliche Krankenversicherung [2,3]. Die automatisierte Dichtestratifizierung bewertet der Innovationsausschuss dagegen als technisch und logistisch möglich. Im qualitativen Studienteil berichteten die befragten Expertinnen und Experten jedoch von organisatorischen Grenzen, darunter Personal- und Zeitmangel. Die vollständige Studienmethode konnte deshalb in keiner der beteiligten Screeningeinheiten durchgängig umgesetzt werden [2,3].

Als mögliche technische Alternative diskutieren die Autoren den automatisierten Brustultraschall (ABUS), der die Abhängigkeit vom ärztlich durchgeführten handgeführten Ultraschall verringern könnte. Die diagnostische Leistung gilt als weitgehend vergleichbar. Dem stehen jedoch höhere Gerätekosten und der Bedarf an entsprechend geschultem technischem Personal gegenüber [1]. Ob die höhere Detektionsrate langfristig einen klinischen Vorteil bringt, bleibt offen. Das laufende Folgeprojekt DFU – DIMASOS-FOLLOW-UP (Förderkennzeichen 01VSF25049, Laufzeit Juli 2025 bis Juni 2028) untersucht deshalb unter anderem Intervall- und Folgerundenkarzinome sowie die Stadienverteilung [3,4].

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Quellen

[1] Heywang-Köbrunner SH, Elsner SA, Haußmann E, Hacker A, Grieger P, Hadwiger M, et al. Supplemental Breast Ultrasound in Mammography Screening for Women with Critically Dense Breasts. Cancers (Basel). 2026;18(10):1631. doi:10.3390/cancers18101631.
[2] Heywang-Köbrunner SH, Hacker A, Haußmann E, Elsner SA, Grieger P, Hadwiger M, et al. DIMASOS2 – Dichte-indiziertes mammographisch-sonographisches Brustkrebs-Screening. Ergebnisbericht zum Förderkennzeichen 01VSF18003 [Internet]. Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss; 2025 [zitiert am 3. Sep. 2026]. Verfügbar unter: DIMASOS2-Ergebnisbericht
[3] Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss. DIMASOS 2 – Dichte-indiziertes mammographisch-sonographisches Brustkrebs-Screening. Beschluss vom 19. Dezember 2025 [Internet]. Berlin: Gemeinsamer Bundesausschuss; 2025 [zitiert am 3. Sep. 2026]. Verfügbar unter: G-BA-Beschluss DIMASOS2
[4] Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss. DFU – DIMASOS-FOLLOW-UP. Förderkennzeichen 01VSF25049 [Internet]. Berlin: Gemeinsamer Bundesausschuss; [zitiert am 3. Sep. 2026]. Verfügbar unter: DFU – DIMASOS-FOLLOW-UP
[5] Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss. DIMASOS 2 – Dichte-indiziertes mammographisch-sonographisches Brustkrebs-Screening [Internet]. Berlin: Gemeinsamer Bundesausschuss; [zitiert am 3. Sep. 2026]. Verfügbar unter: DIMASOS2-Projektseite
[6] Deutsches Register Klinischer Studien. Dichte-indiziertes mammographisch-sonographisches Brustkrebs-Screening. DRKS00019097 [Internet]. [zitiert am 3. Sep. 2026]. Verfügbar unter: DRKS00019097

Sekundärquelle/Rechercheanlass: Deutsches Ärzteblatt. Dichtes Brustgewebe: Zusätzliche Screening-Sonografie? [Internet]. 2026 [zitiert am 2. Sep. 2026].